Elektrisch angetriebene Wärmepumpen unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich ihrer Wärmequelle oder Bauform, sondern vor allem in ihren technischen Leistungsmerkmalen. Für Planung, Auslegung und Förderfähigkeit ist es entscheidend, zentrale Kennwerte richtig einzuordnen, etwa thermische Nennleistung, elektrische Leistungsaufnahme, Effizienzkennzahlen, maximale Vorlauftemperatur oder Einsatzgrenzen bei niedrigen Außentemperaturen.
Die ausgewiesenen Produktdaten beziehen sich auf definierte Normbedingungen und lassen sich nur eingeschränkt auf reale Betriebszustände übertragen. Für eine belastbare Bewertung ist daher das vollständige Leistungskennfeld des Geräts maßgeblich. Der folgende Beitrag gibt einen strukturierten Überblick über die wichtigsten technischen Kennwerte und stellt relevante Datenbanken und Förderlisten für den systematischen Gerätevergleich vor.
Wärmepumpentypen und Gerätkonzepte
Elektrisch angetriebene Wärmepumpengeräte unterscheiden sich grundlegend hinsichtlich ihrer Nutzungs- und Aufstellarten. Maßgeblich sind insbesondere:
Art der Wärmequelle (Außenluft, Erdreich / Sole, Wasser etc.)
Art der Wärmeübergabe / Wärmeträgers (Wasser, Luft, Trinkwasser)
Art der Aufstellung (Monoblock, Splitgerät)
Zusätzlich eingebundene Wärmeerzeuger (hybride bzw. bivalente Anlagen)
Technische Kennwerte im Überblick
Neben Bauart und Wärmequelle unterscheiden sich Wärmepumpengeräte hinsichtlich Leistung, Effizienz, Einsatzbereich, Geräuschemissionen und Kältemittelart. Diese Unterschiede werden durch den Vergleich von technischen Kennwerten deutlich und sind in Datenbanken für viele Geräte verfügbar.
Der zulässige Betriebs-Temperaturbereich definiert die Außentemperatur- bzw. Quelltemperaturgrenzen, innerhalb derer das Gerät bestimmungsgemäß arbeiten kann.
Wird die untere Einsatzgrenze unterschritten, stoppt oder drosselt die Wärmepumpe den Betrieb, um den Verdichter zu schützen.
Wärmepumpen (insbesondere mit der Wärmequelle Außenluft) verursachen im Betrieb Geräuschemissionen. Die Geräte müssen daher unter Berücksichtigung relevanter Schallkennwerte sowie rechtlicher Anforderungen an den Schallschutz ausgewählt werden.
Die erzeugte thermische Leistung des Wärmepumpengeräts hängt von den Temperaturen der Wärmequelle und des Heizmediums ab. Der technische Kennwert wird als Nenn-Heizleistung unter definierten Norm-Nennbedingungen für die jeweiligen Wärmepumpentypen angegeben.
Gemäß Prüfvorschrift DIN EN 14511-2 gelten folgende Bezugsbedingungen: Außentemperatur 7 Grad Celsius, Erdreich/Sole 0 Grad Celsius und Grundwasser 10 Grad Celsius. Die Wassertemperaturen des Heizmediums werden für Niedertemperaturanwendungen (NT) mit 35 Grad Celsius und für Mitteltemperatur-Anwendungen (MT) mit 55 Grad Celsius angesetzt, jeweils entsprechend für Flächenheizungen oder Heizkörperanwendungen.
Für die Dimensionierung der Wärmepumpe ist zu beachten: Die Heizleistung bei Normaußentemperatur (z.B. -10 Grad Celsius) ist geringer als die meist ausgewiesene Nenn-Heizleistung bei 7 Grad Celsius. Bei den Angaben der Nennleistung wird der Teillastfaktor bzw. der Heizstabanteil nicht angegeben. Zur konkreten Auslegung der Anlage sollte das gesamte Kennfeld der thermischen Leistungswerte der Anlage berücksichtigt werden. Diese sind herstellerabhängig in den Planungsunterlagen bzw. in Auslegungstools der Hersteller hinterlegt.
Die Abbildung zeigt die Verteilung der Heizleistung gemäß der in EN 14511-2 definierten Norm-Nennbedingungen für die im HP-Keymark gelisteten Wärmepumpen (ohne Wärmepumpen, die nur zur Trinkwassererwärmung genutzt werden).
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Elektrische Leistungsaufnahme Pel [kW]
Die elektrische Leistungsaufnahme einer Wärmepumpe variiert im Betrieb je nach Wärmequellentemperatur (z.B. Außenlufttemperatur) und Vorlauftemperatur des Heizmediums. Angaben in Datenblättern als Pin bzw. Pel in kW (oder W) sind wie die thermische Leistung (bzw. Effizienzwerte) immer auf definierte Betriebsbedingungen bezogen (z.B. A7/W35 nach EN 14511/EN 14825).
Die elektrische Leistungsaufnahme externer Komponenten, etwa eines Heizstabs oder externer Umwälzpumpen, sind in den Herstellerangaben oft nicht enthalten, außer sie sind integriert und werden erfasst. Teilweise wird auch die maximale Leistungsaufnahme inkl. aller Komponenten angegeben. In Deutschland existiert grundsätzlich keine einheitliche, verbindlich festgelegte Definition für die Angabe der elektrischen Leistungsaufnahme von Wärmepumpen.
Maximale Vorlauftemperatur [ Grad Celsius]
Dieser Wert gibt an, welches Temperaturniveau die Wärmepumpe maximal bereitstellen kann. Er wird häufig als WTOL (Water Temperature Operating Limit) angegeben.
Die erreichbare Temperatur hängt vom Regelungskonzept und vom eingesetzten Kältemittel ab. Die Angabe ist vor allem dann wichtig, wenn das Heizungssystem auf höhere Vorlauftemperaturen angewiesen ist (typischerweise in der Sanierung von Bestandsanlagen) oder Anforderungen aus der Trinkwasserhygiene Mindest-Sollwerte erfordern. Dabei muss beachtet werden, dass die maximale Vorlauftemperatur in der Regel nicht bei Normaußentemperatur (z.B. -10 Grad Celsius) bereitgestellt werden kann und mit geringen Effizienzwerten verbunden ist.
Der größte Anteil der Wärmepumpen erreicht Temperaturen bis 60 Grad Celsius. Höhere Temperaturniveaus von über 70 Grad Celsius werden von Geräten mit Propan (R290) als Kältemittel erreicht.
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Kältemittelart
In Wärmepumpen eingesetzte Kältemittel unterscheiden sich vor allem in ihren thermodynamischen Eigenschaften, ihrer Umweltwirkung (Global Warming Potential - GWP), Effizienz, Sicherheitsanforderungen (z.B. Brennbarkeit, Toxizität) und damit in ihrer Eignung für bestimmte Anwendungen. Ein wichtiges Kriterium ist das Treibhauspotenzial (GWP): Es gibt an, wie stark das Kältemittel im Vergleich zu CO2 bei Freisetzung zum Klimawandel beiträgt. Kältemittel mit hohem GWP werden sukzessive vom Markt genommen. Brennbarkeit (A2L oder A3), Toxizität und Druckniveau beeinflussen Aufstellort, Füllmengenbegrenzungen und bauliche Anforderungen.
Gängige Kältemittel sind:
R410A: Synthetisches Mischkältemittel, lange Standard, aber sehr hoher GWP (>2000), daher nur noch in Bestandsanlagen eingesetzt; wird schrittweise verdrängt.
R32: Synthetisches HFKW mit hohem GWP (~675), hohe Effizienz, leicht brennbar (A2L). R32 bleibt als Stoff zulässig, aber das Inverkehrbringen neuer Wärmepumpen/Klimageräte mit R32 wird durch die EU-F‑Gas‑Verordnung stufenweise verboten: für unter 12 kWth ab 2027, für Geräte über 12 kWth ab 2035.
R290 (Propan): Natürliches Kältemittel mit sehr niedrigem GWP (<1), hoher Effizienz und hohen möglichen Vorlauftemperaturen, aber stark brennbar (A3), daher strengere Sicherheits- und Füllmengenregeln.
R407C ist ein HFC-Gemisch mit einem sehr hohen Treibhauspotenzial (GWP ≈ 1774) und unterliegt daher der EU-F-Gase-Verordnung. In Neuanlagen mit hohem GWP (z.B. über 750) ist der Einsatz von R407C in vielen Fällen seit 2015 bzw. ab 2027 stark eingeschränkt; bestehende Anlagen dürfen aber weiter betrieben und gewartet werden. Weitere natürliche Kältemittel wie Ammoniak (R717) oder Isobutan (R600a) spielen eher in Industrie bzw. Kleinstanlagen eine Rolle, weniger bei typischen Wohngebäude-Wärmepumpen. R744 (CO2) ist als natürliches Kältemittel sehr umweltfreundlich (GWP=1), ungiftig und für hohe Temperaturen / Warmwasser gut geeignet, stellt aber hohe technische Anforderungen und ist deshalb oft teurer und eher für Spezialanwendungen oder größere Anlagen attraktiv.
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Kältemittel für Heizungs- und Klimatechnik
Für die Funktionsweise von Wärmepumpen und Kälteanlagen sind Kältemittel unerlässlich. Sie ermöglichen, dass die Wärme auf niedrigem Temperaturniveau aus Außenluft, Erdreich und Wasser für die Erwärmung in Gebäuden genutzt werden kann.
Insbesondere für Wärmepumpen mit Außenluft als Wärmequelle werden die Einsatzgrenzen angegeben. Die TOL (Temperature Operating Limit) ist die niedrigste Außentemperatur, bei der die Wärmepumpe gemäß der Prüfmethoden EN 14825 noch im Heizbetrieb arbeiten kann. Unterhalb der TOL liefert die Wärmepumpe keine Heizleistung mehr – die Deckung erfolgt dann ausschließlich über die Zusatz- oder Elektroheizung.
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Reversibler Betrieb
Ein „reversibler Betrieb“ bei Wärmepumpen bedeutet, dass die Wärmepumpe sowohl heizen als auch aktiv kühlen kann, weil sich die Richtung des Wärmeflusses im Kältekreislauf umkehren lässt. Im Winter arbeitet sie als Wärmepumpe und bringt Wärme von außen ins Gebäude, im Sommer wird der Prozess umgedreht und sie entzieht den Räumen Wärme und gibt sie nach außen ab. Im reversiblen Betrieb wird die Fließrichtung des Kältemittels im Kreisprozess umgeschaltet, typischerweise über ein sogenanntes Vierwegeventil und zusätzliche Schaltelemente. Die grundlegenden Komponenten wie Verdichter, Verdampfer, Verflüssiger und Expansionsventil bleiben gleich, nur ihre Funktion (innen heizen vs. innen kühlen) vertauscht sich je nach Betriebsmodus.
Im HP-Keymark sind 62 Prozent der Wärmepumpen als „reversibel“ gekennzeichnet. Ob und in welchem Umfang eine Wärmepumpe zum Kühlen eingesetzt werden kann, hängt auch vom Übergabesystem ab (Flächenheizung, Radiatoren), hier muss vor allem die Gefahr von Tauwasserausfall beachtet werden.
Datenquellen für technische Kennwerte: Datenbanken und Förderliste
Zur Charakterisierung und zum Vergleich von Wärmepumpengeräten anhand ihrer Produktdaten kann auf Listen und Datenbanken zu Wärmepumpen in Deutschland und Europa zurückgegriffen werden. Im Folgenden sind verfügbare Quellen kurz beschrieben:
Das HP Keymark ist ein freiwilliges Zertifizierungslabel. Für eingetragene Geräte sind über 35 technische Daten sowie zahlreiche Eigenschaften hinterlegt (bis zu 267 Datenpunkte). Über die Homepage sind die Produkte frei zugänglich gelistet und die Daten können herstellerweise heruntergeladen werden.
Die frei zugängliche Liste der förderfähigen Wärmepumpen mit Prüf-/Effizienznachweis enthält Produkte, die im Rahmen der Wärmepumpenförderung (BEG-EM) als förderfähig im Hinblick auf die rechtlichen und technischen Randbedingungen sind. Sie wird regelmäßig aktualisiert und umfasst die saisonale Effizienz (eta_s) sowie Heizleistungen für 35 Grad Celsius- und 55 Grad Celsius-Anwendungen. Abhängig von Gerätetyp und Leistung kann dies beispielsweise ein Prüfnachweis (EN 14511 bzw. EN 14825) eines nach ISO 17025 akkreditierten Prüfinstituts sein. Somit sind die Daten mit den Durchführungsrichtlinien (hauptsächlich 206/2012 und 813/2013) der Ökodesign-Verordnung kompatibel.
Die Liste kann als PDF oder als Online-Tabelle eingesehen werden:
Im Online-Format können Geräte auch direkt miteinander verglichen werden.
Die GET-Datenbank ist eine frei zugängliche Online-Datenbank für Gebäudeenergietechnikprodukte (GET), die von der Energieberatung Salzburg betrieben wird. Die Datenbank wird von Planern, Förderstellen, Energieausweis-Software, Produktherstellern und -lieferanten genutzt und verfolgt das Ziel, energieeffizientes Bauen und Sanieren mittels gezielter Produktinformation und Produktauswahl zu unterstützen. Im Bereich der Wärmepumpe wird die Qualitätssicherung der Daten vom Verband Wärmepumpe Austria sichergestellt. Die Datenbank enthält je nach Hersteller 22 bis 37 Datenpunkte.
Die EPREL-Datenbank (European Product Registry for Energy Labelling, Europäische Produktdatenbank für die Energieverbrauchskennzeichnung) spiegelt den Gesamtmarkt der in Europa angebotenen Wärmepumpen für Raumheizung und Warmwasserbereitung wider. Diese Datenbank ist die offizielle Plattform, auf der energiebezogene Produkte aufgeführt sind.
Die Eurovent-Datenbank ist die Datenbank mit den umfangreichsten Datensätzen (53 Prüfpunkte), die eher gewerbliche Geräte im größeren Leistungsbereich und weniger Gebäude-Wärmepumpen enthält. Ihre Ziele liegen im Bereich der Unterstützung der Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der teilnehmenden Mitgliedsunternehmen sowie in der Nutzung der Daten zur Teilnahme an Ausschreibungen für öffentliche Aufträge. Diese Datenbank enthält mit etwa 4300 Split- sowie knapp 800 Multi-Split-Modellen auch die größte Anzahl von Luft-Luft-Wärmepumpen.
Förderung von Wärmepumpen
Für den Einbau einer Wärmepumpe im Neubau als auch im Bestand bestehen vom Bund und von den Ländern verschiedene Förderprogramme. Die Förderung und die Höhe des Zuschusses sind an unterschiedliche Anforderungen gebunden.
Über die Produktdatenbanken hinaus liegen digitale Produktdaten von Wärmepumpen je nach Zweck in unterschiedlichen Quellen und Formaten vor. Zur Nutzung im Bereich Planung/Simulation sind dies vor allem technische Leistungsdaten in standardisierter Form basierend auf der VDI 3805 bzw. ISO 16757 standardisierte XML-Datensätze für TGA-Produktdaten inklusive Kennfeldern/Regelparametern.
Die VDI-Richtlinienreihe 3805 standardisiert den elektronischen Produktdatenaustausch für die technische Gebäudeausrüstung (TGA: Heizung, Lüftung, Sanitär). Ziel ist, herstellerneutrale, maschinenlesbare Daten für Planung, Auslegung, BIM-Vorstufen und Ausschreibung bereitzustellen.
Herstellerdatenbanken für Wärmepumpen nach VDI 3805 findet man auf der Plattform BIM4HVAC, die vom Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) betreut wird, oder dem Open Datapool des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK).
Ziel der Plattformen ist, SHK-Produktstammdaten dem Großhandel und Handwerk als geprüfte, standardisierte Datensätze zur Verfügung zu stellen. Dort sind aktuelle, standardisierte VDI 3805-Datensätze zahlreicher Hersteller als einzelne Produktdaten oder komplette Produktsortimente verfügbar und können als XML-Dateien exportiert werden. Die Daten sind geeignet, um sie direkt in gängige Planungssoftware zu importieren.
Spezielle Software hilft dabei, die Betriebsdaten einer Wärmepumpe möglichst präzise zu berechnen und den Betrieb zu simulieren. Auch Optimierungen während des laufenden Betriebs sind damit möglich.
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