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Einfamilienhaus energieeffizient saniert

Lässt sich ein Einfamilienhaus in Wunschlage aus dem Jahr 1965 in ein modernes, energieeffizientes Zuhause umwandeln? Das Projekt zeigt, wie es geht.

Projekt

Das Einfamilienhaus aus dem Jahr 1965, ursprünglich mit Energielabel „G“, befand sich in einer begehrten Lage, bot jedoch erhebliche energetische Defizite. Fehlende Dämmung, einfachverglaste Fenster und Wärmebrücken führten zu hohen Energiekosten und unzureichender Wohnqualität. Das Ziel war, das Haus zu modernisieren, um den Anforderungen eines modernen Haushalts gerecht zu werden und gleichzeitig die Nachhaltigkeit zu maximieren. Das Projekt zeigt, wie bestehende Bausubstanz durch den Einsatz nachhaltiger Baustoffe und moderner Technik zukunftssicher gemacht werden kann.

  • 65% Erneuerbare Energien
  • Sanierung
  • Wärmepumpe
  • Wohngebäude
Stand: Juni 2024

Bautafel:

BAUVOLUMEN
Wohnfläche: 275 m²

ENERGETISCHER ZUSTAND 
Vor Sanierung: Effizienzklasse „G“ mit Endenergiebedarf von 207 kWh/(m²a) 
Nach Sanierung: Effizienzklasse „A+“ mit Endenergiebedarf von 10 kWh/(m²a)

VERWENDETE GEBÄUDETECHNIK
Wärmepumpenheizung mit Erdwärme (10 kW), 3x80 m Tiefenbohrungen 
Kühlung im Sommer durch „neutral cooling“ über die Fußbodenheizung 
Lüftungsanlage mit Wärme- und Feuchterückgewinnung (Passivhaus-zertifiziert) 
Photovoltaikanlage (11 kWp) mit Akku (15 kWh)

VERWENDETE MATERIALIEN 
Außenwände: EPS 220 mm, λ=0,034 W/(mK) 
Beidämmung: EPS 100 mm, λ=0,034 W/(mK) 
Zwischensparrendämmung: Holzfaser 220 mm, λ=0,040 W/(mK) 
Aufsparrendämmung: Holzfaser 100 mm 
3-fach Verglasung mit Holzfensterrahmen und positiver Energiebilanz 

ENERGETISCHE LEISTUNG
Zwischen März 2023 und Oktober 2023 keine externe Energiezufuhr 
Jährliche Energieauswertung: 
10.000 kWh per PV produziert 
4.500 kWh eingespeist 
2.500 kWh Strom bezogen (Wintermonate) 
Heizung (Winter): 1.000 kWh (JAZ 5,6) 
Warmwasser (3 Personen): 1.500 kWh (JAZ 4,1) 
Gemittelte JAZ: 4,7

Herausforderungen

Eine Sanierung eines Gebäudes aus den 1960er Jahren ist bereits anspruchsvoll. Doch unter den eingeschränkten Bedingungen der Corona-Pandemie war es eine ganz besondere Herausforderung. Die Bauherren mussten zahlreiche Einschränkungen meistern, darunter Material- und Handwerkerknappheit. Zudem gab es keine Ansprechpartner bei den zuständigen Behörden, der BAFA, der KFW oder der Stadt, was den Prozess weiter verkomplizierte.

Die technische Komplexität des Projekts stellte eine weitere große Herausforderung dar. Die Bauherren wünschte sich eine ganzheitliche, integrierte Lösung aus Wärmepumpe, PV-Anlage, Aku und Wallbox. Doch die Integration dieser Komponenten war schwierig, denn aufgrund der Lieferprobleme während der Pandemie konnten nicht immer die bevorzugten Hersteller und Funktionalitäten gewählt werden. Es wurden zusätzliche Geräte und Gewerke benötigt, um den gewünschten Energiebedarf zu erreichen und die Komponenten optimal miteinander zu verbinden. Der Bauherr, ein Ingenieur, hatte sich intensiv in die Technik einarbeiten müssen, um die unterschiedlichen Komponenten und deren Kommunikationsprotokolle zu vernetzen. Eine Problematik, die zeigt, wie wichtig einheitliche Standards sind, die jetzt zunehmend eingeführt werden.

Ziele & Erfolge

Durch die Sanierung wurde das Haus zu einem zukunftssicheren Wohngebäude mit minimalem Primärenergieverbrauch. Das offene Wohnraumkonzept schafft ein großzügiges Raumgefühl, dazu wurden rund 60 Meter Stahlträger eingebracht. Auch an die Zukunft haben die Bauherren gedacht: So ist das Erdgeschoss mit allen Zugängen und Türen barrierefrei realisiert. Das Dachgeschoss, ursprünglich ein kalter Speicher, wurde zu einem 50 Quadratmeter großen Wohnraum mit Abstellraum und Tageslichtbad umgebaut.

Zur Energiegewinnung wurde eine 60-Quadratmeter-Photovoltaikanlage auf dem Süddach installiert. Der erzeugte Strom dient zur Heizung oder Kühlung des Hauses sowie zur Versorgung aller elektrischen Haushaltsgeräte. In den Dunkelzeiten wird der Strom aus einem groß dimensionierten Akkumulator bezogen. Die verschiedenen elektrischen und thermischen Komponenten wurden nach bedarfsgerechten Bestwerten ausgewählt. Da kein Unternehmen in der Lage war, diese Komponenten verschiedener Hersteller zu einer Gesamtanlage zu integrieren, übernahm der Bauherr selbst die Systemintegration.

Nach zweijährigem Betrieb zeigt sich, dass ein fast energieautarkes Wohngebäude entstanden ist. Der Überschussstrom wird zur CO2-freien Mobilität genutzt oder ins öffentliche Netz eingespeist.

Das Projekt zeichnet sich durch seine innovative Nutzung nachhaltiger Baustoffe und hoch integrierter Technik aus. Die verschiedenen Komponenten wie bidirektionale Stromzähler, Wechselrichter, PV-Anlage, Backup-Box, Stromakku, KNX-gesteuerte Hausverbraucher, Wärmepumpe und zentrale Lüftungsanlage wurden erfolgreich miteinander vernetzt und optimiert. Das Ergebnis ist ein Passivhaus mit dem Standard „Passiv Plus“ und Energielabel „A+“.

Lessons learned

Die Sanierung des Hauses zum Passivhaus führte zu einer erheblichen Reduktion der Heizkosten um 90 Prozent vom ersten zum zweiten Winter. Die Außenanlagen wurden speziell für Starkregen ausgelegt, und die Gartenanlagen wurden mit einem modernen, nachhaltigen Bewässerungssystem ausgestattet. Das Haus ist nun fit für die Zukunft und unterstützt die Bemühungen der Stadt zur Klimaresilienz. Es ermöglicht einen klimaneutralen Betrieb und trägt durch seine energieeffiziente Bauweise und den Einsatz erneuerbarer Energien erheblich zum Klimaschutz bei.