Ariadne-Report: Wärmewende mit sozialer Schlagseite
Stand: Juli 2025
Steigende Kosten, ungleiche Lasten: Eine neue Erhebung des Ariadne-Projekts zeigt, wie stark Sanierungsraten und Heizkosten vom Einkommen abhängen – und dass Haushalte mit Wärmepumpe im Schnitt günstiger heizen.
Das Kopernikus-Projekt Ariadne hat zum vierten Mal in Folge rund 15.000 repräsentativ ausgewählte Haushalte zu ihrer Wohn- und Heizsituation befragt. Ziel der jährlichen Erhebung ist eine Zwischenbilanz zum aktuellen Stand der Wärmewende. Zentrale Ergebnisse:
Sanierungsrate steigt mit Einkommen
Die Sanierungsrate in Eigenheimen liegt 2024 bei 1,1 Prozent – und damit unter der 2-Prozent-Quote, die zum Erreichen der Klimaziele notwendig ist, aber über dem für alle Gebäude durch die Branche erhobenem Wert von 0,69 Prozent (Quelle: BuVEG). Deutlich wird dabei: Wer mehr verdient, saniert häufiger.
Bei Haushalten mit einem monatlichen Nettoeinkommen unter 1.700 Euro liegt die Sanierungsrate bei nur 0,5 Prozent. Bei Haushalten, die monatlich mehr als 3.200 Euro netto zur Verfügung haben, beträgt sie hingegen 1,3 Prozent – und ist damit mehr als doppelt so hoch. Als Hauptgründe nennt die Studie die hohen Kosten und den bürokratischen Aufwand bei Förderanträgen.
Geringere Heizkosten bei Wärmepumpen
Die Heizkostenbelastung ist anhaltend hoch: Die durchschnittlichen Kosten liegen 2024 bei ca. 1.800 Euro – rund 200 Euro mehr als im Vorjahr. Allerdings unterscheiden sich die jährlichen Kosten stark nach Heiztechnologie:
- Wärmepumpen: 13,80 Euro/m2
- Gasheizung: 16,90 Euro/m2
- Fernwärme: 20,60 Euro/m2
- Durchschnitt aller Heizungsarten: 17,70 Euro/m2
Diese Differenzen summieren sich auf mehrere Hundert Euro – ein erheblicher finanzieller Unterschied. Zu beachten ist jedoch auch: Wärmepumpen kommen überwiegend in effizienteren Häusern zum Einsatz. In Häusern ab Baujahr 2016 beträgt ihr Anteil 43 Prozent, in Gebäuden mit Baujahr bis 2001 unter 5 Prozent.
Heizkosten ungleich verteilt
Auch bei der Heizkostenbelastung zeigen sich große soziale Unterschiede. Haushalte mit weniger als 1.700 Euro Nettoeinkommen im Monat zahlen im Schnitt 20,30 Euro Heizkosten pro Quadratmeter und geben damit etwa 9 Prozent ihres Einkommens für Wärme aus. Bei Haushalten mit einem Einkommen ab 5.700 Euro netto belaufen sich die Kosten auf nur 16 Euro pro Quadratmeter – was 3 Prozent ihres Einkommens entspricht.
Der Hintergrund: Menschen mit höherem Einkommen wohnen in der Regel in neueren und effizienteren Gebäuden. Die ungleichen Sanierungsraten verstärken diesen Effekt weiter.
Kostenbelastung senkt Zustimmung zu CO2-Preis
Als Gradmesser für die Akzeptanz der Wärmewende zeigt die Studie: je höher die Heizkostenbelastung, desto geringer die Unterstützung des CO2-Preises. Die Zustimmung zur Abgabe ist seit der Einführung im Jahr 2021 von 44 auf 35 Prozent gefallen. In Haushalten, die weniger als 2,5 Prozent des Einkommens für das Heizen aufwenden, befürwortet rund die Hälfte die CO2-Abgabe. Liegt die Belastung bei mehr als 10 Prozent des Einkommens, sinkt die Zustimmung auf etwa ein Viertel.
Download des Reports
Mehr Informationen finden sich in dem Ariadne-Report „Fokusreport Wärme und Wohnen: Zentrale Ergebnisse aus dem Ariadne Wärme- & Wohnen-Panel 2024“.