Kaiserslautern: Vom Fabrikgelände zum Klimaquartier
Stand: Juli 2026Newsletter
Wo früher Nähmaschinen vom Band liefen, entsteht heute ein klimaneutrales Stadtquartier. Das Reallabor EnStadt:Pfaff liefert Erkenntnisse, von denen auch andere Kommunen profitieren.
150 Jahre lang produzierte das Traditionsunternehmen Pfaff auf dem Gelände nahe des Stadtzentrums Kaiserslauterns Nähmaschinen. Nach der Insolvenz setzten Vandalismus, Brände und Witterung den Gebäuden massiv zu. Heute bietet das 19 Hektar große Areal ein anderes Bild: Vier modernisierte Bestandsgebäude sind bereits in Betrieb, die Neubebauung ist gestartet. Entstehen soll ein gemischtes Quartier, in dem Wohnen, Dienstleistung und Gewerbe nebeneinander Platz finden – und das bis 2029 klimaneutral sein soll.
Ein Stadtquartier als Experimentierfeld
Möglich machte den Wandel das Reallabor EnStadt:Pfaff. Von 2017 bis Ende 2024 erprobte die Stadt Kaiserslautern gemeinsam mit sieben Partnern, wie sich ein klimaneutrales Quartier in der Praxis realisieren lässt – nicht am Reißbrett, sondern direkt auf dem Gelände. Die wissenschaftliche Leitung lag beim Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE. Ein Anschlussvorhaben begleitet die Umsetzung noch bis 2027 und prüft per Monitoring, ob die Klimaziele tatsächlich erreicht werden.
Wärme aus dem Rücklauf, Strom aus der Fassade
Herzstück der Versorgung ist eine Energiezentrale, die das Quartier über ein Niedertemperatur-Wärmenetz mit rund 65 °C Vorlauftemperatur beliefert. Gespeist wird das Netz primär aus dem Rücklauf der städtischen Fernwärme – aus Wärme also, die sonst ungenutzt zurückfließen würde. Zusätzlich speisen Kältemaschinen auf dem Dach der Energiezentrale ihre Abwärme ins Netz ein.
Beim Strom sieht der Bebauungsplan PV-Anlagen kombiniert mit einer Begrünung auf den Dächern vor. Die Anlagen decken knapp 40 Prozent des jährlichen Strombedarfs des Quartiers. Wie sich Photovoltaik gestalterisch integrieren lässt, zeigt die Energiezentrale selbst: Ihre Fassade trägt rote PV-Module mit MorphoColor-Beschichtung. Der Ertrag farbiger Module liegt in der Regel 30 Prozent unter dem schwarzer Referenzmodule – in diesem Fall ist der Leistungsverlust dank innovativer Technologie nur bei sieben Prozent. Der Kubus im typischen „Pfaff-Rot" fügt sich so optimal in das denkmalgeschützte Umfeld ein.
Energieplanung frühzeitig integrieren
Eine der zentralen Erkenntnisse des Projekts: Klimaschutz-Innovationen im Quartier gelingen, wenn die Energieplanung früh in die kommunale Planungsebene integriert wird – der Standort einer Energiezentrale etwa sollte frühzeitig im Bebauungsplan gesichert werden. Wer die Ergebnisse erleben will, kann das vor Ort: Ein Reallabor-Zentrum zeigt die Schritte zur Quartiersentwicklung in einer interaktiven Ausstellung, ein Besucherpfad mit Audioguide führt durch das Quartier.
Weiterführende Informationen
Weitere Informationen finden sich auf der Website des Forschungsprojekts EnPfaff:Stadt:
PFAFF QUARTIER KLIMANEUTRAL: Das Forschungsprojekt EnStadt:Pfaff