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Lowtech-Bürogebäude „RESI“

Das Bürogebäude „RESI“ in Bamberg verbindet Netto-Null im Betrieb mit Lowtech, zirkulären Materialien und einer Indach-PV-Anlage. Es kommt ohne klassische Heizung und aktive Kühlung aus.

Foto, Ein modernes, dreistöckiges Gebäude mit einer Fassade aus rotbraunem Klinker steht im Mittelpunkt. Große Fensterflächen prägen die gleichmäßige Struktur. Im Vordergrund befinden sich helle Sitzbänke aus Holz, Pflanzflächen mit Gräsern und zwei Bäume, die den Eingangsbereich rahmen.

Projekt

Auf dem Bamberger Lagarde-Campus ist mit „RESI“ ein dreigeschossiges Bürogebäude mit 2.092 m2 Bruttogrundfläche entstanden. Inspiriert vom Bürohaus 2226 von Baumschlager Eberle Architekten wollte Bauherr Sebastian Hölzlein ein Netto-Null-Gebäude im Betrieb realisieren, das ohne klassische wasserführende Heizung und aktive Kühlung auskommt. Außerdem sollte es über den Lebenszyklus möglichst wenig Energie, Ressourcen und CO2-Emissionen verursachen.


Das Lowtech-Konzept setzt auf eine leistungsfähige Gebäudehülle, hohe thermische Speichermassen, eine zentrale Lüftung mit Wärmerückgewinnung sowie passive Kühlung über Nachtlüftung und Sonnenschutz. Ein integrales Planungsteam nutzte ab Leistungsphase 0 thermische Simulationen, Tageslicht- und Verschattungsanalysen sowie Energiemodelle als Entscheidungsgrundlage für Architektur und Gebäudetechnik. Auch die Materialwahl folgt dem Prinzip des reduzierten Ressourceneinsatzes: Zum Einsatz kamen unter anderem Recyclingbeton und wiederverwendete Klinker. Alpha IC GmbH und Serthoro GmbH nutzen Teile des Gebäudes selbst, weitere Büroflächen im zweiten Obergeschoss werden vermietet.
 

Projekt eines Netzwerkpartners

Dieses Projekt wurde durch die ENERGIEregion Nürnberg e. V. – ein Netzwerkpartner des Gebäudeforums klimaneutral – vermittelt. 

zum Partnerprofil

  • Energieeffizienz
  • Neubau
  • Nichtwohngebäude
Stand: September 2026

Bautafel

Bauvolumen
• Bruttogrundfläche: 2.092 m2
• drei Geschosse
• Büro- und Verwaltungsgebäude
• Hauptnutzung durch Alpha IC GmbH und Serthoro GmbH; zusätzliche Mietflächen

Bauzeit
• Planungszeit: 18 Monate
• Bauzeit: 12/2023–01/2025
• Bezug: 02/2025

Förderung
• QNG-Förderung: 180.000 €

Energetischer Zustand des Gebäudes
• Effizienzgebäude 40
• Netto-Null-Energiebilanz im Betrieb
• Gebäudehülle auf Passivhausniveau
• keine klassische wasserführende Heizung, keine aktive Kühlung
• DGNB Gold, Gesamterfüllungsgrad 81,5 %

Verwendetes Material
• Massivbauweise
• Recyclingbeton
• wiederverwendete, rund 100 Jahre alte Klinker
• schadstoffarme Materialien
• Gebäuderessourcenpass: Madaster

Verwendete Gebäudetechnik
• Indach-PV-Anlage mit Batteriespeicher
• zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung
• elektrisches Heizregister für Spitzenlasten
• kontrollierte Nachtlüftung und automatisierter Sonnenschutz
• Sensorik und Messwerterfassung mit Einbindung von Wetterdaten und Prognosen

Herausforderungen

Die zentrale Herausforderung lag darin, ganzjährig thermischen Komfort ohne klassische Heizung und aktive Kühlung zu sichern. Zugleich sollte der Netto-Null-Ansatz, der Ressourcenschutz und einen für ein mittelständisches Unternehmen tragfähiger Kostenrahmen zusammengeführt werden. Daher wurden die Energie- und Ressourcenziele bereits in Leistungsphase 0 festgelegt und Planungsentscheidungen fortlaufend durch Simulationen überprüft. 

Die Architektur musste zudem auf den historischen Kontext des Lagarde-Campus reagieren. Der kompakte Kubus orientiert seine Fassade am Achsraster der benachbarten ehemaligen Reithalle. Variierende Fensterbreiten folgen den bauphysikalischen Anforderungen. Zielkonflikte wurden bewusst abgewogen: Für eine möglichst hohe Eigenstromerzeugung erhielt die vollflächige Indach-PV-Anlage Vorrang vor einer Dachbegrünung. Kosten- und Terminsicherheit unterstützten die enge Zusammenarbeit von Bauherrschaft und Generalunternehmer im Modell des garantierten Maximalpreises.
 

Ausschnitt der PV-Jahresverlauf-Simulation

Ziele & Erfolge

„RESI“ steht für Responsibility, Efficiency, Sustainability, Inspiration. „RESI“ erreicht den Standard Effizienzgebäude 40 und hat eine Gebäudehülle auf Passivhausniveau. Im Jahresmittel erzeugt die Indach-PV-Anlage mehr Strom, als verbraucht wird und ermöglicht damit eine Netto-Null-Energiebilanz im Betrieb. Die zentrale Lüftung gewinnt rund 80 Prozent der Wärme zurück. Hohe Speichermassen, automatisierter Sonnenschutz und kontrollierte Nachtlüftung begrenzen den sommerlichen Wärmeeintrag. Auch ohne aktive Kühlung liegen die Raumtemperaturen im Sommer bei 25 bis 26 Grad Celsius. Für Spitzenlasten in der Winterperiode wird zur Gewährleistung des einfachen Mindestluftwechsels die Außenluft mit einem elektrischen Heizregister nachkonditioniert.


Auch der Lebenszyklus war ein zentrales Planungsziel. Mehr als 75 Prozent der verbauten Materialien stammen aus Recyclingprozessen. Eingesetzt wurden unter anderem Recyclingbeton und rund 100 Jahre alte, wiederverwendete Klinker. Materialströme sind in einem Gebäuderessourcenpass dokumentiert. Die Ökobilanz erreicht 100 von 100 Punkten und liegt 20 Prozent unter dem Anforderungswert des Qualitätssiegels Nachhaltiges Gebäude (QNG).


Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) zertifizierte das Büro- und Verwaltungsgebäude in Gold mit einem Gesamterfüllungsgrad von 81,5 Prozent. Für Ökobilanz, Lebenszykluskosten sowie Flexibilität und Umnutzungsfähigkeit erhielt das Projekt jeweils 100 von 100 Punkten. Nach 18 Monaten Planung und 13 Monaten Bauzeit war das Gebäude bezugsfertig.
 

Außenansicht mit Logos der Auszeichnungen
Kreativbereich
Blick in einen Arbeitsraum

Lessons learned

17

Prozent weniger Kosten nach mittlerem BKI-Standard für Bürogebäude

1.961 €/m² BGF ist die Zahl einer BKI-Publikation mit Kostenstand zum 2. Quartal 2025. 2.164 €/m² BGF sind die tatsächlichen Baukosten zum Zeitpunkt der Hauptvergabe im 2. Quartal 2023. Diese werden mittels Regionalfaktor und Baupreisindex aktualisiert.

100

Jahre alte Klinker

Als Material kamen 100 Jahre alte wiederverwendete Klinker-Ziegelsteine zum Einsatz.

180000

Euro Förderung

Das Projekt erhielt eine QNG-Förderung in Höhe von 180.000 Euro.

Drei Punkte halten der Bauherr und sein Planungsteam aus den bisherigen Erfahrungen beim zukunftsfähigen Bauen für besonders wichtig:

  • Die Implementierung eines integralen Planungsansatzes mit allen wichtigen Stakeholdern.
  • Die Notwendigkeit, frühzeitig in der Planung, – in einer neu zu schaffenden Phase 0 nach HOAI –, die Nachhaltigkeitsziele für ein Projekt festzulegen.
  • Den gesamten Lebenszyklus im Blick zu haben, damit nicht nur die Investitionskosten für den Bau, sondern auch die Kosten eines möglichst effizienten Betriebs betrachtet und gefördert werden. 

Bei „RESI“ dienten umfangreiche Simulationen als Entscheidungsgrundlage, um Architektur, Bauphysik, Energiekonzept und Gebäudetechnik aufeinander abzustimmen und technische Lösungen auf ihren tatsächlichen Nutzen zu prüfen. So konnte auf klassische Heiz- und Kühlsysteme weitgehend verzichtet werden.

Auch nach dem Einzug wird der Betrieb weiter optimiert. Über mindestens 15 Monate werden Lüftung, Verschattung und weitere Betriebsparameter im Inbetriebnahme-Management angepasst. Gemeinsam mit der Technischen Hochschule Nürnberg wird „RESI“ als Reallabor begleitet. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Optimierung des Betriebs ein und sollen auch für weitere Projekte nutzbar werden.
 
 

Kontakt & Akteure

Ihr persönlicher Kontakt

Sebastian Hölzlein


Alpha IC GmbH

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Foto, Nahaufnahme von mehreren Stecknadeln in einer Pinwand, die mit Bindfäden untereinander verbunden sind.
Akteure
  • Bauherren: Sebastian Hölzlein, SH & F Immobilien GmbH
  • Architektur: hehnpohl architektur bda, Münster
  • Generalunternehmer: ZECH Bau SE, Niederlassung Nürnberg
  • TGA-Fachplanung: Hölzlein Ingenieure GmbH
  • Tragwerksplanung: TRAGRAUM Ingenieure PartmbB
  • Energiedesign, Bauphysik, Nachhaltigkeitskonzeption, Innenarchitektur, Arbeitswelten, Facility Management und Inbetriebnahme-Management: Alpha IC GmbH
  • Monitoring/Reallabor: Technische Hochschule Nürnberg