Hitzerekorde: Jedes zweite Gebäude nicht vorbereitet
Stand: Juli 2026Newsletter
Deutschland hat gerade neue Hitzerekorde erlebt – und die Hälfte der Menschen weiß, dass ihr Zuhause solchen Extremen nicht gewachsen ist. Das zeigt eine neue Umfrage.
Die Hitzewelle dieses Sommers hat Deutschland einen neuen Allzeitrekord beschert. Sie trifft auf einen Gebäudebestand, dem die Menschen wenig zutrauen: 50,8 Prozent der Deutschen halten ihr Zuhause für nicht geeignet, mit Hitzewellen umzugehen. Bemerkenswert dabei: In Deutschland ist die Besorgnis ähnlich hoch wie in südeuropäischen Ländern wie Italien (48,9 Prozent). Das zeigt der „Citizens' Survey: Healthy Buildings, Healthy Lives" von BPIE und VELUX, für den mehr als 6.000 Menschen in sechs europäischen Ländern befragt wurden. Ein zentrales Fazit: In Sachen Klimaresilienz haben Gebäude flächendeckend in ganz Europa Nachholbedarf.
Gerade bei Hitze steht dabei viel auf dem Spiel: Überhitzte Wohnungen, die nachts nicht mehr abkühlen, belasten Herz-Kreislauf-System sowie Schlaf und treffen ältere sowie chronisch kranke Menschen besonders hart. Sommerlicher Wärmeschutz im Bestand ist damit nicht zuletzt eine Frage der Gesundheitsvorsorge.
Was sind gesunde Gebäude?
Gesunde Gebäude sind mehr als Schutz vor Hitze. Der Bericht definiert fünf Dimensionen: ein gesundes Innenraumklima für körperliches und seelisches Wohlbefinden, eine am Menschen orientierte Planung, nachhaltige Errichtung und Bewirtschaftung über den gesamten Lebenszyklus, Resilienz gegenüber dem Klimawandel sowie die Befähigung der Nutzenden durch Wissen. Neben der Temperatur zählen damit auch Luftqualität, Lüftung, Tageslicht, Lärmbelastung und Feuchte zu den Kriterien eines gesunden Gebäudes.
Mehr Mittel für gesunde Gebäude gefordert
Dabei mangelt es nicht an Zustimmung zu gesunderen Gebäuden: 65,4 Prozent der Deutschen befürworten zusätzliche öffentliche Mittel für gesündere Gebäudesanierungen – einer der höchsten Werte im Ländervergleich. Doch zugleich ist Wissen dazu nicht ausreichend verbreitet. So kennen mehr als drei Viertel der Befragten keinerlei Regelwerke oder Standards für gesunde Gebäude. Hinzu kommt eine deutsche Besonderheit: 48,2 Prozent leben in Mietwohnungen, der höchste Anteil aller befragten Länder. Wer zur Miete wohnt, kann bauliche Verbesserungen meist nicht selbst umsetzen.
Die Umfrage belegt darüber hinaus die starke Bindung vieler Menschen an ihr Zuhause. Europaweit würden 44 Prozent der Befragten nicht in eine andere Wohnung oder ein anderes Viertel ziehen – selbst dann nicht, wenn es dort gesünder wäre. Umso wichtiger ist es, mit energetischen Sanierungen im Bestand ein besseres Wohnumfeld zu ermöglichen.
Sommerlichen Hitzeschutz forcieren
Für die Praxis heißt das: Sommerlicher Wärmeschutz rückt bei Neubau wie Sanierung immer mehr ins Zentrum. Verschattung, Nachtlüftung und passive Kühlkonzepte werden zum Beratungs- und Planungsthema ersten Ranges. Denn anders als nachgerüstete Klimaanlagen kühlen passive Maßnahmen den Innenraum, ohne die Umgebung weiter aufzuheizen. Klimageräte geben ihre Abwärme nach außen ab und verschärfen so gerade in dicht bebauten Städten den Wärmeinseleffekt – ein Argument mehr, am Gebäude selbst anzusetzen. Und die große Informationslücke ist ein klarer Auftrag an Energieberatung und Fachbetriebe: Wer Eigentümerinnen und Eigentümern sowie der Wohnungswirtschaft wirksame Maßnahmen aufzeigt, trifft auf große Nachfrage.
Weiterführende Informationen
Mehr Informationen auch zu anderen gesundheitlichen Aspekten von Gebäuden finden sich in der Studie „Citizens' Survey: Healthy Buildings, Healthy Lives" (englisch) von BPIE und VELUX:
BPIE: Healthy Buildings, Healthy Lives – Understanding citizens’ perceptions across Europe
BPIE: Netzwerkpartner des Gebäudeforums klimaneutral
Das BPIE – Buildings Performance Institute Europe ist ein gemeinnütziger europäischer Thinktank, der mittels unabhängiger Analysen und Datenerhebungen Forschungsbeiträge für einen klimaneutralen Gebäudebestand leistet und in die politische Debatte auf EU-Ebene sowie in den europäischen Mitgliedsländern einspeist. BPIE hat seinen Hauptsitz in Brüssel und unterhält seit 2014 auch ein Büro in Berlin.