Green & Sustainable Finance

Es sind im großen Umfang Investitionen erforderlich, um Emissionen im Gebäudebereich wirksam zu reduzieren. Grüne Finanzierungen für klimafreundliche Investitionen können dabei helfen, privates Kapital für die erforderlichen Maßnahmen zu mobilisieren.

Enormer Investitionsbedarf im Gebäudebereich zur Erreichung der Klimaziele

Die Europäische Union (EU) hat sich mit dem sog. Green Deal, wie die Bundesregierung mit dem Klimaschutzgesetz 2019 einschließlich dem Klimaschutzplan 2050, zu einem ambitionierten Klimaschutzprogramm bekannt, um die Ziele des Übereinkommens von Paris zu erreichen und die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad zu begrenzen. Dies bedeutet, dass in allen Sektoren Treibhausgasemissionen massiv reduziert werden müssen. Langfristig will die EU Klimaneutralität erreichen, mittelfristig sollen bis 2030 die Treibhausgasemissionen auf 55 Prozent im Vergleich zu 1990 verringert werden. Der Gebäudebereich, auf den laut Angabe der EU-Kommission 40 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs und 36 Prozent der energiebedingten Treibhausgasemissionen in Europa entfallen , spielt diesbezüglich eine Schlüsselrolle und muss zur Erreichung der klimapolitischen Ziele grundlegend transformiert werden.

Bisher lag der Fokus von Maßnahmen im Gebäudesektor auf ordnungsrechtlichen Vorgaben und der finanziellen Förderung durch staatliche Mittel. Die notwendigen Investitionen zur Steigerung der Energieeffizienz und die Nutzung erneuerbarer Energien in Gebäuden und Quartieren erreichen allerdings bereits jetzt Größenordnungen, die nicht mehr mit öffentlichen Geldern gedeckt werden können. Um die Klimaziele für 2030 zu erreichen, rechnet die EU-Kommission mit zusätzlich notwendigen Investitionen von 275 Mrd. Euro pro Jahr allein für die Sanierung von Bestandsgebäuden.

275000000000

Jährlicher Investitionsbedarf für Gebäudesanierungen in der EU (in €)

Zusätzlicher jährlicher Investitionsbedarf in Euro für Gebäudesanierungen in der EU zur Erreichung der Klimaschutzziele 2030 (Quelle: EU Kommission, Eine Renovierungswelle für Europa)

Green Finance als Möglichkeit zur Kapitalmobilisierung

Zur Erreichung der energie- und klimapolitischen Ziele ist es daher erforderlich, verstärkt privates Kapital für klimafreundliche Bau- und Sanierungsmaßnahmen zu mobilisieren. Allerdings müssen sich hierfür sowohl die Rahmenbedingungen als auch die Investitionspräferenzen ändern, um die Finanzflüsse in klimafreundliche Assets zu lenken. Green bzw. Sustainable Finance ist ein Ansatz, um private Mittel in Investitionen für den Klima- und Umweltschutz zu leiten.

Die Beachtung und Bewertung von Nachhaltigkeits- und Klimakriterien bei Finanzierungen und Investitionen sind in den letzten Jahren zu immer wichtigeren Themen in der Finanzwirtschaft geworden. Dies liegt sowohl an einer sich verändernden Wahrnehmung von Verantwortung, als auch einem stärkeren Bewusstsein dafür, dass der Klimawandel auch ein wirtschaftliches Risiko darstellt. Die bereits jetzt spürbaren Auswirkungen des Klimawandels, wie Stürme, Dürren, Überschwemmungen, Überflutungen ganzer Siedlungsräume etc., und die damit verbundenen finanziellen Einbußen und Risiken, stellen eine Bedrohung für das gesamte globale Wirtschaftssystem dar, d. h. für Unternehmen der Realwirtschaft, der Versicherungswirtschaft, für Investoren und Finanzdienstleister. Das zeigen auch die Einschätzungen des Weltwirtschaftsforums zu den globalen Risiken, die sich innerhalb von zehn Jahren von ökonomisch zu ökologisch verschoben haben.

In Europa und dadurch auch in Deutschland gibt es ein großes politisches Interesse daran, die Entwicklung eines nachhaltigen Finanzsektors aktiv voranzubringen. Das Ziel der EU-Kommission, Europa zu einem nachhaltigen Finanzstandort zu machen, steht im Kontext der Ziele und Strategien zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der EU-Wirtschaft durch eine Transformation hin zu einer klimafreundlichen Wirtschaft. Daher nimmt die EU auf der regulatorischen Ebene für die Finanzwirtschaft eine Vorreiterrolle beim Thema Sustainable bzw. Green Finance ein. Beispielsweise durch ihren EU Action Plan: Financing Sustainable Growth und dessen Aktualisierung im Rahmen des Green Deals oder der Non-Financial Reporting Directive (NFRD).

 

Sinnvolles Finanzierungsmodell für den Gebäudebereich

Der wesentliche Unterschied zwischen grünen und konventionellen Finanzierungen liegt darin, dass bei grünen Finanzierungen neben den üblichen Bewertungskriterien auch Aspekte des Klimaschutzes in den Bewertungsprozess des Investitionsvorhabens einfließen. Gerade im Gebäudesektor bieten sich grüne Finanzierungsmodelle an, da sich die komplexen Vorgaben für Finanzmarkt sowie Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsstandards in diesem Bereich sehr sinnvoll miteinander koppeln lassen. Gebäude spielen für den Klimaschutz eine besonders wichtige Rolle und die Immobilienwirtschaft weist eine wirtschaftlich bedeutsame Schnittstelle zum Finanzsektor auf.

Beispielsweise gelten Neubauprojekte, die eine hohe Energieeffizienz oder sogar eine positive Energiebilanz haben, bei denen umfangreich erneuerbare Energien zum Einsatz kommen und die mit möglichst emissionsarmen Baustoffen errichtet werden, als zukunftssichere und nachhaltige Investition. Diese Bauvorhaben sind damit sowohl attraktiv für direkte Investitionen oder können entsprechend durch grüne Kredite finanziert werden, die günstige Kreditkonditionen anbieten. Die Evaluierung der Nachhaltigkeit von Gebäuden kann dann auch als Basis für jede Bewertung der Nachhaltigkeit jedes damit verknüpften Produkts, jeder Dienstleistung oder jeder sonstigen wirtschaftlichen Tätigkeit herangezogen werden. Dies kann einzelne Wohnimmobilienkredite, ganze Portfolios, ein Unternehmen der Immobilienwirtschaft sowie Beratungstätigkeiten von Finanzdienstleistern betreffen.

Die Finanzwirtschaft kann also Investitionen in energieeffiziente und klimafreundliche Technologien voranbringen, indem sie Gebäude hinsichtlich solcher Kriterien bewertet. Dazu braucht es entsprechende Rahmenbedingungen. Die EU schafft diese Bedingungen auf der gesetzlichen Ebene, etwa durch den EU Action Plan: Financing Sustainable Growth und die Aktualisierungen der Europäischen Gebäuderichtlinie (EPBD).

Im Zuge der Transformation hin zu einem klimaneutralen Gebäudebestand wird die Nachfrage nach grünen Finanzierungen voraussichtlich kontinuierlich weiter steigen, so dass nachhaltige Gebäude an dieser Stelle Ausgangspunkt für eine Entwicklung hin zu nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen im Finanzsektor sein können. Zugleich kann ein schlechter Gebäudestandard zunehmend als potenzielles Investitionsrisiko angesehen werden, so dass auch von Seiten der Finanzierer die Erwartungshaltung an den Klimaschutz und die Nachhaltigkeit eines Immobilienprojektes steigen dürfte.

 

Studie „Green & Sustainable Finance mit Fokus auf den Immobilienbereich“

Der europäische Green Deal hat zahlreiche Entwicklungen angestoßen und Gesetzgebungen auf den Weg gebracht, die den Finanz- und Gebäudesektor sowie die Regulierungen in der EU und in Deutschland beeinflussen werden. Die Studie „Green & Sustainable Finance mit Fokus auf den Immobilienbereich“ veranschaulicht, welche Auswirkungen die neuen Regelungen auf bestehende Finanzprodukte und Förderung im Immobilienbereich in Deutschland haben können.

Zu diesem Zweck erfolgt im ersten Teil der Studie zunächst eine systematische Darstellung von gesetzlichen Rahmenbedingungen und Strategien zu Green und Sustainable Finance, die derzeit auf EU Ebene diskutiert und beschlossen werden. Weiterhin werden mögliche Konsequenzen für die nationale Umsetzung in der Gesetzgebung abgeleitet. Resultat ist eine umfassende Übersicht zum regulatorischen Rahmen und zum Stand der Diskussion zu Green und Sustainable Finance mit Fokus auf den Gebäudebereich. Der zweite Teil der Studie widmet sich den verschiedenen Akteuren, Initiativen sowie Produkten am Markt und beleuchtet Green Finance-Ansätze anderer europäischer Staaten. Abschließend werden Konsequenzen für die Marktakteure sowie Erfolgsfaktoren für die Operationalisierung von grünen Finanzierungen in Deutschland aufgezeigt.

Studien & Berichte

Green & Sustainable Finance mit Fokus auf den Immobilienbereich

Eine Grundlagenanalyse zum bestehenden Rechtsrahmen und Einordnung wichtiger Marktakteure sowie Erfolgsfaktoren für die Operationalisierung.

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dena-Gebäudereport 2021 - Fokusthemen für den Klimaschutz

Energieeffiziente Gebäude sind für das Erreichen der Klimaziele unabdingbar und der dena-Gebäudereport 2021 beleuchtet Fokusthemen, die die Potenziale, Chancen und Handlungsbedarfe des Gebäudesektors in der Energiewende zeigen.

Die Fokusthemen sind: die Weiterentwicklung effizienter und digitaler Wärme- und Kältetechnologien, die Rolle des Finanzwesens bei der Gebäudesanierung und die Bedeutung nachhaltiger Ressourcen im Bauwesen für den Klimaschutz. Wie gewohnt bietet der Report zudem aktuelle Kennzahlen zur Energieeffizienz im Gebäudebereich sowie eine Übersicht wichtiger politischer Prozesse – diesmal mit einem Fokus auf EU-Politik. Zwischen den Themen werden Zusammenhänge hergestellt und Perspektiven erläutert.

Gebäudereport

dena-Gebäudereport 2021: Fokusthemen für den Klimaschutz

Der dena-Gebäudereport 2021 beleuchtet Fokusthemen, die die Potenziale, Chancen und Handlungsbedarfe des Gebäudesektors in der Energiewende zeigen.

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