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Hallenheizungen: Anforderungen, Technologien und Systeme im Vergleich

Stand: Januar 2026
Foto, Große Industriehalle mit Maschinen und Werkbänken, Deckenstrahlern und hoher Decke mit Stahlträgern

Hallen stellen aufgrund ihrer Größe und Nutzung besondere Anforderungen an die Beheizung. Mit Raumhöhen über sechs Metern, variablen Nutzungsprofilen und offenen Bauweisen weichen sie deutlich von Standardgebäuden ab.

Zum Einsatz kommen deshalb spezielle Heizsysteme wie Infrarotstrahler, Deckenstrahlplatten oder Warmlufterzeuger. Auch die Nutzung erneuerbarer Energien ist möglich – etwa über Wärmepumpen, Hybridlösungen (z.B. energieflexible Infrarotstrahlungsheizungen) oder Techniken, die grüne Gase nutzen können. Relevanz gewinnt das Thema zusätzlich durch die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes, das eine anteilige Nutzung erneuerbarer Energien nach § 71 vorsieht.

Besondere Anforderungen an Hallen

Der Gebäudetyp „Halle” ist im technischen, bau- oder energiesparrechtlichen Regelwerk bislang kaum definiert. Hallen sind ein sehr heterogenes Gebäudesegment, das sich in vielen Aspekten deutlich unterscheiden kann – beispielsweise bei Nutzungszeiten, Innentemperaturen, Luftwechseln, Abmessungen und Bauweisen.

Gemeinsam ist diesen Gebäuden jedoch, dass sie über große Raumhöhen und -volumina verfügen. Diese Besonderheiten stellen spezifische Anforderungen an Heizsysteme. Je kleiner der Anteil des zu beheizenden Arbeitsbereichs zum gesamten Hallenvolumen, desto wichtiger wird die Effektivität der Wärmeübertragung als Teil der Heizprozesskette für die Gesamteffizienz. Klassische Heizkörper sind dafür in der Regel ungeeignet. Seit vielen Jahrzehnten kommen deshalb spezielle Hallenheizsysteme zum Einsatz, die auf diese Rahmenbedingungen abgestimmt sind. Je nach Nutzungsszenario kommen dabei unterschiedliche Anforderungen zum Tragen: kurzfristige Reaktionszeiten, gleichmäßige Verteilung  oder Teilbereichsbeheizung (Heizzonen), geringe Luftverwirbelung zur Vermeidung von Zugerscheinung und Staubaufwirbelung oder zusätzliche Kühlfunktionen.

Foto, Hand mit Arbeitshandschuh hält graues, rechteckiges Lüftungsgerät mit Metallrohren in technischer Umgebung

GEG-Anforderungen für Hallen

Für Hallengebäude gelten im Energie- und Gebäuderecht besondere Anforderungen. Es müssen Vorgaben aus Gebäudeenergiegesetz, Normung, Netzregulierung und EU-Recht sowie Besonderheiten bei Planung, Bewertung und Betrieb beachtet werden.

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Systematisierung und Überblick

Hallenheizsysteme lassen sich grundsätzlich nach zwei Kriterien unterteilen:

  • dem dominierenden Wärmeübertragungsmechanismus, also Strahlung  (Infrarot-Wärmestrahlung ohne Übertragungsmedium) oder Konvektion  (Wärmeübertragung durch Transport warmer Luftmassen), sowie
  • dem Systemumfang, also ob es sich um eine zentrale oder dezentrale Lösung handelt.

Zentrale Systeme arbeiten in der Regel mit wassergeführten Leitungen von einer zentralen Wärmeerzeugung, während dezentrale Geräte die gesamte Heizprozesskette von der Wärmeerzeugung bis zur Wärmeübertragung in den Nutzbereich  in einer Einheit im Raum kombinieren. Einen Überblick über gängige Systeme bietet folgende Listen:

Strahlung oder Konvektion

  • Strahlung
    • Infrarotstrahlersysteme (Dunkelstrahler, Hellstrahler, energieflexible Infrarotstrahlungsheizungen)
    • Deckenstrahlplatten
    • Fußbodenheizung (Industrie und Sport)
  • Konvektion
    • Warmlufterzeuger (zentral)
    • Lufterhitzer / Luftheizer (dezentral)

Zentrale vs. dezentrale Hallenheizsysteme

  • Zentrale Systeme: verteilen Wärme in der Regel über Heizungswasser von einer zentralen Erzeugungseinheit (z.B. Wärmepumpe, Heizkessel, Fernwärme).
  • Dezentrale Systeme: erzeugen und übertragen Wärme direkt im Hallenraum, meist gasbefeuert, zunehmend auch elektrisch oder hybrid.

Strahlungssysteme im Detail

Hallenheizungen, die auf Strahlung basieren, übertragen Wärme gezielt an Oberflächen im Raum, wie z.B. Boden, Arbeitsmittel, Menschen. Dies sorgt für eine gleichmäßige, angenehme Wärmeverteilung im Aufenthaltsbereich.

  • Funktionsweise der Wärmestrahlung: Wärmestrahlung erfolgt durch elektromagnetische Wellen und setzt Sichtkontakt zwischen den beteiligten Oberflächen voraus. Sie wirkt direkt auf angestrahlte Flächen – vergleichbar mit Sonnenstrahlen – und erwärmt die Raumluft erst indirekt. Diese Eigenschaft prädestiniert Strahlungssysteme für punktgenaue, verlustarme Beheizung hoher Räume.
  • Hybridlösungen und Kühlung: Mehrere Hallenheizsysteme – etwa Dunkelstrahler mit Abgaswärmenutzung oder Warmlufterzeuger mit Hybridregistern – lassen sich kombinieren. Einige wasser- oder luftbasierte Systeme können zudem zur Kühlung verwendet werden, wobei Taupunktüberschreitung zu beachten ist.
  • Energieflexible Lösungen: Multi-Energie-Strahlungssysteme ähneln Dunkelstrahlern, können aber im Gegensatz zu diesen nicht nur mit Gas betrieben werden, sondern verschiedene Energieträger wie Strom oder Wasserstoff im Mono- oder auch im Mix-Betrieb nutzen.
  • Planung und Montage: Bei der Planung sind Mindestmontagehöhen und Sicherheitsabstände entscheidend. Die Abstände sind insbesondere von der spezifischen Geräteleistung abhängig, die Mindestaufhängung beginnt in der Regel bei 3-4 Metern. Eine korrekte Platzierung der Geräte beeinflusst Effizienz, Sicherheit und thermischen Komfort wesentlich.

Strahlungssysteme im Überblick

Konvektionssysteme im Detail

Konvektion bedeutet Wärmeübertragung durch bewegte Luft. Die Heizsysteme erwärmen die Luft direkt, meist mithilfe von Gebläsen. Die warme Luft wird durch die Gebläse in den Raum verteilt. Dabei muss die Auswurfweite der Gebläse (Luftgeschwindigkeit) umso höher sein, je größer das Hallenvolumen ist. Da warme Luft nach oben steigt, werden zur Vergleichmäßigung des vertikalen Temperaturprofils oft Deckenventilatoren eingesetzt.

Konvektionssysteme im Überblick

Nutzung erneuerbarer Energien

Zentral versorgte Hallenheizungen können – wie alle Zentralheizungen – mit Wärmeerzeugern auf Basis erneuerbarer Energien ausgestattet werden.

Für den Betrieb dezentraler Hallenheizungen mit erneuerbaren Energien im Sinne des § 71 GEG (sogenannte „65-Prozent-EE-Regel") bestehen folgende Optionen:

  • Luftheizsysteme auf Basis dezentraler Wärmepumpen oder als Hybridsysteme/-anlagen mit Wärmepumpe (§§71 und 71c oder 71h)
  • direktelektrische Heizsysteme oder teilelektrische Hybridsysteme/-anlagen (§71d),
  • sowie der Einsatz von Biomethan, grünem oder blauem Wasserstoff (§71f).

Darüber hinaus ermöglicht §71 GEG auch eine bilanzielle Betrachtung des gesamten Gebäudes, um die Nutzungspflicht erneuerbarer Energien zu erfüllen. In den Nachweis sind dann alle beteiligten Heizsysteme einzubeziehen, sodass (Teil-) Systeme ohne Nutzung erneuerbarer Energien zu einem gewissen Anteil durch (Teil-) Systeme auf Basis erneuerbarer Energien aufgewogen werden können.

Foto, eine Reihe von Wohnhäusern mit Photovoltaikanlagen auf dem Dach

GEG 2024 – Neue Regelungen

Mit der zweiten Novelle des Gebäudeenergiegesetzes (GEG 2024) sind zum 01.01.2024 eine Vielzahl an Neuregelungen in Kraft getreten. Zentrale Änderungen betreffen die verpflichtende Bilanzierung nach DIN V 18599 sowie die sogenannte 65-Prozent-EE-Regel.

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Energieeffizienz

Unterschiedliche Aspekte haben Einfluss auf die Energieeffizienz von Hallenheizungen:

  • Maßgeblich hängt sie von den baulichen Gegebenheiten und dem Einsatzbereich ab. Besonders bei niedrigen Hallen und guter Wärmedämmung sind die Unterschiede zwischen den Systemen – bei gleichem Energieträger – häufig gering. Die richtige Dimensionierung, eine energetisch optimierte Ausführung und insbesondere die steuerungstechnische Anpassung des Heizprozesses an das individuelle Nutzungsprofil der Halle sind hier oft entscheidender als die Wahl des Systems selbst.
  • Strahlungsheizungen reagieren unempfindlicher auf Kaltlufteinfall als Luftheizungen.
  • Da dezentrale Hallenheizsysteme keine Wärmeverteilleitungen und Speicher benötigen, fallen auch keine diesbezüglichen Wärmeverteilverluste an. Die Höhe des energetischen Vorteils hängt jedoch von den konkreten Randbedingungen ab (z.B. Hilfsenergiebedarf, Leitungslängen und -wege bei der zentral versorgten Variante).
  • Schnell reagierende Systeme wie Infrarotstrahler und Lufterhitzer sind ideal für Hallen mit intermittierendem Betrieb. Sie können sich in Verbindung mit intelligenter Steuerung z.B. während der Toröffnungszeiten automatisch abschalten und so Energieverluste reduzieren. Fußbodenheizungen hingegen eignen sich besser für eine durchgehende Beheizung, da sie langsamer reagieren.
  • Besonders mit deckenmontierten Strahlungsheizungen lässt sich auch eine räumlich und zeitlich eingeschränkte Beheizung einzelner Hallenbereiche realisieren.
     

Dämmung

Durch Dämmmaßnahmen können Energie- bzw. Wärmeverluste, welche durch die Bausubstanz der Gebäudehülle erfolgen, effektiv gesenkt werden.

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Tore

Tore sind in der Regel die größten in der Gebäudehülle vorkommenden Öffnungen. Sie stellen eine erhebliche energetische Schwachstelle dar, das gilt insbesondere dann, wenn sie als Teil der thermischen Hülle einen beheizten Innenraum abgrenzen.

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Wirtschaftlichkeit

Direktbefeuerte Hallenheizungen zeichnen sich im Vergleich zu zentralen Anlagen mit hallenspezifischen Übergabesystemen in der Regel durch geringe Investitionskosten aus. Durch den Einsatz energieeffizienter Technologien, durch Abwärmenutzung, Zonenbeheizung und eine am Bedarf orientierte Anlagenfahrweise sind Energiekostenvorteile möglich.

Eine genaue Wirtschaftlichkeitsbetrachtung im Einzelfall unter Berücksichtigung konkreter Randbedingungen ist daher unerlässlich. Ein Überschlag der Amortisationszeit oder der Jahresgesamtkosten in Anlehnung an VDI 2067, Blatt 1 ist möglich.

Systemvergleich und Auswahl

Alle Systeme sind bei entsprechender Auslegung für gleichmäßige Raumtemperaturen geeignet. Bei Konvektionssystemen werden zur Vergleichmäßigung des vertikalen Temperaturprofils in hohen Hallen oft Deckenventilatoren eingesetzt. Strahlungssysteme können punktuell eingesetzt werden und bieten so neben geringeren erforderlichen Lufttemperaturen weitere Effizienzvorteile. Fußbodenheizungen reagieren träge, eignen sich aber für Dauernutzung. Luft- oder Strahlungssysteme sind ideal für wechselnde Betriebszeiten. Ein Vergleich nach DIN V 18599 ist zur Systemwahl hilfreich. Zu beachten ist hier jedoch, dass sich die aktuell gültige Fassung auf den technischen Stand von vor 2011 bezieht und den technischen Fortschritt nur unzureichend abbildet.

Besonderheiten in Bestandshallen

Im Bestand fehlen oft Leitungsnetze oder Dämmstandards sind unzureichend. Direktbefeuerte, dezentrale Systeme oder Hybridlösungen bieten hier Vorteile. Auch wirtschaftlich kann dies sinnvoller sein, wenn zentrale Systeme nicht ohne Weiteres nachrüstbar sind.

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