Projekt
Ausgangspunkt des Projekts war ein Energiegutachten. Auf dieser Grundlage plante die Kirchengemeinde in Meersburg, die Flachdächer von Pfarrhaus und Pfarrzentrum mit Photovoltaik auszustatten und den eigenerzeugten Strom möglichst sinnvoll für die Wärmeversorgung zu nutzen.
Die Wärmeversorgung für das Pfarrhaus und Pfarrzentrum wurde 2024 auf ein Luft-Wasser-Wärmepumpensystem umgestellt. Zwei Wärmepumpen arbeiten in Kaskade und versorgen die Bestandsgebäude über drei Heizkreise mit unterschiedlichen Vorlauftemperaturen.
Vorbildlich ist vor allem die gebäudespezifische Auslegung der Anlage. Raumwärme, Trinkwarmwasserbereitung und PV-Einbindung wurden nicht pauschal gekoppelt, sondern auf den tatsächlichen Bedarf abgestimmt. Dadurch entstand eine Lösung, die die unterschiedlichen Nutzungen der Gebäude berücksichtigt, Leitungsverluste reduziert und den selbst erzeugten Solarstrom gezielt dort einsetzt, wo er technisch sinnvoll genutzt werden kann.
- Energieeffizienz
- Nichtwohngebäude
- Wärmepumpe
Bautafel
Bauvolumen
• Zwei Gebäude mit 700 m²
Modell und Einbau
• Luft-Wasser-Wärmepumpe Ovum AC520P (38 kW gesamt)
• 2024
Energetischer Zustand des Gebäudes
• Vorher:
• Bestandsgebäude mit Fußbodenheizung
• Zentrale Trinkwarmwasserbereitung mit hohen Verteilverlusten
• Nachher:
• Wärmeautarkie der Wärmepumpe von 71 % (Stand: Dezember 2025)
• Wärmeverteilung über 3 Heizkreise mit unterschiedlichen Vorlauftemperaturen: 42 °C, 36 °C und 35 °C
Verwendete Gebäudetechnik
• 2 Luft-Wasser-Wärmepumpen in Kaskade (je 19 kW)
• Zentraler Pufferspeicher als Parallelpuffer
• Durchlauferhitzer in Teeküche im Pfarrzentrum (3 kW)
• Separate Brauchwasser-Wärmepumpe im Pfarrhaus mit SG-Ready-Schnittstelle bei PV-Überschuss
• Photovoltaikanlage und Batteriespeicher
Herausforderungen
Die Planung musste zwei Gebäude mit unterschiedlichen Anforderungen zusammenführen: das überwiegend zu Wohnzwecken genutzte Pfarrhaus und das Pfarrzentrum mit Büro-, Arbeits- und Seminarbetrieb. Entsprechend waren Heizlast, Hydraulik, Regelung und Wärmeverteilung so auszulegen, dass beide Gebäude zuverlässig versorgt werden, ohne den Betrieb der Wärmepumpen unnötig zu belasten.
Eine weitere Herausforderung lag in der bisherigen Trinkwarmwasserbereitung. Das Warmwasser wurde zentral im Pfarrzentrum erzeugt und über eine rund 60 Meter lange Leitung verteilt, obwohl der Bedarf nahezu vollständig im Pfarrhaus anfiel (98 Prozent). Die Planung trennte deshalb die Raumwärmeversorgung von der Warmwasserbereitung und ordnete die Warmwassererzeugung dem tatsächlichen Verbrauchsort zu.
Da Heizungsmodernisierung, Photovoltaikanlage und Batteriespeicher von unterschiedlichen Unternehmen umgesetzt wurden, war außerdem eine klare Schnittstellendefinition erforderlich. Dafür kam das gemeinsame Schnittstellenpapier der Fachverbände aus Elektro- und SHK-Handwerk zum Einsatz. So konnten Zuständigkeiten geklärt und die Gewerke strukturiert aufeinander abgestimmt werden.
Ziele & Erfolge
Ein wesentliches Ziel des Projekts war eine effiziente, erneuerbare Wärmeversorgung für zwei unterschiedlich genutzte Bestandsgebäude (Baujahr 1981). Erreicht wurde dies durch die Kombination aus Wärmepumpen-Kaskade, angepasster Hydraulik, niedrigen Systemtemperaturen und bedarfsgerechter Warmwasserbereitung.
Wärmeversorgung ohne Zusatzheizung
Die gemessenen Betriebsdaten zeigen eine hohe Effizienz. Nach einem Jahr Laufzeit liegt die Jahresarbeitszahl bei 4,3. Für den Dezember 2025 wurde eine Arbeitszahl von 3,5 gemessen. Die Heizlast wurde nach DIN 12831 berechnet. Die Anlage wurde so ausgelegt, dass die Wärmepumpen den Wärmebedarf ohne zusätzlichen Wärmeerzeuger decken können. Der Heizstab musste bislang nicht eingesetzt werden. Damit bestätigt der bisherige Betrieb die Auslegung der Anlage ohne zusätzliche elektrische Unterstützung.
Warmwasser dort erzeugen, wo es gebraucht wird
Die dezentrale Warmwasserbereitung im Pfarrhaus vermeidet die früheren Verluste der langen Verteilleitung. Im Pfarrzentrum wird nur noch der geringe Bedarf der Teeküche über einen kompakten Durchlauferhitzer gedeckt. Dadurch wird Trinkwarmwasser bedarfsgerecht bereitgestellt, ohne die zentrale Wärmeversorgung mit hohen Verteilverlusten zu belasten.
PV-Strom gezielt nutzen
Auch die Einbindung der Photovoltaik wurde auf den tatsächlichen Anlagenbetrieb abgestimmt. Die Heizungswärmepumpen werden bei PV-Überschuss nicht automatisch auf höhere Temperaturen gebracht. Dafür müssten die Räume gleichzeitig zusätzliche Wärme anfordern, damit die Heizkreise der Fußbodenheizung öffnen und die erzeugte Wärme aufnehmen können. Da diese Kopplung im Gebäude nicht vorhanden ist, könnten die Heizungswärmepumpen zusätzliche Wärme nicht zuverlässig an die Räume abgeben. Sie würden gegen ein weitgehend geschlossenes System arbeiten und häufiger ein- und ausschalten. Dieses Takten kann die Effizienz verringern und den Anlagenbetrieb ungünstig beeinflussen. Der überschüssige PV-Strom wird deshalb gezielt für die Brauchwasser-Wärmepumpe genutzt. Sie bereitet Warmwasser für das Pfarrhaus und kann dieses im Speicher bevorraten. Über die SG-Ready-Schnittstelle erhält sie ein Signal, sobald PV-Überschuss verfügbar ist. So wird Eigenstrom dort eingesetzt, wo Wärme aufgenommen und gespeichert werden kann, ohne den Heizbetrieb hydraulisch ungünstig zu beeinflussen.
Lessons learned
Das Projekt zeigt, dass Wärmepumpen im Bestand besonders dann effizient arbeiten, wenn die Planung über den Wärmeerzeuger hinausgeht. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Gebäudenutzung, Heizlast, Wärmeverteilung, Hydraulik, Warmwasserbereitung, Regelung und Schnittstellen zu weiteren technischen Anlagen.
Für vergleichbare Vorhaben lässt sich daraus ableiten: Die tatsächlichen Bedarfe im Gebäude sollten früh geprüft und nicht aus bestehenden Leitungsführungen oder früheren Versorgungskonzepten übernommen werden. Besonders bei Warmwasser und PV-Einbindung lohnt sich eine genaue Betrachtung, weil hier vermeidbare Verluste oder ungünstige Betriebszustände entstehen können.
Nicht jede technisch mögliche Kopplung verbessert automatisch den Anlagenbetrieb. Sinnvoll ist eine Einbindung dann, wenn Wärme tatsächlich abgenommen oder gespeichert werden kann. So entstehen Lösungen, die im Alltag effizient, robust und nachvollziehbar funktionieren.
Für vergleichbare Vorhaben lässt sich aus den Erfahrungen ableiten: Eine gute Planung prüft nicht nur Leistungen und Komponenten, sondern auch Betriebsweise, Schnittstellen und tatsächliche Nutzung. So entstehen Lösungen, die im Alltag effizient und robust funktionieren.