Elektrifiziert und digital: Effiziente Gebäude
Stand: Juli 2026Newsletter
Eine neue Studie des Fraunhofer ISI im Auftrag des Verbands der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) beziffert ganzheitlich, wie viel Elektrifizierung und Digitalisierung einsparen – und was das für die Betriebskosten bedeutet.
Der Gebäudesektor steht für rund 35 Prozent des deutschen Endenergieverbrauchs. Wie hoch das Einsparpotenzial dank elektrischer und digitaler Technologien sein kann, hat das Fraunhofer ISI berechnet. Betrachtet wurden die Bereiche Wärmeerzeugung, Warmwasserbereitung, Beleuchtung, Lüftung, Photovoltaik und Batteriespeicher sowie Elektromobilität. Das zentrale Ergebnis: Im Best-Case sinkt der Endenergiebedarf eines Gebäudes gegenüber dem konventionellen Bestandsbetrieb je nach Typ um bis zu 69 Prozent. Am stärksten ist der Einspareffekt in Einfamilienhäusern (69 Prozent), gefolgt von Mehrfamilienhäusern (67 Prozent), Bürogebäuden (57 Prozent) und Produktionsgebäuden (52 Prozent).
Wärmepumpe und intelligente Steuerung als zentrale Hebel
Die größten Einsparpotenziale bietet der Wechsel zur Wärmepumpe. Darüber hinaus kann ein intelligentes Energiemanagementsystem (Smart Energy Management System, SEMS) Verbräuche in Zeiten eigener Stromerzeugung verschieben und im Einfamilienhaus den PV-Eigenverbrauch von 36 auf 68 Prozent nahezu verdoppeln. Ein wesentlicher Treiber ist das bidirektionale Laden: Das Elektrofahrzeug dient als zusätzlicher Speicher, der PV-Strom zwischenpuffert, statt ihn ins Netz einzuspeisen.
Wirkung auf die Betriebskosten
Weniger Energieverbrauch bedeutet auch geringere Kosten. Elektrifizierungs- und Digitalisierungsmaßnahmen senken die laufenden Ausgaben spürbar. Die Studie beziffert die jährliche Betriebskosteneinsparung bei Umsetzung der empfohlenen Maßnahmen je nach Gebäudetyp:
- Einfamilienhaus: rund 2.360 Euro
- Mehrfamilienhaus: rund 8.130 Euro
- Bürogebäude: rund 18.030 Euro
- Produktionsgebäude: rund 28.530 Euro
Frühzeitige und vorbereitende Installation rechnet sich
Hausbesitzende stellen sich oft die Frage, ab wann sich hohe Anfangsinvestitionen amortisieren. Dabei spielt eine zentrale Rolle, ob sie sich eine sofortige Vollausstattung entscheiden oder später nachrüsten. Die Studie hat das für einen Zeitraum von 20 Jahren durchgerechnet, jeweils ausgehend von einem Neubau oder im Bestand von einer Kernsanierung auf Effizienzklasse A. Wärmepumpe und Elektrofahrzeug sind dabei in allen Szenarien von Beginn an eingeplant. Unterschiedlich ist nur, wann PV-Anlage, Batteriespeicher, Ladeinfrastruktur und Energiemanagement hinzukommen. Verglichen werden drei Wege: die vollständige Integration ab Tag eins, eine nach zehn Jahren nachgerüstete Ausstattung mit baulicher Vorbereitung (Leerrohre, Platzreserven im Sicherungskasten, vorkonfektionierte Anschlüsse) sowie eine ebenfalls spätere, aber gänzlich unvorbereitete Nachrüstung.
Das Ergebnis ist eindeutig: Die frühzeitige Vollintegration ist über den Lebenszyklus die günstigste Variante. Beim Einfamilienhaus stehen rund 69.000 Euro Gesamtkosten über 20 Jahre (sofortige Integration) gegenüber rund 97.000 Euro (vorbereitete Nachrüstung) und 111.000 Euro (unvorbereitete Nachrüstung). Für Mehrfamilien- und Bürogebäude fällt das Bild ähnlich aus: Die höheren Anfangskosten der Vollausstattung werden über die eingesparten Betriebskosten im Betrachtungszeitraum mehr als ausgeglichen. Betriebswirtschaftlich ist der frühe Vollausbau die rationale Wahl. Außerdem gilt: Wer nicht sofort alles umsetzen kann, sollte zumindest die baulichen Voraussetzungen schaffen – das kostet vergleichsweise wenig und senkt die späteren Nachrüstkosten erheblich.
Download der Studie
Weitere Informationen finden sich in der Studie „Einsparpotenziale elektrischer und digitaler Technologien im Gebäude“ des Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI im Auftrag des ZVEI:
Einsparpotenziale elektrischer und digitaler Technologien im Gebäude
Die Studie quantifiziert systematisch die Einsparpotenziale elektrischer und digitaler Technologien im Gebäudesektor – auf drei Ebenen: Einzelgebäude, Gebäudebestand und Wirtschaftlichkeit im Lebenszyklus.
DEEP-Demonstrator: Energieeffizienz sichtbar gemacht
Zu ähnlichen Ergebnissen wie die Fraunhofer-Studie kommt das Kompetenzzentrum Energieeffizienz durch Digitalisierung (KEDi): Der Demonstrator DEEP (Demonstrator Energie-Effizienz-Potenziale) zeigt anschaulich, welche energetischen Effekte unterschiedliche Sanierungsszenarien haben. Kern ist ein Klemmbaustein-Modell eines Mehrfamilienhauses, gekoppelt an ein interaktives Dashboard – wer sich für eine Sanierungsmaßnahme entscheidet, sieht ihre Auswirkung unmittelbar. Neben dem haptischen Modell steht eine frei zugängliche Online-Version bereit.
ZVEI e.V.: Netzwerkpartner des Gebäudeforums klimaneutral
Der ZVEI e.V. Verband der Elektro- und Digitalindustrie setzt sich dafür ein, dass der Gebäudebestand der Zukunft dank moderner Technologien sowie umfassender Elektrifizierung, Digitalisierung und Vernetzung klimaneutral ist.