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Environmental Product Declarations (EPDs)

Stand: August 2023
Foto, Nahaufnahme einer Person, die an einem Schreibtisch sitzend an einem Laptop arbeitet; über dem Laptop schweben digital hinzugefügte Symbole zum Thema Lebenszyklus.

Environmental Product Declarations (EPD; Umwelt-Produktdeklarationen) sind standardisierte Datensätze, die Informationen zur Umweltauswirkung von Baustoffen und Produkten transparent darstellen. Damit können Gebäude anhand einer Ökobilanz über den gesamten Lebenszyklus hinsichtlich ihres ökologischen Fußabdrucks bewertet werden – von der Herstellung über den Einbau bis zum Recycling. EPDs schaffen Transparenz und tragen dazu bei, dass Nachhaltigkeitskriterien bereits bei der Planung berücksichtigt und umgesetzt werden.

Hintergrund zur Einführung von EPDs

Die Treibhausgasemissionen sind in Deutschland im Jahr 2022 mit 1,9 Prozent leicht gesunken. Allerdings hat der Gebäudesektor die erlaubte Jahresemissionsmenge erneut überschritten. Der CO2-Ausstoß verringerte sich zwar um 5 Prozent auf 112 Millionen Tonnen CO-Äquivalente (Quelle: Umweltbundesamt), laut Klimaschutzgesetz sind aber nur 107,4 Millionen Tonnen zulässig. Einer DGNB-Studie zufolge entstehen bereits vor der tatsächlichen Nutzung von Gebäuden 30 bis 50 Prozent der Treibhausgasemissionen. Da einige Zertifizierungssysteme für nachhaltige Gebäude eine Ökobilanzierung verlangen, benötigt die Baubranche standardisierte und europaweit gültige Informationen über Produkte, Inhaltsstoffe und Transportwege: die EPDs. Hersteller können ihre Produkte damit kennzeichnen lassen und für Transparenz sorgen.

EPDs basieren auf Normen

Die EPDs basieren auf den Standards ISO 14025 sowie DIN  EN 15804. Damit werden einerseits Umweltinformationen über den Lebensweg von Produkten festgehalten. Andererseits wird sichergestellt, dass alle Daten über Bauprodukte, -leistungen und -prozesse einheitlich abgeleitet, dargestellt und verifiziert werden. Die beiden Normen sind Voraussetzung für europaweit gültige EPD.

Wie entsteht eine EPD?

Schritt-für-Schritt-Darstellung des Entstehungsprozesses einer Umweltproduktdeklaration (Environmental Product Declaration, EPD).

Baustoffhersteller, Experten und Öffentlichkeit erarbeiten Produktkategorie-Regeln (PCR). Diese legen die Anforderungen an eine EPD und die zu erfüllenden Daten einer Baustoffgruppe fest. Auf Basis dieser PCR ermitteln die Produzenten alle Daten als Ökobilanz, von der Rohstoffgewinnung bis zum Abriss des Gebäudes: Welche Ressourcen – Material, Wasser, Energie ­– fließen in das Produkt? Was sind die Lieferwege, wieviel Abgase, Abwasser und Müll entstehen dabei? Ökologisch ist es ein Unterschied, ob Rohstoffe regional gewonnen, weiterverarbeitet und eingebaut werden können, oder ob diese lange Transportwege hinter sich haben. All diese Daten werden in der Ökobilanz erfasst, die die Grundlage für die Erstellung einer EPD bilden.

Sind alle Daten erfasst, muss die EPD an unabhängige Dritte übergeben und geprüft werden. Diese Verifizierer werden vom Sachverständigenrat des Instituts Bauen und Umwelt e. V. (IBU) berufen und kontrollieren die EPD auf Vollständigkeit, Plausibilität und Konsistenz der Berechnungen und Angaben. Ist alles in Ordnung, wird der Datensatz z. B. beim Institut Bauen und Umwelt e. V.  oder der ECO-Plattform veröffentlicht und können anschließend online abgerufen werden:

Eine EPD ist fünf Jahre gültig, danach ist eine Aktualisierung erforderlich.

Was kostet eine EPD?

Die Gebühren für die Erstellung und Verifizierung schwanken je nach Hersteller, Produkt und Umfang. Kosten entstehen durch die Datenerhebung und -analyse sowie Verifizierung. Diese summieren sich auf etwa 2.000 Euro bis 6.000 Euro. Bei komplexeren Produkten kommen auch 10.000 Euro bis 30.000 Euro zusammen. Ausführliche Informationen stellt die Gebührenordnung für EPD-Programme (PDF / 111 KB) von IBU-EPD bereit (Stand 2021). Planenden aus Österreich gibt die Gebührenordnung Bau EPD GmbH (PDF / 269 KB) Auskunft (Stand Juli 2023). Um die Erstellung zu vereinfachen, bietet ift rosenheim eine Muster-EPD gegen eine geringe Gebühr an.

Anbieter von EPDs:

Ökobaudat

Eine weitere Datenbank, die vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) bereitgestellt wird, ist die Ökobaudat. Diese kann zwar nicht direkt für die Erstellung von Produkt-Ökobilanzen herangezogen werden, dient aber als vereinheitlichte Grundlage für die Ökobilanzierung von Bauwerken. Die Datenbank ist online zugänglich und enthält umfassende Ökobilanz-Datensätze zu Baumaterialien, Bau-, Transport-, Energie- und Entsorgungsprozessen. Mithilfe dieser Informationen kann der gesamte Lebenszyklus eines Bauwerks ermittelt werden.

Vorteile für Baubranche, Betreiber, Hersteller

Mit EPDs gelingt die integrale Planung von Gebäuden und sie sind Grundlage für die spätere Ökobilanzierung. Eine EPD wird auch von Zertifizierungsprogrammen anerkannt, die Gebäuden den Green Building-Status vergeben. EPDs helfen Architekten bei der Wahl der geeigneten Materialien, um das Gebäude durchgängig nachhaltig zu planen. Hersteller stärken mit ihren Umwelt-Produkterklärungen die Position im Markt und gelten als Vorbilder in Sachen Transparenz und Nachhaltigkeit. Generell erleichtern EPDs den Zugang zu öffentlich ausgeschriebenen Bauprojekten und Fördermitteln.

Ab wann sind EPDs verpflichtend?

Dachorganisation für EPD-Programme ist die ECO-Platform in Brüssel. Ziel ist, die EPDs zu vereinheitlichen und entsprechende Prozesse zu harmonisieren. Die Plattform hilft bei der technischen Umsetzung und stellt Datenportale und Tools zur Verfügung. Die EU-Gebäuderichtlinie Energy Performance of Buildings Directive (EPBD) befindet sich derzeit in der Novellierung. In der derzeitigen Debatte geht es darum, ob und wie Embodied Carbon in die EPBD integriert werden kann. Sobald der Gesetzesvorschlag von der EU verschiedet ist, muss er innerhalb von 18 Monaten in nationale Gesetze überführt werden. Bis die Anforderungen aus der Bauprodukteverordnung verbindlich werden, dürfte es noch einige Jahre dauern. Danach wird eine Verpflichtung zur Erstellung von EPDs für Hersteller sehr wahrscheinlich.

Die EU-Gebäuderichtlinie EPBD: Ein Überblick

Das Ziel der EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) ist es, die Renovierungsaktivitäten in Europa zu erhöhen, Instrumente weiterzuentwickeln und die Datenbasis zu stärken. Im Dezember 2021 hat die EU-Kommission eine Neufassung der Richtlinie vorgeschlagen.

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Ausblick

Aufwand und Kosten für die Erstellung von EPDs könnten auf Hersteller zunächst abschreckend wirken. Andererseits sind sie eine Investition in die (nachhaltige) Zukunft: Sie helfen Produzenten und Baubranche, CO2 zu reduzieren, wohngesünder zu bauen und die Klimabilanz zu verbessern. Hersteller können sich mit EPDs besser bei Planungsbüros, Bauherren und öffentlicher Hand positionieren. Zumal EPDs künftig entscheidend – wenn nicht gar verpflichtend – sein könnten für die Vergabe von Aufträgen, Krediten, Förderungen oder Gebäudezertifizierungen. Wenn die   Übergangsphase von einigen Jahren ausläuft, geht Bauen nur noch mit EPDs. Folglich sollten sich Hersteller frühzeitig damit befassen und entsprechende Daten zusammentragen.

Um die Herstellung und Nutzung von Bauprodukten auf einen klimazielkonformen, ressourcenschonenden und kreislaufgerechten Weg zu bringen, gibt es Empfehlungen bzw. Forderungen unterschiedlicher Institutionen und Initiativen zur Novellierung der EU-Bauprodukteverordnung (CPR). Diese sieht eine Stärkung der EPDs im Entwurf der neuen CPR vor, damit Hersteller relevante Informationen zu produktspezifischen Umweltauswirkungen bereitzustellen haben.

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