Transformationsbarometer: Quo vadis, Bauwirtschaft?
Stand: August 2026Newsletter
Der Gebäudesektor soll bis Mitte des Jahrhunderts klimaneutral werden. Wo die Unternehmen der Bauwirtschaft aktuell stehen und welche Hürden sie sehen, zeigt eine Analyse der Bundesstiftung Bauakademie.
Der Gebäudesektor zählt zu den größten Treibhausgas-Emittenten Deutschlands: Rund 30 Prozent der Emissionen gehen auf sein Konto. Mit dem Transformationsbarometer Bauwirtschaft will die Bundesstiftung Bauakademie den Wandel systematisch begleiten. Für die Analyse hat sie 4.515 Unternehmen aus der gesamten Wertschöpfungskette befragt – von Architekturbüros über die Baustoffindustrie bis zum Ausbaugewerbe, in einer bundesweiten Online-Erhebung und 30 Einzelinterviews. Entstanden ist ein umfassendes Bild des Status quo samt wichtigster Hemmnisse für die Transformation. Künftig soll das Barometer alle zwei Jahre erhoben werden und den Fortschritt regelmäßig dokumentieren.
Entwicklungen im Detail
Für den Wandel gibt es viele Stellschrauben. Das Transformationsbarometer nimmt deshalb fünf zentrale Themenkomplexe in den Blick. Drei davon im Überblick:
Neubau und Abriss: Bestandserhalt überwiegt
Bestandserhalt ist einer der wichtigsten Hebel für den Klimaschutz: Graue Energie bleibt erhalten, der Rohstoffverbrauch sinkt. In allen befragten Unternehmen – mit Ausnahme nur der Bauindustrie – überwiegen die Bestandsprojekte mit durchschnittlich 66 Prozent. Im Ausbaugewerbe sind es sogar 84 Prozent. Den Ausschlag für Erhalt und Umbau geben laut Befragten neben den Kosten vor allem die Bauherren selbst, die ein Gebäude bewahren wollen. Hinzu kommen Vorgaben aus Denkmalschutz und städtebaulichem Erhaltungsrecht. Außerdem – so betonen es besonders die befragten Architektinnen und Architekten – der Wunsch, Ressourcen zu schonen. Für Abriss und Neubau sprechen am häufigsten wirtschaftliche Gründe: die Kosten sowie die Frage, ob sich regulatorische Vorgaben wie die energetische Ertüchtigung überhaupt rentabel umsetzen lassen (60 Prozent). Ebenso oft entscheidet die Substanz selbst: marode Bausubstanz oder Haustechnik, unzureichender Brandschutz, unkalkulierbare Risiken oder ein Bestand, der sich mit der geplanten neuen Nutzung schlicht nicht verträgt.
Kreislaufwirtschaft: Potenziale noch nicht gehoben
Recycling- und Sekundärrohstoffe spielen bislang in etwa der Hälfte der Unternehmen eine mittlere bis große Rolle. Am gesamten Materialeinsatz haben sie mit 14 Prozent aber noch einen geringen Anteil. Die Gründe nennen die Befragten klar: Es fehlt an Sekundärrohstoffen (66 Prozent), der Mehraufwand treibt die Kosten (59 Prozent), dazu kommen logistische Hürden (48 Prozent) und das Abfallrecht (43 Prozent).
Ähnlich sieht es beim Thema Wiederverwendung aus: Am häufigsten kommt hier Holz zum Einsatz – mit 24 Prozent in Architekturbüros und 20 Prozent im Bauhauptgewerbe. Ingenieurbüros verwenden vor allem Stahl wieder (19 Prozent), im Ausbaugewerbe finden Bauteile wie Dachdeckungen (15 Prozent) und Kunststofffenster (16 Prozent) ein zweites Leben. Was bremst? Vor allem die höheren Kosten durch die aufwendige Suche und Aufbereitung und die Haftungsrisiken (beide Faktoren sind von 66 Prozent aller Befragten genannt). Das Ausbaugewerbe verweist zu 68 Prozent zudem auf ein praktisches Problem: den beschädigungsfreien Ausbau.
Digitalisierung: KI im Kommen, Tools noch zögerlich
Digitale Werkzeuge können helfen, ressourcenschonend und emissionsarm zu planen und zu bauen. Am wichtigsten sind den Unternehmen dabei Energiebedarfs- und Gebäudesimulationen (33 Prozent). Nachhaltigkeits- und CO2-Monitoring sowie die digitale Bestandsaufnahme folgen mit jeweils durchschnittlich 19 Prozent deutlich dahinter. Die größten Hürden: Die Auftraggebenden fragen digitale Prozesse kaum nach (58 Prozent), die Anwendung ist aufwendig (53 Prozent), und die Investitionskosten sind hoch (45 Prozent). Allerdings: Immerhin 55 Prozent der Unternehmen setzen bereits KI ein – am häufigsten für Recherche (40 Prozent) und Kommunikation (29 Prozent).
Weitere Infos sowie Download der Dokumentation
Weitere Informationen zum Transformationsbarometer sowie die Dokumentation als PDF-Download finden sich auf der Website der Bundesstiftung Bauakademie:
Bundesstiftung Bauakademie: Transformationsbarometer Bauwirtschaft 2025/26