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Hydraulischer Abgleich

Stand: August 2023
Foto, ein Techniker steht mit einem Tablet-Computer in einem Heizungsraum und liest eine Druckuhr ab.

Durch einen hydraulischen Abgleich werden die Volumenströme im Heizungssystem optimal abgestimmt. Dies ermöglicht die bedarfs- und zeitgerechte Versorgung alle Heizflächen mit dem Wärmeträger, sorgt also für eine gleichmäßige Verteilung der Wärme im Haus. 

Der hydraulische Abgleich folgt dabei einem einfachen Prinzip: Zunächst wird von einer Fachperson die für jeden Raum tatsächlich benötigte Wärmemenge ermittelt. Je nach angewandtem Verfahren werden dabei auch die spezifischen Eigenschaften des Hauses beziehungsweise der Wohnung berücksichtigt, zum Beispiel die Dämmung der Außenwände oder die Qualität der Fenster. Im nächsten Schritt werden die notwendige Heizwassermenge sowie die richtige Pumpenleistung berechnet. Anschließend können die Thermostatventile korrekt eingestellt und an den Bedarf angepasst werden.

Im Ergebnis erhält nach Durchführung eines hydraulischen Abgleichs jeder Heizkörper nur so viel Wärme, wie benötigt wird, um die gewünschte Raumtemperatur zu erreichen. Auf diese Weise kann der Wärmeerzeuger effizient und energiesparend betrieben werden.

Grundlagen

In einem Rohrleitungssystem folgt Wasser immer dem geringsten Widerstand. Widerstand ergibt sich dabei im Wesentlichen aus dem Reibungsverlust an der Rohrwand sowie an Einbauten wie z. B. Armaturen und Formstücken. Kenntnis und Beachtung dieses Prinzips ermöglichen es, ein flüssigkeitsbasiertes Wärmeverteilnetz so zu planen und zu konstruieren, dass alle Anlagenteile zur richtigen Zeit mit den erforderlichen Durchflüssen versorgt werden.

Wird dieses physikalische Prinzip jedoch nicht beachtet, können vielfältige Probleme mit dem Heizungssystem die Folge sein. So kommt es beispielsweise zu dem Phänomen, dass Räume oder Wohnungen, die in der Nähe des Wärmeerzeugers liegen, überversorgt sind, also zu heiß werden. Weiter entfernt installierte Verbraucher hingegen werden trotz aufgedrehtem Thermostat am Heizkörper nur unzureichend warm. Auch kann es passieren, dass die erforderliche Vorlauftemperatur im System nicht erreicht wird oder umgekehrt die Rücklauftemperaturen noch zu hoch sind. Speziell problematisch für die Nutzenden sind stärkere Geräuschentwicklungen und ein erhöhter Energieverbrauch.

Stärkere Pumpen oder höhere Vorlauftemperaturen können diese Symptome manchmal lindern – aber auf Kosten höherer Energieverbräuche oder störender Strömungsgeräusche. Eine effiziente und komfortable Lösung ist die saubere Einstellung des Systems: der hydraulische Abgleich.

Beim hydraulischen Abgleich werden in die (großen und kurzen) Leitungen Engpässe und Widerstände eingesetzt, um das Heizungswasser gleichmäßig zu verteilen. Dies ist eine Aufgabe für eine Heizungsfachkraft.

Allerdings ist die bestimmungsgemäße Wasserverteilung innerhalb des Netzes nicht allein für einen optimalen Betrieb des Heizungssystems verantwortlich. Damit ein System insgesamt effizient, sicher und mit hohem Komfort betrieben werden kann, sind Übergabe, Verteilung und Erzeugung gesamtheitlich zu betrachten.

Verfahren

Verfahren A

Das Verfahren A ist ein Näherungsverfahren, bei dem die relevanten Werte überschlägig ermittelt werden. Die Heizlast wird in Anlehnung an die DIN EN 12831 überschlägig abgeschätzt nach Baualtersklasse und Quadratmeterzahl. Damit bilden vor allem Erfahrungswerte die Grundlage für die Einstellwerte, mit dem Ergebnis, dass das Verfahren häufig nur unzureichende Ergebnisse liefert.

Verfahren B

Das Verfahren B basiert auf der raumweisen Heizlastberechnung in Anlehnung an die DIN EN 12831 und setzt eine Planungsleistung voraus.  Die Berechnungen im Verfahren B erfolgen üblicherweise per Software und anders als im Verfahren A fließen hier auch die spezifischen Eigenschaften der Heizungsanlage in die Berechnung ein. Das Verfahren B ist dementsprechend deutlich präziser, wodurch ein deutlich höherer energetischer Standard erreicht wird.

Hinweis

Im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) ist für alle Förderanträge, die nach dem 01.01.2023 eingegangen sind, nur noch Verfahren B zum Nachweis des hydraulischen Abgleichs zulässig.

Durchführung

Komponenten

Mehrere Komponenten sind zur Durchführung des hydraulischen Abgleichs erforderlich:

  • Thermostatventile
  • Heizkreisverteiler für Fußbodenheizungen
  • Strangregulierventile
  • Differenzdruckregler
  • Druckunabhängige Regelventile
  • Umwälzpumpe

Vorgehensweise

Grundsätzlich erfolgt die Durchführung des hydraulischen Abgleichs in acht Schritten, wobei sich einzelne Schritte im Detail unterscheiden, je nachdem ob es sich um eine neue Anlage oder eine Anlage im Bestand handelt:

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Weiterführende Fachinformationen

Weitere Details zur Durchführung eines hydraulischen Abgleichs können dem Leitfaden „Hydraulischer Abgleich in Heizungsanlagen“, der Fachregel „Optimierung von Heizungsanlagen im Bestand“ sowie den Bestätigungsformularen des VdZ - Wirtschaftsvereinigung Gebäude und Energie e. V. entnommen werden:

Ordnungsrechtliche Vorgaben

Gebäudeenergiegesetz (GEG)

Relevante Passagen zur Heizungsregelung finden sich im Gebäudeenergiegesetz (GEG) in zwei Paragrafen:

Eine explizite gesetzliche Vorschrift zur Durchführung des hydraulischen Abgleichs lässt sich aus den genannten Paragrafen nicht ableiten, sie fehlt damit im GEG. Eine indirekte Verpflichtung zur Durchführung des hydraulischen Abgleichs ergibt sich allerdings aus der Anwendung weiterer Richtlinien und Normen, die teilweise im GEG zitiert werden und damit Rechtsverbindlichkeit erlangen.

Eine Pflicht, Heizungsrohrnetze hydraulisch abzugleichen, ergibt sich bei Neubauten oder bei erheblichen Eingriffen in bestehende Heizungsanlagen beispielsweise aus DIN 18380 - VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Heizanlagen und zentrale Wassererwärmungsanlagen (insbesondere Absatz 3.1.1).

Auch andere Richtlinien, wie z. B. DIN V 4701-10 – Energetische Bewertung heiz- und raumlufttechnischer Anlagen und DIN EN 14336 – Heizungsanlagen in Gebäuden – Installation und Abnahme der Warmwasser-Heizungsanlagen, stellen hohe Anforderungen an die Inbetriebnahme von Heizkesseln, die sich letztlich nur durch einen hydraulischen Abgleich erfüllen lassen.

Beim Einbau und beim Austausch einer Heizungsanlage besteht somit schon nach den anerkannten Regeln der Technik die Verpflichtung, einen hydraulischen Abgleich durchzuführen, auch wenn dieser nicht explizit durch das GEG selbst gefordert wird.

Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung über mittelfristig wirksame Maßnahmen

Seit dem 01.10.2022 gelten mit der Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung über mittelfristig wirksame Maßnahmen (EnSimiMaV) weitere rechtliche Vorgaben, die ebenfalls den hydraulischen Abgleich betreffen. Die Verordnung gilt zunächst für 24 Monate, dient der Steigerung der Energieeffizienz und besagt, dass alle Heizanlagen in größeren Gebäuden mit einer Gas-Zentralheizung bis zum 30.09.2023 hydraulisch abgeglichen werden müssen. Konkret betrifft das:

  • große Wohngebäude mit mindestens 10 Wohneinheiten (beziehungsweise 6 Wohneinheiten mit Frist bis September 2024)
  • Firmen und öffentliche Gebäude ab 1.000 qm beheizter Fläche

Förderrechtliche Vorgaben

Der nachgewiesene hydraulische Abgleich stellt eine Fördervoraussetzung in allen Bundesförderprogrammen von BAFA und KfW dar.

Häufige Fragen zum hydraulischen Abgleich

Antworten auf viele weitere häufig gestellte Fachfragen können im FAQ-Bereich abgerufen werden:

Antworten auf häufig gestellte Fachfragen (FAQ)

Zusammenstellung von Antworten auf häufig gestellte Fachfragen zu Gebäudeenergiegesetz (GEG), Energieausweis, Bilanzierung, Bauphysik, Gebäudetechnik oder individueller Sanierungsfahrplan (iSFP).

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Downloads und Tools

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