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Stadtentwicklung: Klimaresiliente Quartiere schaffen

Stand: September 2026

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Foto, grüne Bäume und Sträucher säumen einen breiten Weg zwischen Wohngebäuden unter blauem Himmel mit wenigen Wolken.

Der Sommer 2026 war der zweitwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Noch nie gab es so viele Hitzetage über 30 Grad (Quelle: DWD).

Städte tragen in besonderer Weise zum Klimawandel bei – und leiden darunter auch in besonderer Weise. Dagegen lässt sich planerisch und baulich viel tun.

Allerdings entfalten wesentliche Maßnahmen ihre Wirkung erst in voller Stärke, wenn sie quartiersweise gedacht sowie umgesetzt werden – und dabei Klimaschutz, Klimaanpassung und soziale Aspekte gleichermaßen berücksichtigen.

Quartiere als lernende Systeme

Synergien und Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Handlungsfeldern klimaresilienter Quartiere

Hitze, Trockenheit und Starkregen belasten Städte zunehmend. Die vielfach versiegelten Flächen speichern die Wärme, sodass die Temperaturen auch nachts hoch bleiben. Zudem kann der Boden Starkregen nicht mehr aufnehmen. Lösungen dafür gibt es vor allem auf der Quartiersebene, denn Kaltluftschneisen, ein Wärmenetz oder ein zusammenhängender Grünzug brauchen Fläche und gemeinsame Infrastruktur. Vor diesem Hintergrund müssen Planende Quartiere in den Fokus nehmen. Erst hier lassen sich bauliche, ökologische und soziale Strategien so verknüpfen, dass sie sich gegenseitig verstärken. Dabei muss die Planung zukunftsfähiger Quartiere drei wesentliche Handlungsfelder umfassen:

  • Klimaschutz senkt die Treibhausgasemissionen und dekarbonisiert die Energieversorgung. Auf der Quartiersebene geht das über den Umstieg auf erneuerbare Energien – etwa über Wärmepumpen oder Nahwärmenetze –, ressourcenschonendes zirkuläres Bauen sowie Konzepte für eine klimaverträgliche Mobilität. Energieeffizient sanierte Gebäude senken nicht nur CO2-Emissionen, sondern auch die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen.
  • Klimaanpassung reagiert auf die bereits spürbaren Folgen des Klimawandels wie Hitze, Starkregen und Überflutungen. Ihren Kern bilden grüne Infrastruktur aus Bäumen, Parks sowie begrünten Dächern und Fassaden, blaue Infrastruktur aus Versickerungsflächen, Mulden und Rückhaltebecken sowie mesoklimatische Maßnahmen wie freigehaltene Kaltluftschneisen und gezielte Beschattung.
  • Zukunftsfähigkeit schafft die sozialen und wirtschaftlichen Grundlagen dafür, dass ein Quartier langfristig lebenswert bleibt. Dazu zählen Gesundheit und Wohlbefinden der Bewohnerschaft, soziale Inklusion und eine funktionale Mischung ebenso wie wirtschaftliche Stabilität und lokale Wertschöpfung. Niedrige Betriebskosten energieeffizienter Gebäude sichern die Wirtschaftlichkeit über den gesamten Lebenszyklus.

Zielkonflikte benennen

Oft zahlen die Handlungsfelder aufeinander ein. Quartiere mit energieeffizienten Gebäuden bieten Hitzeschutz, reduzieren CO2-Emissionen und senken die Betriebskosten dauerhaft. Aber nicht immer verstärken sich die Ziele gegenseitig. In der Praxis konkurrieren Maßnahmen mitunter um dieselbe Fläche oder dasselbe Budget. So schafft eine bauliche Nachverdichtung zwar Wohnraum und kurze Wege, kann aber Grün- und Versickerungsflächen verdrängen, die für Kühlung und Regenwasserrückhalt gebraucht werden. Der Erhalt großer Bäume gerät leicht in Konflikt mit dem Wunsch nach zusätzlichen Stellplätzen oder einer Aufstockung des Gebäudebestands. Auch Denkmalschutz und energetische Ertüchtigung oder Fassadenbegrünung lassen sich nicht immer vereinbaren. Umso wichtiger sind transparente und partizipative Planungsprozesse, um Zielkonflikte frühzeitig zu erkennen, abzuwägen und gemeinsam Lösungen zu finden – andernfalls drohen in der Bauphase wenig zielführende Entscheidungen und Zusatzkosten.

Qualität sichern

Quartiersweit greifende Maßnahmen erstrecken sich auf viele Gewerke und umfassen etliche Bereiche. Damit die Maßnahmen tatsächlich ineinandergreifen, braucht es eine integrale Planung, die Architektur, Stadtplanung und Anwohnerschaft früh zusammenbringt. Quartierszertifizierungen können hier als Orientierung dienen. Sie stellen per Ökobilanz die Nachhaltigkeit eines Quartiers sicher. Dabei werden die öffentlich zugänglichen Räume zwischen den Gebäuden betrachtet: Verkehrswege, Plätze und Grünflächen. Außerdem wird der Umgang mit Energie, Wasser und Abfall bewertet. International etabliert sind das DGNB-Zertifikat Quartiere, LEED Neighborhood Development und BREEAM Communities. Eine solche Zertifizierung stärkt zugleich das Image des Quartiers und seine Wertstabilität.

Gartenstadt Drewitz macht es vor

Wie sich die drei Felder verbinden lassen, zeigt die Gartenstadt Drewitz in Potsdam. Mit dem Projekt wurde eine klassische Plattenbausiedlung umfassend energetisch saniert und die zentrale Konrad-Wolf-Allee zu einem Stadtteilpark umgebaut. Rund 2,5 Hektar Verkehrsfläche wurden entsiegelt. Der neue Freiraum verbessert das Mikroklima, fördert die Versickerung von Regenwasser und schafft zugleich neue Aufenthaltsqualität. Das Quartier ist zudem an das stadtweite Fernwärmenetz angeschlossen. Ergänzend liefern Photovoltaik im Mieterstrommodell und Solarthermie einen Teil von Strom und Warmwasser. Klimaschutz, Klimaanpassung und soziale Aufwertung fallen hier in einem Projekt zusammen – genau jenes Zusammenspiel, das ein Quartier gegen künftige Rekordsommer wappnet.

Foto, Zwei Kinder mit Sommerkleidung und Hüten fahren auf einem breiten Weg durch eine grüne Wohnsiedlung mit modernen mehrstöckigen Gebäuden, die Wege kreuzen sich und bilden eine Achse
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Stand: September 2026

PDF 286 KB barrierefrei

Themenschwerpunkt: Klimaresilienz

Klimaresilienz auf Quartiersebene beschreibt die Fähigkeit, sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen, Schäden zu minimieren und die Lebensqualität der Bewohnenden langfristig zu sichern. Klimaresiliente Quartiere verbinden dabei bauliche, ökologische und soziale Strategien. Zentrale Ansätze sind die Integration grüner und blauer Infrastrukturen, mesoklimatische Maßnahmen sowie eine klimaangepasste Stadtgestaltung. Ein zukunftsfähiges Quartier entsteht nicht durch das isolierte Abarbeiten von Maßnahmen, sondern durch das Zusammenspiel verschiedener Lösungen. Synergien werden systematisch erschlossen, Zielkonflikte frühzeitig erkannt und durch Abwägung, Beteiligung sowie kreative Lösungsansätze minimiert. Digitale Werkzeuge und Datenanalysen unterstützen dabei die Abstimmung von Erzeugung, Speicherung und Verbrauch im Quartier.

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