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Zirkuläres Bauen

Stand: Juni 2022
Foto, Ansicht eines Schrottplatzes aus der Vogelperspektive

Die Bauwirtschaft steht vor einer umfassenden Transformation. Neue Ansätze sind notwendig, damit eingesetzte Baumaterialien lange und möglichst ohne Qualitätsverlust in geschlossenen technischen oder biologischen Kreisläufen geführt werden können und nicht als Abfall enden.

Zirkuläres Bauen oder „cradle-to-cradle“

Grafik, Screenshot aus dem Video "Zirkuläres Bauen" als Vorschau.

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Erklärfilm zum zirkulären Bauen.

Kreislaufprinzip, Circular Economy, kreislauffähiges Bauen, zirkuläres Bauen oder „cradle-to-cradle“ beschreiben im Kern das Prinzip, dass Rohstoffe für Produkte und Gebäude so zu planen und einzusetzen sind, dass sie entweder in gleicher Qualität erhalten und wiedergenutzt, also in einem technischen Kreislauf geführt werden können oder komplett abbaubar in den biologischen Kreislauf zurückgeführt werden können. Bei richtiger Planung und Materialauswahl können Ressourcen sozusagen in endlosen Kreisläufen geführt und so stetig wiedergenutzt werden, statt sie als Abfall zu entsorgen.

Die Kreislaufwirtschaft ist ein großer Hebel im ressourcen- und klimaschonenden Wirtschaften. Sie steht im Gegensatz zum traditionellen, linearen Wirtschaftsmodell der „Wegwerfwirtschaft“, das auf Entnehmen – Herstellen – Konsumieren – Wegwerfen setzt. Der Bausektor bietet hier das größte Potenzial, denn er ist für über 55 Prozent des Abfallaufkommens in Deutschlands verantwortlich. Das gesamte verbaute Material im deutschen Gebäudebestand wird auf ca. 15 Milliarden Tonnen geschätzt. Dieses Material kann bei knapper werdenden Ressourcen und entsprechender Verarbeitung, sortenreinem und fachlich fundiertem Rückbau weiter genutzt werden, wenn nach den Prinzipien einer echten Kreislaufwirtschaft geplant und gebaut wird.

Um das zirkuläre Bauen erfolgreich umsetzen zu können, ist es zusätzlich notwendig, dass in den Gebäuden schadstofffreie, langlebige und vollständig nachnutzbare Baustoffe sowie Bauteile eingesetzt werden, die sich sortenrein trennen und auch reparieren lassen oder vollständig kompostierbar sind. Nachhaltiges und kreislauffähiges Bauen beginnt also mit der richtigen Materialauswahl und einer rückbaubaren Planung. Hier setzt das Urban Mining Design an. Zukünftige Gebäude werden so geplant, dass sie als zukünftige Materialdepots genutzt werden können.

Wiederverwendung von Materialien

Maximaler Anteil von Materialien, die in die Produktion rückgeführt werden

Einige Rohstoffe, beispielsweise Glas und Stahl, werden bereits heute in größerem Umfang in die Produktion rückgeführt, Frischbeton, Mauerziegel, Glaswolle, Holzfaserplatten und andere Baustoffe hingegen nur in sehr geringen Mengen. Grund dafür sind die Qualitätsanforderungen an die Materialien. Das Wiederverwendungspotenzial aller verbauten Rohstoffe im Bauwesen liegt laut Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) heute bei ca. sieben Prozent und könnte bei positiven Rahmenbedingungen bis 2050 auf ca. 20 Prozent angehoben werden. Dies bedingt einen deutlich geringeren Anteil an Neubauten und zugleich die langfristige und nachhaltige Nutzung und Umnutzung bestehender Gebäude. Der Ressourcenverbrauch sowie die Rückbaupotenziale werden zu einem großen Teil in der Planungsphase von Entscheidungen über Gestaltung, Konstruktion, Details und Baumaterialien bestimmt.

Digitaler Materialpass – eine Voraussetzung

Ein wichtiges Instrument für die Umsetzung der Kreislaufwirtschaft im Baubereich ist die Digitalisierung. Die Nutzung von BIM sowie die grundsätzliche digitale Erfassung des gesamten Baubestands mit Hilfe einer digitalen Datenbank, wie einem Materialkataster, ermöglicht erst die notwendige Transparenz in diesem komplexen System. In einem sogenannten Materialpass können Daten über Herkunft, Qualität, CO2-Fußabdruck oder auch die Nachnutzungsfähigkeit von Baumaterialien erfasst werden. Um Klimaneutralität bis 2050 im Gebäudebestand zu erreichen, arbeitet die Bundesregierung aktuell an den Grundlagen für die Konzeption und Einführung eines verpflichtenden digitalen Gebäuderessourcenpasses, um einen stärkeren Fokus auf Themen wie graue Energie, Lebenszykluskosten und Ressourcenschonung zu legen.

Es gibt bereits innovative Tools in Form von digitale Datenbanken von privaten Anbietern, deren Markteinführung in Deutschland voranschreitet.

Foto, mehrere Materialproben verschiedener Baustoffe in Form eines kleinen Hauses, nebeneinander aufgestellt auf einem Tisch.

Globales Kataster für verbaute Materialien

Auf der Onlineplattform werden detaillierte Informationen zu verbauten Materialien in Gebäuden gespeichert, verwaltet und getauscht.

Kataster für Material
Foto, im Vordergund ein großer Stapel alter Ziegelsteine, daran angelehnt mehere alte Fensterelemente. Im Hintergrund weitere Bauabfälle.

Urban Mining Index – Für die Bewertung der Kreislaufpotenziale von Baukonstruktionen

Urban Mining Index ist ein innovatives Werkzeug, mit dem die Nachnutzungsfähigkeit von Gebäuden und Bauteilen während der Planungsphase eines Baus quantitativ mess- und bewertbar wird.

Urban Mining Index

Kreislaufwirtschaft auf europäischer und deutscher Ebene

Die Europäische Union hat mit dem Aktionsplan Circular Economy einen Rahmen geschaffen, der ein Umdenken im Handeln und Wirtschaften im Sinne der Kreislaufwirtschaft auslösen soll.

Diverse Plattformen, Marktplätze und Organisationen haben sich auf das Thema Urban Mining spezialisiert. Sie bieten gebrauchte Bauteile und recycelte Baustoffe oder Materialien an, damit kreislauffähige Planung und entsprechender Rückbau praktisch umgesetzt werden kann.

Foto, aus einem Gebäude ausgebaute Glasscheiben stehen auf einem Gestell.

Marktplätze für Recycling-Baustoffe und gebrauchte Bauteile

Diverse Plattformen, Marktplätze und Organisationen haben sich auf Urban Mining spezialisiert. Sie bieten gebrauchte Bauteile und recycelte Baustoffe an, damit zirkuläre Planung und ein entsprechender Bau und Rückbau praktisch umgesetzt werden können.

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EU-Aktionsplan für Kreislaufwirtschaft

Als einen der Hauptbestandteile des European Green Deal5 hat die EU Anfang 2020 einen Aktionsplan zur Förderung einer effizienteren Ressourcennutzung durch den Übergang zu einer sauberen und kreislauforientierten Wirtschaft veröffentlicht. Der neue Aktionsplan Circular Economy Action Plan kündigt Initiativen entlang des gesamten Lebenszyklus von Produkten an, die z. B. auf deren Design einwirken, Prozesse der Kreislaufwirtschaft fördern, den nachhaltigen Konsum unterstützen und darauf abzielen, dass die verwendeten Ressourcen so lange wie möglich in der EU-Wirtschaft verbleiben. Auch wird ein elektronischer bzw. digitaler Produktpass (DPP) als wesentliches Instrument für eine klimaschonende und ressourceneffiziente Wirtschaft genannt. Dieser soll u. a. Informationen über Herkunft, Zusammensetzung, Reparatur- und Demontagemöglichkeiten eines Produktes sowie über die Handhabung am Ende seiner Lebensdauer liefern.

Um das Potenzial zur Steigerung der Materialeffizienz und zur Verringerung der Klimaauswirkungen auszuschöpfen, will die Europäische Kommission eine neue umfassende Strategie für eine nachhaltige bauliche Umwelt auf den Weg bringen. Die Grundsätze der Kreislaufwirtschaft sollen während des gesamten Lebenszyklus von Gebäuden durch folgende Maßnahmen gestärkt werden.

Kreislaufwirtschaftsgesetz in Deutschland

In Deutschland fallen laut dem Zentralverband Deutsches Baugewerbe durch die Bauindustrie jährlich rund 220 Millionen Tonnen mineralische Abfälle an. Sie entstehen bei Modernisierung, Renovierung und Neubau sowie durch Abbruchmaßnahmen. Die schadlose Entsorgung wird über das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) geregelt, das eine möglichst hochwertige Kreislaufführung der Stoffströme anstrebt. Das KrWG setzt die EU-Abfallrahmenrichtlinie in nationales Recht um. Ziel des Gesetzes ist eine nachhaltige Verbesserung des Umwelt- und Klimaschutzes sowie der Ressourceneffizienz in der Abfallwirtschaft durch die Stärkung der Abfallvermeidung und des Recyclings von Abfällen.
Durch das KrWG werden erstmals alle Stoffe oder Materialien, die bei Bauarbeiten anfallen und nicht im Rahmen der Baumaßnahme wieder verbaut werden, grundsätzlich zu Abfall erklärt. Auch ausgehobener Boden ist ab sofort „Abfall“, es sei denn, er ist nicht kontaminiert und wird an Ort und Stelle für Bauzwecke verwendet. Kern des KrWG ist die fünfstufige Abfallhierarchie. Abfälle sind gemäß dieser Hierarchisierung an erster Stelle zu vermeiden. Wenn das nicht möglich ist, sollen sie zur Wiederverwendung vorbereitet und anschließend recycelt werden. Ist auch dies nicht möglich, ist der Bauabfall energetisch zu verwerten oder zu verfüllen. Nur wenn auch dies nicht möglich ist, muss der Abfall beseitigt (deponiert) werden. Dabei muss die Verwertung von (Bau-)Abfällen ordnungsgemäß und schadlos erfolgen.

Interview aus dem Newsletter

Zirkuläres Bauen – oder das Wunder der Wiedergeburt

Ein Gespräch mit Dominik Campanella, dem Gründer des preisgekrönten Start-ups Concular, über Karstadt am Hermannplatz in Berlin, Manufactum als Vorbild und seine Hoffnungen auf die Ampel.

zum Interview

Bis 2020 sollte gemäß KrWG eine stoffliche Verwertungsquote der Bau- und Abbruchabfälle von mindestens 70 Prozent erreicht werden. Deutschland hat gemäß der Initiative Kreislaufwirtschaft eine derzeitige Verwertungsquote bei den mineralischen Abfällen von ca. 90 Prozent (Zahlen aus 2016). Die Ziele werden damit erreicht, die Quote beinhaltet jedoch neben der hochwertigen Wiederverwendung auch das Downcycling der vierten Stufe der Abfallvermeidungshierarchie und schließt auch die Verfüllung von Bauschutt z. B. im Straßenbau ein (Kreislaufwirtschaft Bau, 2018).

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