Zukunftsfähiges Flächenmanagement: Energie und Raum im Quartier verbinden
Stand: September 2026Artikel
Ein zukunftsfähiges Flächenmanagement im Quartier denkt Energieerzeugung von Anfang an mit. Dies geschieht etwa durch Solarkataster, die geeignete Flächen systematisch erfassen. Auch Doppelnutzungskonzepte bieten Potenziale, beispielsweise wie Solargründächer und oberflächennahe Geothermie mit der Versickerung von Regenwasser. Bei diesen Konzepten dienen Flächen gleichzeitig dem Regenwassermanagement, der Kühlung und Verdunstung, der thermischen Speicherung oder der Stromerzeugung. Entscheidend ist dabei eine integrierte Planung, die Flächenkonkurrenzen frühzeitig erkennt und auflöst, statt Energie- und Raumplanung getrennt zu behandeln.
Neben der Erzeugung rückt die Speicherung von Energie als zweite Schlüsseldimension in den Fokus. Quartiersnahe Batteriespeicher, ob stationär in Gemeinschaftsspeichern oder dezentral in Gebäuden und Elektrofahrzeugen, ermöglichen es, lokal erzeugten Strom zeitlich flexibel zu nutzen und Netzspitzen abzufedern. Auch erneuerbare Wärmenetze im Quartier bieten Potenziale: Sie ermöglichen die gemeinsame Nutzung von, Solarthermie, Abwärme oder Geothermie und können diese bei richtigem technischen Konzept saisonal speichern. Diese Ansätze erfordern jedoch eine enge Abstimmung zwischen Eigentümerstrukturen, Netzbetreibern und kommunaler Planung – und damit ein aktives, koordiniertes Flächenmanagement.
Ein zukunftsfähiges Quartier versteht Flächen nicht länger als passive Reserven, sondern als aktive Infrastruktur der Energiewende. Digitale Werkzeuge, von GIS-basierten Flächenanalysen bis hin zu Energiemanagementsystemen in Echtzeit, helfen dabei, Erzeugung, Speicherung und Verbrauch im Quartier aufeinander abzustimmen und transparent zu machen.
Aktuelle Entwicklungen im Baugesetzbuch (BauGB)
Auch im Gesetzesentwurf zur Novelle des Baugesetzbuchs (BauGB) – voraussichtliches Inkrafttreten am 01.01.2027 – wird die Mehrfachnutzung von Flächen verstärkt aufgegriffen. Multifunktionale Nutzungen werden zunehmend zum Standard – sowohl im Innenbereich, etwa durch Nachverdichtung oder die Mehrfachnutzung von Dächern und Parkplätzen, als auch im Außenbereich, beispielsweise durch Agri-PV oder die Kombination von Windenergie und Landwirtschaft. Besonders im Innenbereich erhalten Kommunen mehr Möglichkeiten, um Flächen effizienter zu nutzen – etwa durch erleichterte Verfahren für die Nachverdichtung oder die Kombination von Wohnen mit Gewerbe oder Energieerzeugung.
Besonders vielversprechend sind Lösungen, die technische Innovationen wie z.B. Agri-PV, Solargründächer oder oberflächennahe Geothermie mit planerischen Instrumenten verbinden. Dazu gehören zum Beispiel Bebauungspläne, die eine Doppelnutzung verbindlich festlegen.
Einschätzung von Konflikten und Synergien bei Flächennutzungsänderungen
Die Konfliktmatrix verdeutlicht, dass verschiedene Ziele der Energiewende – insbesondere der Ausbau der Photovoltaik, der Windenergie und der Stromtrassen – ebenso wie die Siedlungsentwicklung zu Flächenkonkurrenzen mit den Interessen der Landwirtschaft und des Naturschutzes führen können. Gleichzeitig zeigt sich, dass Maßnahmen wie die Wiedervernässung von Mooren und die Umwandlung von Ackerland in Grünland vergleichsweise konfliktarm sind und ein hohes Potenzial für Synergien bieten.
Literaturhinweis
Osterburg B, Ackermann A, Böhm J, Bösch M, Dauber J, Witte T de, Elsasser P, Erasmi S, Gocht A, Hansen H, Heidecke C, Klimek S, Krämer C, Kuhnert H, Moldovan A, Nieberg H, Pahmeyer C, Plaas E, Rock J, Röder N, Söder M, Tetteh GO, Tiemeyer B, Tietz A, Wegmann J, Zinnbauer M (2023) Flächennutzung und Flächennutzungsansprüche in Deutschland. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 98 p, Thünen Working Paper 224, DOI:10.3220/WP1697436258000 Download als PDF