Ansatz
Die serielle Sanierung von Bestandsgebäuden gilt als zentraler Hebel zur Erreichung der Klimaziele. Doch komplexe Planungsprozesse, wiederkehrende Nachweise und individuelle Zulassungsverfahren sind oft eine Hürde für eine schnelle und großflächige Umsetzung. Besonders biobasierte Lösungen scheitern oft an hohen Markteintrittsbarrieren, da Hersteller jeweils eigene Systeme entwickeln, die mit aufwändigen und kostenintensiven Nachweis- und Zertifizierungsprozessen verbunden sind.
In den Niederlanden wurde ein standardisiertes, biobasiertes Prefab-Dachelement entwickelt: Eine neutrale Organisation qualifiziert eine offen zugängliche Systemlösung, die konstruktive Details, bauphysikalische Nachweise und CO2-Bewertungen zentral bereitstellt. Ziel ist nicht, individuelle Prozesse zu ersetzen, sondern wiederkehrende Aufwände zu vermeiden und Wissen systematisch zu bündeln und zu skalieren.
Die Innovation liegt in der Herangehensweise: Standardisierung, Vorqualifizierung und offene Nutzung schaffen Planungssicherheit, senken Kosten und ermöglichen die Skalierung biobasierter Materialien.
Dieser Ansatz ist eingebettet in die Nationale Aanpak Biobased Bouwen (NABB), die den systematischen Einsatz biobasierter Materialien im niederländischen Bausektor fördert. Ziel ist es, biobasierte Lösungen zu standardisieren, marktfähig zu machen und ihre Anwendung in die Breite zu bringen.
Datenblatt:
Themenfeld
Serielle Sanierung / Nachwachsende Baustoffe
Art der Innovation
Systemlösung / Standardisiertes Bauelement
Reifegrad
Marktreif / Bereits in Umsetzung
Initiator
Netzwerk / Organisation (Building Balance) im Auftrag des Nationalen Aktionsplans für biobasiertes Bauen in NL
Herausforderungen
Eine zentrale Herausforderung ist die fehlende systemische Integration biobasierter Baustoffe in standardisierte Prozesse. Obwohl technisch verfügbar, werden sie oft projektbezogen und ohne Standardisierung eingesetzt – was zu einem hohen Planungs- und Abstimmungsaufwand führt.
Technische Details, bauphysikalische Bewertungen und brandschutztechnische Prüfungen müssen immer wieder neu erarbeitet werden, was Zeit, Ressourcen und finanzielle Mittel bindet. Biobasierte Lösungen sind in bestehenden Standards aktuell kaum verankert und werden daher häufig als Sonderlösung behandelt.
Die Herausforderung liegt also nicht in der Materialverfügbarkeit, sondern in der fehlenden strukturellen Einbindung in standardisierte Prozesse und marktfähige Systemlösungen. Erst durch reproduzierbare Details, vorqualifizierte Lösungen und eine stärkere Prozessstandardisierung können biobasierte Materialien effizient eingesetzt und in die Breite gebracht werden.
Ziele & Erfolge
Ziel des Ansatzes ist es, biobasierte Materialien durch Standardisierung und Skalierung als festen Bestandteil industrieller Bau- und Sanierungsprozesse zu etablieren. Das gelingt in den Niederlanden bereits erfolgreich: Das entwickelte Dachkonzept wird von Wohnungsbaugesellschaften und Herstellern unterstützt, zahlreiche Projekte wurden bereits umgesetzt. Durch vorqualifizierte Lösungen sinken sowohl die Kosten als auch der Planungsaufwand, während Prozesse beschleunigt werden. Die niederländische Dachsanierungsinitiative Dakenstroom fördert die breite Markteinführung.
Das offene und herstellerunabhängige Modell erleichtert die Marktbeteiligung und schafft durch die Kombination aus Standardisierung, Vorqualifizierung und gemeinsamer Wissensbasis die Grundlage für eine skalierbare, klimafreundliche Umsetzung. Ein Modell, das zeigt: Biobasierte Sanierungen sind nicht nur technisch umsetzbar, sondern auch wirtschaftlich umsetzbar und damit ein Vorbild für den deutschen Markt.
Zahlen & Daten
Das standardisierte Dachkonzept verbindet Klimawirkung mit Skalierbarkeit und Wirtschaftlichkeit. Neben der Reduktion betrieblicher Emissionen leisten die eingesetzten biobasierten Materialien einen Beitrag zur langfristigen CO2-Speicherung im Gebäude. Gleichzeitig führt die Standardisierung zu Effizienzgewinnen durch industrielle Vorfertigung und wiederholbare Prozesse.
Prozent CO₂-Reduktion über 30 Jahre
Durch die Kombination aus Energieeinsparung und materialgebundener CO₂-Speicherung kann über einen Zeitraum von 30 Jahren eine CO₂-Reduktion von bis zu 63 Prozent erreicht werden.
Mal höhere Umsetzungskapazität bei gleicher Arbeitsleistung
Durch vorgefertigte und reproduzierbare Systeme liegt die Umsetzungskapazität bis zu achtmal höher, bei gleicher Arbeitsleistung.
Wohnungen mit verbindlicher Interessensbekundung
Dass bereits 6.750 Wohnungen verbindliches für das Programm angemeldet wurden, ist ein weiterer Beleg für die Skalierbarkeit und Marktakzeptanz dieses Ansatzes.
Ein zentrales Ziel des Ansatzes ist die strukturelle Senkung von Planungs- und Umsetzungsaufwand sowie der Kosten. Durch standardisierte Details, zentrale Vorentwicklung und industrielle Fertigung werden biobasierte Lösungen wirtschaftlich konkurrenzfähig gegenüber konventionellen Systemen.
Kostensenkung ist dabei ein integraler Bestandteil der Strategie: So soll bis 2030 eine Reduktion der Kosten pro Dach von ca. 29.500 Euro auf 18.500 Euro erreicht werden. Denn erst wenn Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit zusammengeführt werden, kann eine breite Umsetzung in Bau und Sanierung gelingen. Durch die Standardisierung und Vereinfachung der Anwendung wird eine breite Nutzung im Markt ermöglicht, wodurch die Akzeptanz für biobasierte Lösungen deutlich gesteigert wird.
Akteure, Links & Praxis
Weiterführende Informationen
Hinweis: Da es sich um einen niederländischen Ansatz handelt, sind die verlinkten Inhalte überwiegend auf Niederländisch verfügbar.