Energetische Sanierung in WEGs: Umfrageergebnisse 2025
Stand: Januar 2026
Wohnungseigentümergemeinschaften (WEGs) verwalten rund 21,5 Prozent aller Wohnungen in Deutschland. Ein großer Teil des Gebäudebestands befindet sich damit in einer Eigentumsstruktur, die sich deutlich von Einzeleigentum oder dem Besitz durch Wohnungsunternehmen unterscheidet. Entscheidungen zu energetischen Sanierungen müssen innerhalb von WEGs gemeinschaftlich getroffen werden und sind häufig mit komplexen Abstimmungs- und Finanzierungsprozessen verbunden.
Vor diesem Hintergrund hat das dena-Projekt „Energetische Modernisierung in Wohnungseigentümergemeinschaften” vom 16.09.2025 bis 21.09.2025 eine repräsentative YouGov-Umfrage unter 511 Eigentümerinnen und -Eigentümern in WEGs zu ihren Einstellungen, Planungen und Ihrem Informationsbedarf in Bezug auf energetische Modernisierungen sowie zu finanziellen Fragestellungen durchgeführt.
Die Umfrageergebnisse geben Einblicke in die Ausgangslage, Einstellungen und Planungen von Eigentümerinnen und -Eigentümern in WEGs im Hinblick auf energetische Sanierungen. Abgefragt wurden unter anderem die Struktur der WEGs, der energetische Zustand der Gebäude, der Stand umgesetzter und geplanter Maßnahmen sowie wahrgenommene Hürden und Informationsbedarfe.
Struktur und Ausgangslage der befragten WEGs
Rund 51 Prozent der Wohnungen in WEGs werden von privaten Eigentümerinnen und Eigentümern vermietet. Etwas weniger als die Hälfte der Wohnungen wird von den WEG-Mitgliedern selbst bewohnt. Damit vereinen WEGs sowohl selbstnutzende als auch vermietende Eigentümerinnen und Eigentümer innerhalb einer gemeinsamen Entscheidungsstruktur.
Die Verbreitung von WEGs unterscheidet sich regional deutlich. Eine Bundesland-Karte im Gebäudereport 2026 zeigt, dass nur 7,2 Prozent aller Wohnungen in Brandenburg im Eigentum von WEGs sind, während der Anteil in Baden-Württemberg bei rund 35,4 Prozent liegt.
Entscheidungen zu Investitionen und baulichen Maßnahmen müssen gemeinschaftlich getroffen werden und sind häufig mit erhöhtem Abstimmungs- und Koordinationsaufwand verbunden. Daraus ergeben sich spezifische Herausforderungen für die Planung und Umsetzung energetischer Sanierungen.
Die Mehrheit der befragten WEGs weist eine eher kleine Größenstruktur auf. 60 Prozent der WEGs umfassen zwölf oder weniger Wohnungen, weitere 30 Prozent bestehen aus 13 bis 50 Wohnungen. Größere WEGs mit 50 bis 100 oder mehr Wohnungen stellen mit rund 10 Prozent einen vergleichsweise kleinen Anteil dar.
Die Mehrheit der WEGs verfügt über eine externe Verwaltung. 77 Prozent der Befragten gaben an, professionell verwaltet zu werden. 15 Prozent erklärten, auf eigenen Wunsch selbstverwaltet zu sein. Weitere 5 Prozent sind selbstverwaltet, da keine geeignete WEG-Verwaltung gefunden werden konnte.
Einstellungen, Informationsstand und Umsetzungsbereitschaft
Die Umfrage erfasst zunächst die Heizungsarten der Wohneinheiten in den befragten WEGs. 37 Prozent der Befragten gaben an, über eine Gaszentralheizung zu verfügen. Weitere 19 Prozent nutzen Fernwärme, 11 Prozent eine Gasetagenheizung und ebenfalls 11 Prozent eine Ölheizung. Andere Heizsysteme, darunter Wärmepumpen, kommen jeweils bei 5 Prozent oder weniger der Befragten zum Einsatz. Damit sind die Wohnungen der befragten Eigentümerinnen und Eigentümer ähnlich wie der Gesamtwohnungsbestand in Deutschland stark durch fossile Heizsysteme geprägt.
Im Vergleich zum gesamten Wohnungsbestand wird in den befragten WEGs etwas weniger mit Gas und in geringerem Umfang mit Öl geheizt. Insgesamt zeigen sich bei der Heizungsstruktur keine grundlegenden Abweichungen zu anderen Eigentümergruppen im Gebäudesektor.
Die Umfrage untersucht darüber hinaus Einstellungen der Eigentümerinnen und -Eigentümer in WEGs zu Klimaschutz, Veränderungsbedarf und Kosten energetischer Sanierungen. 52 Prozent der Befragten stimmen der Aussage „Ich finde Klimaschutz wichtig und weiß, dass dafür Änderungen am Gebäude nötig sind“ voll und ganz oder eher zu. 24 Prozent stimmen dieser Aussage eher nicht oder überhaupt nicht zu.
Auch bei der Aussage „Ich mache mir Sorgen wegen der anstehenden Veränderungen“ überwiegt die zustimmende Gruppe. 45 Prozent äußern Zustimmung, 28 Prozent lehnen die Aussage ab. Besonders ausgeprägt ist die Zustimmung bei der Aussage „Ich warte zunächst ab, wie die Situation sich entwickelt“. 65 Prozent der Befragten stimmen dieser Aussage eher oder voll zu. Auch bei der Aussage „Ich befürchte, dass die Kosten mich finanziell überfordern werden“ überwiegt die Zustimmung: 55 Prozent äußern entsprechende Sorgen, während 22 Prozent diese Befürchtung nicht teilen. 19 Prozent zeigen sich unentschieden. Bei der Einschätzung eines möglichen Wohnkomfortgewinns durch energetische Sanierungen stimmen 40 Prozent der Befragten eher oder voll zu, 28 Prozent lehnen die Aussage ab.
Uneinheitlich fallen die Einschätzungen zur Angemessenheit der verfügbaren Förderungen aus. 18 Prozent der Befragten geben an, dies nicht beurteilen zu können. Nur 5 Prozent stimmen voll und ganz zu, dass die Förderungen ausreichend sind. Insgesamt ergibt sich ein heterogenes Meinungsbild ohne klare Mehrheit.
Die Befragung zeigt zudem, dass Initiativen zur energetischen Sanierung nicht ausschließlich von Verwaltungen ausgehen. 48 Prozent der Befragten nennen die WEG-Verwaltung als initiierenden Akteur. Rund ein Drittel gibt an, dass auch Einzeleigentümerinnen und -eigentümer entsprechende Impulse setzen.
Beim Blick auf bereits umgesetzte oder diskutierte Einzelmaßnahmen zeigt sich ein differenziertes Bild. Fenstertausch und Dachdämmung wurden bereits häufiger umgesetzt als der Heizungstausch. Bei vielen Maßnahmen gibt jedoch jeweils knapp die Hälfte der Befragten an, dass diese bislang kein Thema in der WEG waren. Gleichzeitig haben rund fünf Prozent der Befragten bereits einzelne Maßnahmen beschlossen. Bei weiteren fünf bis zehn Prozent – je nach Maßnahme – fanden bereits ausführliche Diskussionen statt, ohne dass ein Beschluss in der Eigentümerversammlung gefasst wurde.
Der Informationsstand zur energetischen Sanierung wird überwiegend als ausbaufähig eingeschätzt. 39 Prozent der Befragten fühlen sich teilweise informiert. Weitere 57 Prozent geben an, teilweise, wenig oder überhaupt nicht informiert zu sein. Damit zeigt sich ein erheblicher Informations- und Beratungsbedarf innerhalb der befragten Wohnungseigentümergemeinschaften.
Ein neues Projekt der Deutschen Energie-Agentur (dena) kommt diesem Bedarf nach. Mit dem WEG-Praxisguide stellt das Gebäudeforum klimaneutral ein umfangreiches Angebot an Informationen und Arbeitshilfen bereit, das Energieberatende, WEG-Verwaltungen sowie Eigentümerinnen und Eigentümer bei der energetischen Sanierung unterstützt. Er enthält praxisorientierte Checklisten, Factsheets, Präsentationen und Vorlagen für wichtige Schritte im Sanierungsprozess. Die Materialien sind verständlich aufbereitet und frei zugänglich verfügbar:
Finanzierung, Rücklagen und Hürden
Die Umfrage zeigt, dass die WEGs hinsichtlich ihrer Rücklagenbildung sehr unterschiedlich aufgestellt sind. Rund ein Viertel der befragten WEGs verfügt nur über minimale Rücklagen. Ebenfalls etwa ein Viertel hat bereits mit dem Aufbau größerer Rücklagen für anstehende Investitionen begonnen. Weitere 19 Prozent planen, ihre Rücklagen gezielt für größere Investitionen zu erhöhen.
Bei der Finanzierung energetischer Sanierungen dominieren die Erhaltungsrücklage, Sonderumlagen sowie staatliche Förderprogramme. Andere Finanzierungsformen wie Kredite, Bausparverträge, Contracting oder sonstige Modelle spielen in den befragten WEGs bislang eine untergeordnete Rolle.
Auch bei der Frage nach wahrgenommenen Hürden bei der Umsetzung energetischer Sanierungen zeigt sich ein klares Bild. Am häufigsten werden hohe Kosten und eine schwierige Finanzierung genannt. 55 Prozent der Befragten sehen hierin ein zentrales Hindernis. Darüber hinaus nennen 41 Prozent ein geringes Interesse oder eine fehlende Motivation innerhalb der WEG als Hemmnis.
Als weitere relevante Herausforderung werden die Abstimmungsprozesse innerhalb der WEG genannt. 36 Prozent der Befragten geben an, dass Entscheidungsfindung und Beschlussfassung eine wesentliche Hürde darstellen. 29 Prozent sehen zudem eine unzureichende Förderung als Hindernis an.
Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass Wohnungseigentümergemeinschaften vor vielfältigen Herausforderungen bei der energetischen Sanierung stehen. Diese sind auf rechtliche, finanzielle und formale Besonderheiten aufgrund der Eigentumsstruktur von WEGs zurückzuführen. Komplexe Entscheidungsstrukturen erschweren zusätzlich die Umsetzung von Maßnahmen.
Aus der Umfrage geht ein grundsätzliches Problembewusstsein innerhalb der befragten WEGs hervor. Der Zusammenhang zwischen der Sanierungsquote und den übergeordneten Zielen hin zu einem klimaneutralen Gebäudesektor wird erkannt. Dem entgegen steht der individuelle Informationsstand, der in Bezug auf energetische Sanierung ausbaufähig ist. Rund die Hälfte der Befragten sieht in energetischen Verbesserungen an ihrem Gebäude zwar das Potenzial einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, während gleichzeitig eine abwartende Position klar erkennbar ist. Dies geht einher mit Befürchtungen und Sorgen, wie die Maßnahmen finanziert werden sollen. Viele WEGs verfügen nur über geringe Rücklagen. Diese Sicht spiegelt sich auch in der finanziellen Vorsorge wider, denn viele WEGs planen eine Erhöhung ihrer Rücklage oder haben bereits mit dem Aufbau für eine anstehende Investition begonnen.
Daraus ergibt sich ein Spannungsfeld, denn die Befragten geben die Erhaltungsrücklage als zentrales Finanzierungsinstrument für eine energetische Sanierung an. Unter den Faktoren, die solchen Maßnahmen bislang entgegenstehen, werden demzufolge vor allem Finanzierungsaspekte genannt. Ferner erschweren ein allgemein als gering wahrgenommenes Interesse an dem Thema sowie schwierige Abstimmungsprozesse die Umsetzung. Das ist darauf zurückzuführen, dass in jeder WEG Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen, Interessen, Lebenssituationen und aus unterschiedlichen Altersgruppen über das Gemeinschaftseigentum entscheiden.
Die Umfrage hat gezeigt, dass es an verschiedenen Stellen einen Nachholbedarf an Informationsvermittlung und Beratungsangeboten gibt. Gut aufbereitete Informationen sind für diese Akteursgruppe besonders wichtig, damit die Entscheidung für eine energetische Sanierung in einer WEG bestandskräftig beschlossen werden kann.