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Kreislauffähige Garagenaufstockung

Innovative Nachverdichtung in Karlsruhe-Rintheim: Auf drei Garagenanlagen entstanden in Holzbauweise zwölf Wohnungen.

Projekt

In Karlsruhe-Rintheim wurde durch die Aufstockung von drei bestehenden Garagenanlagen als Nachverdichtung einer Großsiedlung ein wegweisendes Bauprojekt umgesetzt. Dabei entstanden zwölf Wohnungen, während die Garagen in Betrieb blieben. Die Aufstockungen wurden in Holzbauweise errichtet und zeichnen sich durch ihre mobile und kreislaufgerechte Umsetzung aus.

Diese innovative Herangehensweise wurde durch eine Förderung als Leuchtturmprojekt der Wohnraumoffensive Baden-Württemberg ermöglicht und unter Mitwirkung von Prof. Dirk Hebel vom KIT für Nachhaltiges Bauen umgesetzt. Das Projekt nutzte die knappen Spielräume des Bebauungsplans von 1958 und versiegelte keine neuen Flächen. Als Bauherrin fungierte die Volkswohnung GmbH. Diese Garagenaufstockungen interpretieren den Umgang mit baulichem Bestand und den Rahmenbedingungen von Bebauungsplänen auf außergewöhnliche Weise und setzen dabei auf einen zukunftsorientierten Umgang mit Ressourcen.

Die Wohnungen verteilen sich auf drei L-förmige Anlagen und bieten eine Wohnfläche von ca. 535 m², darunter drei Einzimmerwohnungen und eine Dreizimmerwohnung.

Die Besonderheit des Projekts liegt in seiner ressourcenschonenden Ausrichtung auf mehreren Ebenen: Dem Heben von räumlichen Ressourcen in der Stadt durch Nachverdichtung, einer kreislaufgerechten Bauweise, der Einbeziehung des bestehenden Bestands sowie der Versetzbarkeit der Konstruktionen, was eine flexible Weiterverwendung ermöglicht.

  • Baustoffe
  • Neubau
  • Nichtwohngebäude
  • Wohngebäude
  • Zirkuläres Bauen
Stand: Februar 2024

Bautafel:

BAUZEIT
06/2022 – 10/2023

ENERGETISCHER ZUSTAND
KfW 55

VERWENDETES MATERIAL

Außenwand von innen nach außen typisch:
Gipsfaserplatte einfach
Hanfdämmung / Installationsebene 60 mm
Diagonalschalung mit Schwalbenschwanzverbindungen als Dampf- und Windbremse 30 mm
Hanfdämmung 180 mm
Diagonalschalung Nut-Feder 20 mm
Lattung / Hinterlüftung 40 mm
Schalung 24 mm
Titanzink Stehfalz
Holzfenster 3-fach verglast

Dach von innen nach außen typisch:
Schalung Nut-Feder 20 mm gehobelt
Hanfdämmung / Installationsebene 80 mm
Diagonalschalung mit Schwalbenschwanzverbindungen als Dampf- und Windbremse 30 mm
Hanfdämmung 220 mm
Diagonalschalung Nut-Feder 20 mm
Lattung / Hinterlüftung 40 mm
Schalung 24 mm
Titanzink Stehfalz

VERWENDETE GEBÄUDETECHNIK
Heizung mit Fernwärme

Hinsichtlich der Technik funktionieren die Aufstockungen als Satelliten des Bestandes und sind an deren Technikräume angeschlossen.

Mechanische Entlüftung der Bäder und Nachströmung über feuchtegesteuerte ALDs (Außenluftdurchlässe)

Herausforderungen

Die Realisierung des Projekts stellte sich als sehr anspruchsvoll dar, da verschiedene Herausforderungen zu bewältigen waren. Zunächst wurden baurechtliche und genehmigungsbezogene Fragen zu einem zentralen Thema. An zwei der Standorte erhielt das Projekt eine negative Antwort auf die Bauvoranfrage, was zusätzliche Hürden bedeutete. Der Umgang mit dem bestehenden baulichen Bestand erforderte zudem eine sorgfältige Planung und Abstimmung. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Umsetzung des Anspruchs der Kreislauffähigkeit im geförderten Wohnungsbau. Hierbei waren umfangreiche Recherchen, die Zusammenarbeit mit verschiedenen Firmen und eine genaue Kostenkalkulation erforderlich. Darüber hinaus war die allgemein schwierige Lage auf dem Bau, geprägt von Kosten- und Terminproblemen, eine zusätzliche Hürde. Trotz dieser Hindernisse gelang es letztendlich, das Projekt erfolgreich umzusetzen und einen wichtigen Beitrag zur urbanen Nachverdichtung zu leisten.

Ziele & Erfolge

Das Projekt verfolgte mehrere Ziele: Das Schaffen von Wohnraum, und zwar durch eine intelligente Nachverdichtung ohne zusätzliche Versiegelung von Flächen, was insgesamt zwölf neue Einheiten ermöglichte. Zudem sollte es einen Beitrag zum kreislauffähigen Bauen im geförderten Wohnungsbau leisten. Ein besonderes Augenmerk lag auf einem innovativen Umgang mit dem Baurecht, insbesondere im Hinblick auf den Bebauungsplan und den vorhandenen Bestand. Darüber hinaus wurde angestrebt, eine spezielle Wohntypologie umzusetzen, die darauf abzielte, die Wohnungstypologien in der Nachkriegssiedlung aufzuwerten und zu durchmischen. Ein herausragendes Merkmal des Projekts sind die mobile Architektur der Baukonstruktionen sowie die Anwendung von Urban Mining, um Ressourcen effizient zu nutzen und zu recyceln.

Nachhaltigkeit

Die Garagenaufstockung erfüllt viele Aspekte des nachhaltigen Bauens:

  • Kreislauffähigkeit: Es kam zur Anwendung einer sortenreine Bauweise und Verzicht auf Verklebungen sowie Komposite. Zudem wurde Urban Mining angewendet, um Materialien zu recyceln.
  • Materialverzicht und Low-Tech-Ansätze: Besonders robustes Bauen, beispielsweise durch Holzständerwände ohne Folien, trugen dazu bei, Ressourcen zu schonen.
  • Lebenszyklusorientierte Planung: Die Bauwerke sind versetzbar und können weiterbewohnt werden. Zudem sind sie am Ende ihres Lebenszyklus gut zerlegbar, was durch den Einsatz von leicht demontierbaren Materialien unterstützt wird.
  • Verwendung besonders nachhaltiger Baustoffe: Materialien wie Hanfdämmung, Titanzinkfassade und Holz ohne oder mit nur geringen Mengen Leim tragen zur Kreislauffähigkeit bei.
  • Besondere Langlebigkeit der eingesetzten Komponenten: Die Produkte sind so konzipiert, dass sie eine lange Lebensdauer haben.
  • Baugesundheit und Schadstofffreiheit: Die Bauweise gewährleistet eine gesunde Umgebung für die Bewohnerinnen und Bewohner.
  • Nachhaltiges Nutzungskonzept und Suffizienzstrategie: Die Versetzbarkeit der Bauwerke ermöglicht eine flexible Nutzung und trägt zur Schonung von Ressourcen bei.
  • Baubestandserhalt und Umnutzung: Die Garagen bleiben als solche erhalten und werden in das Projekt integriert.

Kontakt & Akteure

Ihr persönlicher Kontakt

Falk Schneemann

Architekt
FSA

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Foto, Nahaufnahme von mehreren Stecknadeln in einer Pinwand, die mit Bindfäden untereinander verbunden sind.
Akteure

AUFTRAGGEBER Volkswohnung GmbH

ARCHITEKTUR FSA, Falk Schneemann Architektur

TRAGWERK wh-p, Stuttgart

HLS gent+gent, Karlsruhe

ELEKTRO Ossowski Engineering, Durmersheim

BAUPHYSIK Müller Ingenieure, Waldbronn

SCHALLSCHUTZ Schmitt+Mann, Karlsruh

HOLZBAU Zimmerei Sieveke GmbH, Lohne

KLEMPNER Maurer & Kaupp GmbH & Co. KG, Schramberg

FERTIGBÄDER estec Modulbad GmbH , Haslach