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Gebäuderessourcenpass

Stand: August 2023
Foto, Frontalansicht einer Person an einem Schreibtisch, eine Hand auf einer Computertastatur, die andere Hand hält eine digital hinzugefügtes 3D-Modell einer Stand in der Luft.

Der Gebäuderessourcenpass (GRP) soll für Transparenz sorgen bei verbauten Rohstoffen und Produkten sowie ihrer Qualität und Kreislauffähigkeit. Das Dokumentationsformat gibt Akteuren und Akteurinnen aus der Baubranche sowie Kommunen Planungssicherheit und forciert nachhaltiges, ressourceneffizientes Bauen und Sanieren. Damit ebnet der GRP den Weg zum Urban Mining, wobei aktuell noch eher wenig Erfahrung mit dieser neuen Art der Dokumentation vorliegt.

Knapp 230 Millionen Tonnen Bau- und Abbruchabfälle produziert Deutschland jährlich, 85 Prozent davon sind Bodenaushub und mineralische Bauabfälle. Diese werden zwar größtenteils wiederverwertet, jedoch zumeist als minderwertige Produkte. Zudem könnten weitaus mehr Bauteile wieder genutzt werden, um Ressourcen einzusparen und die Umwelt zu schonen.

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Wie also schafft man Vertrauen in diesen neuen Ansatz der Kreislauffähigkeit im Baubereich? Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e. V. hat den Gebäuderessourcenpass Anfang 2023 als finalisierte Version auf den Weg gebracht und will damit einen Standard für die Sammlung von Daten über Zustand, Menge und Verfügbarkeit von Reststoffen, Komponenten und Produkten etablieren. Ende 2022 stieß das Projekt bei Politik und Fachkreisen auf große Resonanz. Es gingen zahlreiche Ideen und Verbesserungsvorschläge ein, so dass die DGNB den Pass noch einmal optimiert und auf Praxisanforderungen angepasst hat.

Daten für eine konsistente Kreislaufwirtschaft

Das Grundkonzept des Gebäuderessourcenpasses ist angelehnt an die Idee des Energieausweises. Das Dokumentationsformat gibt Auskunft über eingesetzte Materialien, ihre Klimawirkung und Kreislauffähigkeit. Welche Bauteile und Komponenten sind künftig demontierbar, trennbar, verwertbar und wer ist der Besitzer? Auch die CO2-Emissionen, die durch Bau und Betrieb von Gebäuden entstehen, werden erfasst. Diese Daten machen alle Lebenszyklusphasen transparent – vom Design bis zu einem Neubau oder geplanten Re-Use, Abbruch und Recycling. Das ermöglicht eine konsistente Kreislaufwirtschaft und Nutzung „urbaner Minen“ zur Materialgewinnung.

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Vorteile des Gebäuderessourcenpasses

Der digitale Gebäuderessourcenpass der DGNB erfasst verbaute Materialien und Produkte, deren Qualität und Recyclingpotenzial sowie die Öko- und Klimabilanz. Ziel ist, Bauabfälle und Produkte kreislauffähig aufzubereiten und Gebäude als urbane Rohstofflager zu nutzen. Der frühzeitige Einsatz des GRP bietet eine Reihe an Vorteilen:

  • Eigentümerinnen und Eigentümer erhalten Klarheit, welche Materialien oder Schadstoffe in welcher Menge im Bestand verbaut sind. Die ökonomische und ökologische Qualität einer Immobilie ist somit besser einschätzbar.
  • Einfacherer Zugang zu Finanzierungen und Fördermitteln und ein beschleunigter Bewilligungsprozess durch hohes Maß an Transparenz
  • Aktuelle Datensätze ermöglichen den Planenden umfassende Analysen und eine fundierte Beratung ihrer Kunden. Dadurch können sie frühzeitig alternative Gebäudetypen entwickeln, die kreislaufgerecht, umweltfreundlich und mitunter kostengünstiger sind. Dies trägt zu einer nachhaltigen Planung und einer verantwortungsbewussten Materialauswahl bei.
  • Der GRP sorgt durch seine Transparenzfunktion für einen verstärkten Einsatz wohngesunder und umweltverträglicher Baustoffe. Das verbessert die Klimabilanz sowie die Aufenthaltsqualität.
  • Für Kommunen erleichtern spezifische Gebäuderessourcenpässe den Aufbau und das systematische Management von urbanen Minen als Materiallager.

Noch offene Punkte am Gebäuderessourcenpass:

  • Die konkrete Abbildung der Betrachtungsebenen Gebäude, Bauteil, Produkt und Material ist noch unklar.
  • Eine Adaption an BIM-Modellen steht noch aus.
Stand: August 2023

Hinweis

Bislang fehlt es noch an Erfahrungswerten. Außerdem müssen für eine flächendeckende Nutzung Formate, Datenquellen sowie Tools der unterschiedlichen Planungs-Plattformen kompatibel sein. Neben allgemeinen Materialdaten müssen auch Herstellerinformation einfließen – etwa als Environmental Product Declaration (EPD, Umwelt-Produktdeklaration) – um Gebäude ganzheitlich zu bewerten. Auch hierfür bedarf es entsprechender digitaler Schnittstellen und Dateiformate.

Foto, Nahaufnahme einer Person, die an einem Schreibtisch sitzend an einem Laptop arbeitet; über dem Laptop schweben digital hinzugefügte Symbole zum Thema Lebenszyklus.

Environmental Product Declarations (EPDs)

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Erstellung des GRP

Den Pass zu erstellen, erfordert laut DGNB keine spezielle Qualifizierung, sei aber aufwändig. Auf der Website des DGNB zum Gebäuderessourcenpass können weiterführende Informationen und Downloads abgerufen werden, zum Einstieg wird beispielsweise eine reduzierte Fassung des Dokuments zur Verfügung gestellt. Weiterhin erläutert die DGNB in folgenden Erklärvideos Funktionen sowie Nutzbarkeit des GRP.

Gebäuderessourcenpass der DGNB – was er umfasst und wie man ihn nutzen kann

Screenshot aus dem Video "Gebäuderessourcenpass der DGNB – was er umfasst und wie man ihn nutzen kann" als Vorschau.

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Videoaufzeichnung einer Informationsveranstaltung der DGNB zu den Inhalten und der praktischen Anwendung des Gebäuderessourcenpasses.

Zwischen Anspruch und Anwendbarkeit: Was der Gebäuderessourcenpass leisten kann

Screenshot aus dem Video "Zwischen Anspruch und Anwendbarkeit: Was der Gebäuderessourcenpass leisten kann" als Vorschau.

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Videoaufzeichnung einer Diskussion von Expertinnen und Experten über Inhalte, Nutzbarkeit und Perspektive des Gebäuderessourcenpasses.

Einige Anbieter von digitalen Tools zur Dokumentation von Gebäuden haben den Pass bereits integriert oder planen dies. Neben Concular und Madaster gehören dazu die EPEA oder der Urban Mining Index.

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