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5 Erstes Beratungsgespräch und Datenaufnahme vor Ort

Stand: Juli 2026

Texte aktualisiert, Grafiken/Bilder noch nicht! Link zur Vertrags-Checkliste fehlt! Link zum Leitfaden „Kommunikation in der Energieberatung“ fehlt!

5.1 Gesprächskonzept

Im Gespräch skizzieren Sie gemeinsam mit den Hauseigentümerinnen und -eigentümern eine Vision von ihrem Haus in der Zukunft und erarbeiten gemeinsam erste denkbare Effizienzmaßnahmen. Zur Unterstützung steht Ihnen die Blankofahrplanseite als Download auf der Webseite des Gebäudeforum zur Verfügung, um darin gemeinsam mit den Hauseigentümerinnen und -eigentümern erste Ideen für die Sanierungsschritte und Ziele des iSFP festzuhalten. Dabei können Sie sich an den folgenden Fragen orientieren, um die möglichen Schritte einzugrenzen:

  • Welche Maßnahmen planen die Eigentümerinnen bzw. Eigentümer ohnehin auszuführen?
  • An welchen Maßnahmen haben sie besonders hohes Interesse und warum?
  • Gibt es Maßnahmen, die zeitlich unabhängig durchgeführt werden können? (z.B. unterliegt die Dämmung der Kellerdecke keinem Nutzungszyklus.) Solche Maßnahmen könnten bereits im ersten Schritt umgesetzt werden.
  • Gibt es Maßnahmen, die zu erheblichen Energieeinsparungen bei niedrigen Investitionskosten führen? Diese Maßnahmen sollten vorzugsweise im ersten Schritt realisiert werden.
  • Beklagen sich die Hauseigentümerinnen bzw. Hauseigentümer über bestimmte Komfortmängel, zum Beispiel Zugluft oder Sommerhitze? Maßnahmen, die den Komfort deutlich steigern, sollten möglichst in einem der ersten Schritte umgesetzt werden.
  • Gibt es Bauteile, die in naher Zukunft ohnehin instandgehalten oder ausgetauscht werden müssen? Es ist sinnvoller und kostengünstiger, Effizienzmaßnahmen zusammen mit anstehenden Instandhaltungen durchzuführen.
  • Wann werden Bauteile in Zukunft das Ende ihrer Nutzungsdauer erreichen? In der Regel kann hier nur ein Zeitraum eingegrenzt (z.B. 2035 bis 2040), nicht aber ein bestimmtes Jahr angegeben werden.
  • Gibt es technische Gründe, eine bestimmte Reihenfolge der Maßnahmen einzuhalten (z.B. erst die Dämmung der Wände, dann die neue Heizungsanlage)?
  • Sollten bestimmte Maßnahmen kombiniert werden (z.B. Dämmung der Wände zusammen mit Austausch der Fenster), um einen hochwertigen Anschluss zwischen den Komponenten zu ermöglichen?
  • Sind gesetzliche Tauschpflichten oder Einbaupflichten zu berücksichtigen?
  • Können die Hauseigentümerinnen und -eigentümer schon Ereignisse in ihrem persönlichen Leben absehen, bei deren Eintritt eine Sanierungsmaßnahme besonders günstig oder ungünstig ist (z.B. Renteneintritt, Auszahlung einer Lebensversicherung)? 

Bitte schätzen Sie für jeden Sanierungsschritt einen geeigneten Zeitraum oder Zeitpunkt für die Umsetzung. Dies kann entweder ein festes Jahr (z.B. 2028), ein Zeitraum (z.B. 2030 bis 2035) oder ein bestimmter Auslöser sein (z.B. „wenn der Kessel ausgetauscht werden muss“, „wenn die Kinder ausziehen“). Diese Umsetzungsfristen sind wichtig, um einen Überblick über anstehende Maßnahmen und deren Reihenfolge zu erhalten. Der Zeitplan ermöglicht es Ihnen auch, zu entscheiden, ob Maßnahmen, die zeitlich nah beieinanderliegen, kombiniert werden können.

Anhand der technischen Lebensdauer und individueller Wünsche können Sie die beste Reihenfolge der Sanierungsschritte festlegen und so eine langfristige Strategie aufbauen. Alle Sanierungsschritte müssen mit den Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümern besprochen werden, um ihre Akzeptanz zu sichern – es soll ihr Plan für die Zukunft werden. Sie als Beraterin oder Berater verfügen jedoch über tieferes technisches Wissen sowie über die Erfahrung, Zusammenhänge einzuschätzen, und können so beratend Einfluss nehmen. Dementsprechend können Sie den Gebäudeeigentümerinnen bzw. -eigentümern die Gründe erklären, warum Sie eine bestimmte Reihenfolge der Sanierungsschritte vorschlagen. Nutzen Sie das persönliche Gespräch auch dazu, den zusätzlichen Nutzen einer Gebäudemodernisierung anzusprechen. Nennen Sie die Vorteile direkt im Zusammenhang mit der vorgeschlagenen Sanierungsmaßnahme. Im nicht energetischen Nutzen (z.B. der Steigerung der Wohnqualität) wird sehr oft der Mehrwert für Gebäude und ihre Nutzerinnen und Nutzer erkannt. Er bietet somit ein hohes Potenzial dafür, dass sich Hauseigentümerinnen und -eigentümer für eine Modernisierung entscheiden.

🔔 Hinweis

Stimmen Sie den Leistungsumfang Ihres Auftrags mit den Hauseigentümerinnen und -eigentümern ab und halten sie ihn schriftlich fest. Als Unterstützung zur Erstellung eines Vertrages über die Leistungen der Energieberatung bietet die Webseite der Energieeffizienz-Expertenliste eine Checkliste zum Download an.

Blankofahrplan für das Beratungsgespräch

🔍 Exkurs

Tipps für das Gespräch mit den Hauseigentümerinnen und -eigentümern

Im Rahmen des vom BMU/UBA geförderten Projekts „Eine Million Einstiege in den individuellen Sanierungsfahrplan“ (2015–2017) fand unter anderem eine Befragung von privaten Hauseigentümerinnen und -Eigentümern statt. Es ging um den Kontakt mit Energieberaterinnen oder -beratern, um die Kommunikation und um die Ermittlung individueller Bedürfnisse. Dieser Exkurs hebt einige Ergebnisse des Projekts hervor und soll Ihnen als Unterstützung bei der Gesprächsführung und der Erstellung des iSFP dienen.

Grundstein für den Erfolg der Beratung

Viele Hauseigentümerinnen und -eigentümer wissen nicht, was sie bei einer Energieberatung erwartet. Damit Sie als vertrauenswürdige Ansprechperson wahrgenommen werden, sollten Sie Folgendes beachten:

  • Neutralität: Einige Hauseigentümerinnen und -eigentümer unterstellen Energieberaterinnen und -beratern grundsätzlich eine gewisse Befangenheit. Entkräften Sie dies durch differenzierte Erläuterungen und Zurückhaltung. Erklären Sie kurz, was Sie machen und was die Eigentümerinnen und Eigentümer erwarten können.
  • Empathisches und offenes Auftreten: Die Bedürfnisse der Eigentümerinnen und Eigentümer stehen im Mittelpunkt.
  • Akzeptanz und positive Beachtung: Eigentümerinnen und Eigentümer wünschen sich ein Gespräch auf Augenhöhe und möchten nicht als Laien übertrumpft werden.

Ihre Aufgabe als Beraterin oder Berater ist es nicht, die Hauseigentümerinnen und -eigentümer zu überzeugen. Vielmehr helfen Sie ihnen, sich selbst entscheiden zu können. Sie liefern ihnen mit dem iSFP ein Handwerkszeug, das ihnen Orientierung bietet.

Wünsche und Bedürfnisse im Mittelpunkt

Wenn sich Hauseigentümerinnen und -eigentümer für eine Energieberatung entscheiden, sind sie vom grundsätzlichen Sinn einer energetischen Sanierung meistens bereits überzeugt. Eine langfristig motivierende Beratung erfordert es, die tatsächlichen Ziele und Motive der Hauseigentümerinnen und -eigentümer zu verstehen.

Versuchen Sie deshalb, die nicht energetischen Sanierungsziele wie Umbau, Ausbau, Komfort und Ästhetik herauszufinden und zu adressieren, um in diese Themenfelder dann energetische Aspekte integrieren zu können – und nicht umgekehrt.

Auch versteckte Motive, die bislang ein Hinderungsgrund für eine Sanierung waren, beispielsweise eine geplante teure Reise oder gar Ängste wie vor Dreck durch Bauarbeiten, können wichtig sein und sollten Teil des Gesprächs werden.

Vertrauen aufbauen und langfristig motivieren

Der passende Gesprächseinstieg kann Ihnen dabei helfen, von Anfang an Vertrauen aufzubauen und zu verstehen, wie die Hauseigentümerinnen und -eigentümer leben. Lassen Sie sie ihre Geschichte zum Haus erzählen. Daraus lassen sich Motive und Hemmnisse in Bezug auf eine Sanierung ableiten.

Übergeordnetes Ziel des iSFP ist es, Hauseigentümerinnen und -eigentümer dahingehend zu motivieren, ihr Gebäude langfristig zu einem möglichst klimaneutralen Effizienzhaus zu sanieren. Sie als Energieberaterin oder Energieberater haben hier eine Schlüsselrolle inne. Die Aufnahme technischer Details oder die korrekte Berechnung von Empfehlungen sind dabei natürlich nicht zu vernachlässigen, stehen aber im Austausch mit den Eigentümern nicht zwingend im Mittelpunkt. Laden Sie die Eigentümer ein, durch weitere Informationen neue Perspektiven in Betracht zu ziehen.

Argumente für einen iSFP

Für den Sanierungsfahrplan sprechen einige Argumente, die für viele Sanierende attraktiv sind:

  • „Mit dem iSFP bekommen Sie einen Eindruck davon, was auf Sie zukommt.“

Der iSFP kommt dem Bedürfnis nach Planbarkeit und Sicherheit von Hauseigentümern entgegen.

  • „Der iSFP hilft Ihnen, auf Augenhöhe mit Handwerkern und Bauunternehmen Ihre Wünsche umzusetzen.“

Hauseigentümern ist es wichtig, trotz hoher technischer Komplexität die Entscheidungsautonomie bei der energetischen Sanierung zu behalten. Der iSFP ist ein Werkzeug, das Eigentümer in die Lage versetzt, selbst zu entscheiden.

  • „Mit dem iSFP begleite ich Sie vertrauensvoll und unterstütze Sie – von der ersten Idee bis zum letzten Schritt.“

Ein positiver Nebeneffekt: Die Langfristigkeit eines iSFP für eine Schritt-für-Schritt-Sanierung bietet Ihnen die Möglichkeit der Kundenbindung. Zudem sprechen Sie das wichtige Bedürfnis nach Prozessbegleitung an.

Tipps und Empfehlungen für die Zusammenarbeit mit Hauseigentümerinnen und -eigentümern bietet der Leitfaden „Kommunikation in der Energieberatung“ auf der Webseite des Gebäudeforums.

5.2 Datenaufnahme

Für die Erstellung des iSFP sind die umfassende Bestandsaufnahme des Gebäudes sowie die Erfassung der aktuellen und absehbaren künftigen individuellen Wünsche und Bedürfnisse der Eigentümerinnen und Eigentümer Ausgangpunkt der Beratung.

Die Aufnahme der relevanten Daten für die Berechnung der energetischen Qualität des Gebäudes ist – wie auch bei anderen Energieberatungen – die Grundlage der gesamten Gebäudebilanzierung. Beachten Sie die folgenden Hinweise, um die Qualität der iSFP-Aussagen sicherzustellen:

  • Nehmen Sie die Daten zum Gebäude und zur Anlagentechnik sowie die wichtigsten Aspekte zum Gebäudezustand und zu den Wünschen und Vorstellungen der Hauseigentümerinnen und -eigentümer vor Ort auf. Hilfestellung geben Ihnen dabei die „iSFP Checkliste Datenaufnahme“ und die iSFP-Blankofahrplanseite auf der Webseite des Gebäudeforums. Die Checkliste steht als ausfüllbare PDF-Version zum Ausdrucken und zum Bearbeiten auf Tablet oder PC zur Verfügung.
  • Nehmen Sie alle Daten sorgfältig auf, beachten Sie, dass Sie die Bauteile der Gebäudehülle und der Anlagentechnik zur Erstellung des iSFP detailliert berechnen und beschreiben müssen.
  • Beachten Sie die Liste der technischen FAQ der BEG schon bei der Datenaufnahme. Den Link zu der Liste der technischen FAQ der BEG finden Sie auf dieser Webseite des BMWE, ebenso wie Antworten auf häufig gestellte Fragen zur BEG (FAQ).
  • Dokumentieren Sie mit Fotos den Ausgangszustand des Gebäudes (mindestens alle Gebäudefronten) sowie besondere bauliche Ausgangsbedingungen und Details und die vorhandene Anlagentechnik.

Wenn Ihnen beim Rundgang durch das Gebäude weitere – nicht energierelevante – Schwachstellen auffallen, sollten Sie die Hauseigentümerinnen und -eigentümer darauf hinweisen, damit sie weitere geeignete Sachverständige zur Beurteilung heranziehen können. Damit erhalten die Hauseigentümerinnen und -eigentümer erste Hinweise auf eventuell zusätzlich anstehenden Handlungsbedarf und gegebenenfalls damit verbundene Mehrkosten. Haben Sie beim Rundgang auch ein Augenmerk auf energetische und nicht energetische Aspekte – insbesondere Letztere sind oft der Sanierungsanlass. Auch hierbei kann Ihnen die „iSFP Checkliste Datenaufnahme“ eine Orientierung geben. Die „iSFP Checkliste Datenaufnahme“ finden Sie auf der Webseite des Gebäudeforums.

Es wird empfohlen, die Datenaufnahme mit dem ersten Beratungsgespräch zu verbinden. So können Sie sich vor Ort einen umfangreichen Eindruck vom Gebäude verschaffen und auch gleich in den Austausch mit Eigentümerinnen und Eigentümern gehen. Es schafft Vertrauen, wenn Sie sich das Gebäude persönlich ansehen.

Vorheriges Kapitel

Kapitel 4: Kontaktaufnahme und Vorbereitung auf das Gespräch vor Ort

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Nächstes Kapitel

Kapitel 6: Erfassung des energetischen Istzustands

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