Fassadensanierung: Dämmung, Feuchteschutz und Luftdichtheit
Stand: Juli 2026Artikel
Die Sanierung von Fassaden bietet die Möglichkeit, den Energieverbrauch eines Gebäudes zu senken und Wärmeverluste dauerhaft zu reduzieren. Da Bauteile im Gebäudebereich oft erst nach mehreren Jahrzehnten erneuert werden, lohnt es sich, energetische Anforderungen bereits bei anstehenden Instandsetzungen mitzudenken. Spätere Verbesserungen sind häufig mit höherem Aufwand verbunden oder konstruktiv nur eingeschränkt möglich.
Eine langfristige Planung kann dazu beitragen, solche Lock-in-Effekte zu vermeiden und Sanierungsmaßnahmen schrittweise aufeinander abzustimmen.
Fassade energetisch verbessern
Gerade bei Altbauten stellen die Außenwände häufig den größten Anteil der Wärmeverluste dar – oft mehr als 50 Prozent der gesamten Transmissionsverluste. Durch Dämmmaßnahmen können diese Verluste deutlich reduziert werden: Bei Außendämmung um ca. 90 Prozent, bei Innendämmung um ca. 75 Prozent.
Bei einer schrittweisen Sanierung ist es zudem möglich, zuerst nur eine Außenwand zu dämmen. Bei einer Blockrandbebauung könnte z.B. zunächst eine Außendämmung an der hofseitigen Fassade angebracht werden und später eine Innendämmung auf der Fassade zur Straßenseite, falls die historische Fassade keine Außendämmung zulässt.
Sanierung von Außenwand und Dach: Planung, Dämmung und Luftdichtheit
Die Checkliste unterstützt dabei, wesentliche bauphysikalische Aspekte bei der Sanierung von
Außenwand und Dach systematisch zu prüfen und typische Planungs- und Ausführungsfehler zu vermeiden.
Außen- und Innendämmung im Vergleich
Außendämmungen gelten aus bauphysikalischer Sicht häufig als robuste und vergleichsweise einfach umsetzbare Lösung. Auch aus energetischer Sicht sind sie immer zu bevorzugen, weil beispielsweise im Gegensatz zur Innendämmung Wärmebrücken besser vermieden werden können. Wenn aber z.B. bei historischen Gebäuden eine Außendämmung nicht möglich ist, kann eine Innendämmung helfen. Dafür sind sorgfältige Planung und Ausführung erforderlich.
Außendämmung: Systeme und Besonderheiten
Bei der Außendämmung kann zwischen Wärmedämmverbundsystem (WDVS), hinterlüfteter Vorhangfassade und vorgefertigten Holzleichtbaumodulen gewählt werden. Letztere sind vor allem für serielle Sanierungen interessant. Die Physik ist dabei immer gleich und kann mit einer einfachen Regel im Hinblick auf Dampfdiffusion zusammengefasst werden: Von innen nach außen immer diffusionsoffenere Bauteilschichten.
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Checklisten
Luftdichter Einbau bei Wärmedämmverbundsystemen (WDVS)
Diese Checkliste unterstützt Fachplanende, Bauleitung und ausführende Gewerke bei der qualitätsgesicherten Umsetzung der luftdichten Ebene im WDVS – von der Planung bis zur Kontrolle.
Stand: September 2025 -
Checklisten
Ausführung einer hinterlüfteten Vorhangfassade (VHF)
Diese Checkliste unterstützt Fachleute bei der qualitätsgesicherten Umsetzung einer hinterlüfteten Vorhangfassade (VHF) – von der Vorbereitung bis zur Kontrolle.
Stand: September 2025
Innendämmung: Feuchteschutz und Wärmebrücken beachten
Bei Innendämmungen ist der Feuchtehaushalt der Außenwand besonders zu berücksichtigen. Deshalb ist eine sorgfältige bauphysikalische Planung erforderlich.
Anders als bei Außendämmung, kann die Innendämmung aufgrund einbindender Decken und Wände nicht durchgehend verlaufen. Zusätzliche Maßnahmen können erforderlich sein, um Wärmebrücken zu reduzieren:
- Begleitdämmung der einbindenden Innenwände und Decken
- Laibungsdämmung im Bereich der Fenster
Eine Hinterlüftung der Innendämmung mit feuchter Raumluft sollte vermieden werden. Um Schäden zu vermeiden, muss die Dämmung hohlraumfrei an die Bestandswand angebracht und luftdicht an Decke, Zwischenwände und Fußboden angeschlossen werden. Grundsätzlich kann die Innendämmung diffusionsoffen, -hemmend oder -dicht ausgeführt werden. Diffusionsoffene Konstruktionen erfordern einen kapillaraktiven Dämmstoff wie Kalziumsilikat. Diffusionshemmende Innendämmungen verwenden meist Dampfbremsen oder dampfbremsende Dämmstoffe wie. EPS. Bei diffusionsdichten Konstruktionen werden dampfsperrende Materialien wie Schaumglas verwendet. Hier sind die Anschlüsse zu Boden, Zwischenwänden, Decken und Fenstern zu beachten, damit kein Wasserdampf in das Bauteil gelangen kann. Da bei innen gedämmten Wänden die Massivwand im kalten Bereich liegt, muss sie vor eindringender Feuchte (Schlagregen, aufsteigende Feuchte) geschützt werden. Zufriedenstellende Ergebnisse lassen sich hier meist nur durch spezielle Eigenschaften des Außenputzes erreichen.. Auf der Innenseite der Bestandswand sollten starke Verschmutzungen sowie dampfbremsende Schichten (z.B. Fliesen oder ölhaltige Anstriche) entfernt werden.
Meist wird die Konstruktion bezüglich Dampfdiffusion mit dem Glaserverfahren beurteilt. Eine dynamische Simulation ist notwendig bei:
- dampfdiffusionsoffenen Konstruktionen (z.B. mit Kalziumsilikatplatten),
- bei Sichtmauerwerk außen,
- in Schlagregen belasteten Regionen z.B. Küste,
- falls das Glaserverfahren Probleme meldet.
Wärmeschutz durch Innendämmung
Wärmeverluste durch Außenwände können auch durch innenliegende Dämmung effektiv reduziert werden – vorausgesetzt, die Innendämmmaßnahme wird sachgerecht geplant und ausgeführt.
Luftdichtheit der Fassade
Eine luftdichte Gebäudehülle kann dazu beitragen, Energieverluste zu reduzieren und Feuchteschäden vorzubeugen. Bei gut geplanten Sanierungen wie EnerPHit (Sanierung mit Passivhaus-Komponenten) sind n50-Werte unter 1,0 h -1 möglich.
Besonders wichtig ist ein durchgängiges Luftdichtheitskonzept in der Planungsphase. Dabei muss eindeutig definiert werden, welche Schicht die luftdichte Ebene bildet und wie sie an Dach, Bodenplatte oder Kellerdecke angeschlossen wird.
Bei Sanierungen kann der bestehende Außenputz häufig zur luftdichten Ebene ertüchtigt werden. Ist er intakt und frei von größeren Rissen, kann er eine gute Luftdichtheit gewährleisten. Eine Instandsetzung oder Ergänzung des Außenputzes kann daher eine praktikable Lösung sein.
Der Innenputz eignet sich dagegen im Bestand häufig nur eingeschränkt als luftdichte Ebene, da er meist nicht bis auf den Rohfußboden geführt wurde. Zudem stellen Holzbalkendecken oft erhebliche Leckagen dar.