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Neue nachhaltige Baustoffe: Was können sie leisten?

Stand: September 2022

Rund ein Drittel der CO2-Emissionen eines typischen Gebäudes entstehen bereits vor der Nutzung – insbesondere bei der Baustoffproduktion. Ein zentraler Hebel für nachhaltiges Bauen liegt daher bei der Wahl der verwendeten Materialien. Wir stellen die Potenziale und Grenzen der Naturbaustoffe Lehm, Chinaschilf (Miscanthus) und Blauglockenbaum-Holz (Paulownia) vor.

Lehm – Comeback des traditionellen nachhaltigen Baustoffs

Die Alnatura Arbeitswelt ist europaweit das größte Bürogebäude, dessen Außenfassaden aus Lehm gebaut sind.

Die materialtypischen Eigenschaften von Lehm ermöglichen moderne, klimafreundliche Architektur. Dabei verfügt er über eine Reihe positiver Baustoffeigenschaften: schadstofffrei, schalldämmend, unbrennbar, vollständig recycelbar und lokal verfügbar. In Kombination mit Strohhäckseln und Fasern ist Lehm außerdem wärmedämmend. Verarbeitet wird der Baustoff zu tragfähigen Lehmsteinen oder -platten für den Trockenbau, aber auch Lehmputze und Lehmschüttungen sind üblich. Je nach Rohdichte kann Lehm in Schalungen, im Fachwerkbau oder für tragende Wandkonstruktionen eingesetzt werden. Verwendet werden auch Stampflehm-Fertigteile, die sich einfach und schnell vor Ort verbauen lassen.

In Europa und insbesondere in Deutschland hat Lehmbau Tradition: Rund zwei Millionen Menschen leben in Fachwerkbauten, deren Holzrahmen mit Lehm verfüllt sind – nun erlebt der Baustoff eine Renaissance!

Weitere Informationen zu Lehm als Baustoff auf unserer Themenseite

Chinaschilf – schnellwachsend und vielseitig

Verschiedene Bauelemente, zu deren Herstellung Miscanthus (Chinaschilf) verwendet wurde.

Die Bauindustrie verfügt mit Chinaschilf (Miscanthus) über eine schnellwachsende nachhaltige Alternative. Der robuste Rohstoff ist besonders ergiebig und speichert CO2 effektiv. Ein Hektar Chinaschilf ergibt 15 bis 25 Tonnen Trockenmasse und spart das CO2-Äquivalent von bis zu 8.000 Litern Heizöl ein.

Aktuell gibt es noch keine zugelassenen Baustoffe aus Chinaschilf. Diese sind aber mittelfristig zu erwarten. Besonderes Plus von Miscanthus: Die Poren des Pflanzengewebes enthalten Luft und der Baustoff lässt sich als Spritzputz einfach aufbringen. Bereits eine nur zwei Zentimeter dicke Schicht erzielt hervorragende Dämmwerte. Miscanthus kann darüber hinaus Lehmziegeln, Leichtbeton, Putz und Estrich beigemischt werden. Ebenso kommt das Chinaschilf als Dach- und Schüttdämmung, Ersatz von Reet-Dachdeckungen und zur Verfüllung von Fenster- und Türrahmen infrage.

Weitere Informationen zu Chinaschilf (Miscanthus) als Baustoff auf unserer Themenseite

Paulownia – leichte Alternative für den Innenausbau

Kiriholz eignet sich gut zur Verarbeitung als Energie-, Wert- und Nutzholz.

Kein Gehölz wächst so schnell und bindet so viel CO2 wie Paulownia. Pro Hektar sind es jährlich etwa 35 bis 40 Tonnen CO2. Zum Vergleich: Ein Hektar deutscher Mischwald speichert etwa 13 Tonnen. Der tropische Baum gilt zudem als anspruchslos, robust und dürreresistent. Paulownia – in Deutschland auch als Blauglockenbaum oder Kiri bekannt – wird hierzulande verstärkt angebaut, sodass das Holz mittlerweile regional verfügbar ist.

Kiriholz ist ein Leichtgewicht und zugleich relativ druckfest. Entsprechend eignet es sich ideal für leichte Baukonstruktionen in Innenausbauten, Dachaufstockungen oder Tiny Houses.  Eine weitere positive Eigenschaft: Kiri trotzt Pilzbefall dauerhaft. Das Holz muss daher nicht chemisch behandelt werden und ist optimal für ein gesundes Wohnklima. Geforscht wird derzeit an weiteren Produkten wie Dämmungen in Form von Platten oder Schüttdämmung, um auch die Reste aus der Produktion optimal nutzen zu können.

Weitere Informationen zu Paulownia als Baustoff auf unserer Themenseite

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