Wärmepumpen im Bestand: Der ideale Projektablauf
Stand: Juli 2026Newsletter
Der Einbau einer Wärmepumpe im Bestand gelingt nur im Zusammenspiel mehrerer Gewerke. Sechs Phasen strukturieren den typischen Ablauf und zeigen, wie sich Fallstricke umgehen lassen.
Die Rollenverteilung ist in der Regel klar: Im Einfamilienhaus übernimmt meist der SHK-Betrieb die Koordination der Gewerke, im Mehrfamilienhaus liegt sie beim Planungsbüro.
Wer die Schnittstellen zwischen den Betrieben und mit den Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümern früh sauber definiert, vermeidet Reibungsverluste bei Terminen, Verantwortlichkeiten und Förderfristen.
Schritt für Schritt zum optimalen Betrieb
Die folgenden sechs Schritte fassen den Weg von der ersten Anfrage bis zum optimierten Betrieb zusammen.
1. Beratung
Zu Beginn nehmen SHK-Büro oder Planungsbüro vor Ort Gebäudedaten, Heizsystem und Verbräuche auf. Schon in dieser Phase sollten Aufstellort, Platzbedarf und eine mögliche Absenkung der Vorlauftemperatur besprochen werden. Werden zudem Erwartungen zu Effizienz, Betriebskosten, Schallemissionen und Förderfähigkeit früh angesprochen und protokolliert, lassen sich spätere Konflikte weitgehend vermeiden.
2. Konzeption, Angebot und Förderung
Eine erste Heizlastabschätzung und die Grobplanung bilden die Basis für das Angebot. Der zentrale Fördermechanismus ist der BEG-Zuschuss über die KfW, der ein registriertes Fachunternehmen oder eine in der Energieeffizienz-Expertenliste geführte Person sowie die Bestätigung zum Antrag (BzA) voraussetzt. Ein häufiger Stolperstein für den Zuschuss liegt im Vertragszeitpunkt: Der Auftrag muss unter dem Vorbehalt der Förderzusage stehen, da ein vorzeitiger Abschluss als Vorhabenbeginn gilt und den Zuschuss ausschließt.
3. Detailplanung
Grundlage der Detailplanung ist die raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831, die zugleich Voraussetzung für den hydraulischen Abgleich und die BEG-Förderung ist. Die Ausführungsplanung orientiert sich an der VDI 4645, während die Elektroplanung den Vorgaben nach VDE-AR-N 4100 und den technischen Anschlussbedingungen folgt. Entscheidend ist, dass sich SHK, Elektro sowie Tief- und Gartenbau frühzeitig abstimmen, denn viele Arbeitsschritte hängen zeitlich voneinander ab.
4. Ausführung
In der Ausführungsphase folgen die Demontage der Altanlage, Fundament- und Erdarbeiten, die Gerätemontage, die Verrohrung und der hydraulische Abgleich. Die Qualifikationsanforderungen sind hier zu beachten, denn Arbeiten am Kältekreis von Split-Geräten setzen einen gültigen Kälteschein voraus. Der Umgang mit dem Kältemittel Propan erfordert eine Zertifizierung nach der EU-F-Gase-Verordnung 2024/573, und Eingriffe am Zählerschrank bleiben konzessionierten Elektrofachbetrieben vorbehalten.
5. Inbetriebnahme
Bei der Inbetriebnahme werden Dichtheit und Funktionen geprüft sowie die Parametrierung durchgeführt. Anschließend werden die Nutzenden eingewiesen und sämtliche Unterlagen übergeben. Für die Auszahlung des BEG-Zuschusses ist die Bestätigung nach Durchführung (BnD) erforderlich.
6. Wartung und Optimierung
Gesetzlich vorgeschriebene Wartungsintervalle gibt es für Wärmepumpen nicht. Dennoch empfiehlt sich eine regelmäßige Kontrolle, um die Effizienz der Anlage dauerhaft zu sichern. In vielen Fällen ist eine dokumentierte Wartung zudem Voraussetzung für den Erhalt der Herstellergarantie.
Netzdienlichkeit und Steuerbarkeit als Pflicht
Für die Förderfähigkeit spielt die Einbindung ins Stromnetz eine wachsende Rolle. Geförderte Wärmepumpen müssen an ein zertifiziertes Smart-Meter-Gateway anschließbar sein und über eine netzdienliche Schnittstelle nach SG Ready oder VHP Ready verfügen. Ab einer elektrischen Leistung von 4,2 Kilowatt greift zudem die Regelung zur netzorientierten Steuerung nach §14a des Energiewirtschaftsgesetzes.
Weiterführende Informationen
Weitere Informationen zum Projektablauf beim Wärmepumpeneinbau im Bestand finden sich im Artikel „Wärmepumpen-Realisierung im Überblick: Akteure, Schnittstellen, Projektablauf“. Hier finden sich zudem hilfreiche Leitfäden und Tool-Tipps.