Energetische Sanierung: Was es für den Hochlauf braucht
Stand: September 2026Newsletter
Um die Klimaziele zu erreichen, muss in Deutschland deutlich mehr saniert werden. Die Sanierungsquote ändert sich aktuell allerdings kaum. Das Gebäudeforum klimaneutral zeigt, was bremst und welche Lösungsansätze möglich sind.
Rund ein Drittel der CO2-Emissionen in Deutschland entfällt auf den Gebäudesektor. Ein wesentlicher Teil entsteht beim Heizen und bei der Warmwasserbereitung. Mit Sanierungsmaßnahmen wie Dämmung oder Fenstertausch lässt sich der Verbrauch deutlich senken – und Eigentümerinnen und Eigentümer sowie Mietende sparen langfristig Kosten. Dennoch nimmt die Sanierung in Deutschland nicht an Fahrt auf: 2025 sank die Sanierungsquote bei Wohngebäuden auf 0,67 Prozent – ein neuer Minusrekord nach 0,69 Prozent im Vorjahr (Vollsanierungsäquivalente; Quelle: BuVEG). Um bis 2045 klimaneutral zu werden, ist eine deutliche Kehrtwende notwendig.
Stolpersteine und ihre Lösung
Klar ist: Nur durch ein umfassendes und koordiniertes Vorgehen aller Akteure kann ein langfristiger Sanierungshochlauf gelingen. Denn die Hemmnisse wirken selten allein – wer nur an einer Stellschraube dreht, bewegt die Quote kaum. Für die Praxis heißt das: Eigentümerinnen und Eigentümer brauchen von Anfang an eine klare Strategie und Fachberatung. Planende sowie Handwerkerinnen und Handwerker sind gefragt, Qualitätsstandards zu sichern und digitale Planungstools konsequent einzusetzen. Die Politik kann mit stabilen Rahmenbedingungen, verlässlichen Fördermitteln und Mitteln für gezielte Aufklärung dazu beitragen, Sanierungen zu erleichtern. Die wesentlichen Stellschrauben im Überblick:
Vor dem ersten Handschlag: die richtige Planung
Die Planungsphase ist für Sanierungsprojekte entscheidend: Wer saniert, ohne Ziele und Prioritäten definiert zu haben, produziert Verzögerungen und ineffiziente Maßnahmeabfolgen. Helfen können klare Sanierungskonzepte und Beratungen, die Eigentümerinnen und Eigentümer bei der Strategieentwicklung unterstützen. Ebenso wichtig ist eine gute Datenlage: Ohne belastbare Informationen zu Bausubstanz und Energieverbrauch bleibt jede Planung Stückwerk. Die Begleitung durch Energieberatende sowie eine systematische Datenerfassung sind daher ein zentraler Hebel.
Finanzierung und Regulatorik: Notwendige Weichen stellen
Klare und verlässliche gesetzliche Rahmenbedingungen geben Eigentümerinnen und Eigentümern sowie Wohnungsunternehmen Orientierung und schaffen gute Voraussetzungen für die Planung und Umsetzung von Sanierungen. Stabile, langfristig kommunizierte Rahmenbedingungen und zielgruppengerechte Förderung sind daher unverzichtbar. Hinzu kommt: In vielen Fällen sind Förderprogramme nicht ausreichend bekannt und benötigen breitangelegte Informationskampagnen, um sie sichtbarer zu machen. Viele einkommensschwache Eigentümerinnen und Eigentümer haben zudem keine ausreichende Bonität für Darlehen. Eine zielgruppengerechte Förderung kann die notwendige finanzielle Unterstützung bieten.
Technische Umsetzung: Rahmenbedingungen schaffen
Der Altbau stellt an moderne Heizsysteme wie die Wärmepumpe spezifische technische Anforderungen. In eng bebauten Gebieten steht für den Einbau der Anlagen weniger Platz zur Verfügung. Hier gewinnen innovative Lösungen wie eine Wand- oder Dachmontage als alternative Lösungen zur Bodenmontage an Bedeutung. Ebenso wichtig ist die richtige Dimensionierung: Eine Untersuchung des Fraunhofer ISE zeigte, dass sich ausreichend dimensionierte Heizkörper im Mittel mit ähnlich niedrigen Vorlauftemperaturen betreiben lassen wie Flächenheizungen. Wer hingegen mit einer überdimensionierten Anlage vermeintlich auf der sicheren Seite sein will, riskiert langfristig einen höheren Verbrauch und eine kürzere Lebensdauer. Eine enge fachliche Begleitung bis zur Inbetriebnahme ist dabei unverzichtbar.
Konflikte auflösen, Informationen bereitstellen
Unterschiedliche Interessen der beteiligten Akteure können Sanierungen erschweren. Ein Beispiel ist das Vermieter-Mieter-Dilemma: Vermietende tragen die Sanierungskosten, während die Einsparungen zu großen Teilen bei den Mietenden anfallen. Eine ausgewogenere Kostenverteilung könnte dazu beitragen, Anreize für Vermietende zu schaffen. In Eigentümergemeinschaften können zudem unterschiedliche Interessen und komplexe Entscheidungswege Sanierungen erschweren. Dahinter steht neben unterschiedlichen finanziellen Spielräumen auch oft schlicht ein Informationsdefizit – wer den Nutzen nicht kennt oder die Maßnahmen nicht nachvollziehen kann, lehnt ab. Wesentliche Stellschraube sind daher Informationsveranstaltungen und Schulungen.
Korrekte Umsetzung sichern
Am Ende entscheidet die Qualität der Ausführung. Eine gute Baukoordination hilft, Kosten und Bauzeiten im Blick zu behalten. Hohe Qualitätsstandards, Zertifizierungen und digitale Planungswerkzeuge tragen dazu bei, die Qualität und Effizienz der gesamten Maßnahme zu sichern. Ein anschließendes Monitoring kann zudem helfen, Mängel aufzudecken und den Betrieb weiter zu optimieren.