Dämmung

Stand: Januar 2022
Foto, Nahaufnahme einer Dämmmatte, die an einer mit dem gleichen Material bereits gedämmten Wand lehnt.

Wenn es darum geht, die Energie- bzw. Wärmeverluste, welche durch die Bausubstanz der Gebäudehülle erfolgen, zu senken, ist Dämmung eine nachweislich effektive Maßnahme. Die Praxis zeigt, dass durch die Dämmung der Gebäudehülle bzw. der thermisch relevanten Bauteile wie Außenwand, Dach/oberste Geschossdecke (OGD), Kellerdecke und Bodenplatte eine große Wirksamkeit bei der jährlichen energetischen Einsparung zu erreichen ist.

Durch eine Dämmung kann die für die Herstellung und Entsorgung des Dämmmaterials aufgewendete Energie in der Regel durch die mit ihr erzielte Endenergieeinsparung innerhalb kürzester Zeit – häufig bereits innerhalb eines Jahres – wieder ausgeglichen werden. Eine solch kurze Amortisationszeit in Bezug auf graue Energie und Emissionen ist sonst nur durch wenige Bauteile bzw. -stoffe zu erreichen. Verschiedene Dämmmaterialien unterscheiden sich hinsichtlich des jeweiligen Primärenergiebedarfs für die Herstellung. Für Zellulosedämmstoff liegt dieser beispielsweise bei nur 30 bis 60 kWh/m³, wohingegen für Polyurethan 840 bis 1.500 kWh/m³ erforderlich sind.

Vergleich Energiebedarf zur Dämmstoffherstellung und Energieeinsparung während der Nutzungsphase

Eine Kurzanalyse des VDI Zentrums Ressourceneffizienz kommt zu dem Ergebnis, dass bei einer Nutzungsdauer von über 40 Jahren erheblich mehr Energie durch die Dämmung eingespart wird, als für die für Herstellung des Dämmstoffes benötigt wird (bezogen auf die Wärmeenergie). Innerhalb eines Jahres wird die Menge an Energie eingespart, die für die relativ energieaufwändige Herstellung einer 24 cm dicken Dämmschicht expandierten Polystyrol (EPS) benötigt wird. Der energetische Aufwand für die Herstellung von Dämmstoffen amortisiert sich je nach Dämmstärke und Lebensdauer in höchstens drei bis fünf Heizperioden.

Dämmstoffarten

Abhängig von den Ausgangsstoffen für ihre Herstellung können Dämmmaterialien verschiedenen Kategorien zugeordnet werden:

  1. Organisch natürlich (nachwachsend), z.B. Schafwolle (tierisch) oder Holzwolle und Stroh (pflanzlich)
  2. Organisch synthetisch, z.B. expandiertes Polystyrol (EPS) und extrudiertes Polystyrol (XPS) oder Polyurethan-Hartschaum (PU)
  3. Anorganisch natürlich, z.B. Perlite oder Blähton
  4. Anorganisch synthetisch, z.B. Schaumglas oder Mineralwolle

Grundsätzlich werden ökologische Dämmmaterialien entweder aus nachwachsenden Rohstoffen wie Hanf, Holzfaser, Holzwolle, Zellulose, Flachs, Wiesengras, Seegras, Kokosfaser, Kork, Schilf, Jute oder Stroh hergestellt, oder sie sind natürlichen mineralischen Ursprungs wie z.B. Blähton. Weiter gibt es noch Dämmmaterialien aus recyceltem Material wie z.B. Altpapier.

Bei der Auswahl der Dämmstoffe empfiehlt sich planungsbegleitend eine ganzheitliche Betrachtung ihres Lebenszyklus - von der Herstellung bis hin zum Rückbau bzw. EoL („End of Life“). Hierdurch können die grauen Treibhausgas-Emissionen sowie der Ressourcenverbrauch bilanziert und abgebildet werden.

Absatz von Dämmstoffen

Absatzmengen und Treibhausgasemissionen auf dem Dämmstoffmarkt

Durch vermehrte Bautätigkeiten und erhöhte Anforderungen an Gebäudehüllen (höhere Dämmstärken) ist der Absatz von Dämmstoffen in den letzten Jahren gestiegen. Damit einhergehend ist ebenfalls ein Anstieg der Emissionen zu verzeichnen, so dass im Jahr 2020 die Grenze von fünf Mio. t C CO2-Äquivalenten erreicht wurde. Größter Emittent dabei ist die Mineralwolle (Glas- und Steinwolle) mit fast zwei Mio. t C CO2-Äquivalenten, gefolgt von expandiertem Polystyrol (EPS) mit rund 1,5 Mio. t C CO2-Äquivalenten. Bei der Betrachtung des Verhältnisses zwischen Absatzmenge und Treibhausgasemissionen, erweisen sich extrudierte Polystyrole (XPS) als am klimaschädlichsten. Nachwachsende Dämmstoffe werden bisher nur in geringen Mengen verwendet. Da sie zudem gute Bilanzwerte besitzen, spielen sie nur eine untergeordnete Rolle bei den Treibhausgasemissionen.

Wahl des Dämmmaterials

Für die Umsetzung eines treibhausgasarmen Bauvorhabens empfiehlt es sich schon in frühen Planungsphasen, die Umweltauswirkungen auszuwerten, die mit verschiedenen Dämmstoffen einhergehen und diese mit möglichen Alternativen zu vergleichen. Dies sollte ein wichtiger Bestandteil der Planungsüberlegungen sein, um darauf aufbauend klimaentlastende und ressourcenschonende Baumaßnahmen umsetzen zu können. Dabei müssen immer die Funktion des Gebäudes, die Gegebenheiten und individuelle Anforderungen berücksichtigt werden – statische, energetische, brandschutztechnische, ökonomische und innenraumrelevanten Kriterien müssen beachtet werden. Dämmstoffe sollten grundsätzlich vielseitig einsatzbar, umweltschonend, feuerbeständig, bezahlbar, gesundheitlich unbedenklich und vorzugsweise nachwachsend sein. Ein ideales Material, das all diese Qualitäten in sich vereint, wird es kaum geben. Nichtdestotrotz gibt es abhängig vom Einsatzort und -zweck besser oder schlechter geeignete Dämmmaterialien.

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