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Zirkuläre Geschäftsmodelle im Bausektor: Struktur, Ansätze und Wirkungsbereiche

Stand: März 2026
Foto, Luftaufnahme dreierGebäude mit PV-Modulen auf dem Dach, die sich um einen kreisrunden Brunnen gruppieren.

Kreislaufwirtschaft und zirkuläre Geschäftsmodelle gewinnen in der Forschung sowie für die praktische Umsetzung an Bedeutung. Mit Hilfe von zirkulären Kreisläufen werden nur minimale Abfallmengen deponiert. Biogene Baustoffe können durch Kompostierung- und Biovergärung in die Biosphäre zurückgeführt werden. Darüber hinaus kann zirkuläres Bauen im Rahmen der EU-weite Renovierungswelle (COM/2020/662) und energetischer Sanierungen einen wesentlichen Beitrag zur Klimaneutralität des Gebäudebereichs leisten.

Ganz konkret wird die Kreislaufwirtschaft Unternehmen helfen, im Einklang mit der EU-Abfallrahmenrichtlinie zu handeln und sowohl Rohstoffkosten als auch Entsorgungs- / Deponiekosten einzusparen – steigende Deponiekosten durch die EU-Deponierichtlinie (1999/31/EG) verstärken diesen Effekt.

Systematischer Ansatz

Kreislaufwirtschaft im Bausektor basiert auf einem systemorientierten Ansatz, der den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes und die Wertschöpfungsketten berücksichtig. Dabei werden Hebel identifiziert, durch die zirkuläre Geschäftsmodelle umgesetzt werden können.

Im Rahmen der Studie „Geschäftsmodelle für zirkuläres Bauen und Sanieren – Die Rolle innovativer Geschäftsmodelle in der Transformation des Bausektors" identifizierte die dena in den Phasen Circular Design, Circular Use und Circular Recovery insgesamt neun zirkuläre Geschäftsmodelle entlang des Gebäude-Lebenszyklus (z.B. Circular Supply, Ressourceneffizientes Bauen, Materialmarktplätze), die Ressourcenpotenziale des Bausektors für die Transformation nutzen und Materialeinsatz minimieren.

Trotz erheblicher Unsicherheiten bei der Integration in bestehende Wertschöpfungsketten zeigen Best-Practice-Beispiele (z.B. Madaster) konkrete Umsetzungspfade. Daneben werden in der Studie aber auch Hemmnisse (z.B. regulatorische Hürden, fehlende Standardisierung) ausgemacht und Hebel (z.B. GRP, Taxonomie) aufgezeigt, wie diese abgebaut werden können.

Studien & Berichte

Geschäftsmodelle für zirkuläres Bauen und Sanieren – Die Rolle innovativer Geschäftsmodelle in der Transformation des Bausektors

Die dena-Studie bietet einen fundierten Einblick in die zirkuläre Transformation des Bausektors und beleuchtet den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden sowie Geschäftsmodelle und Praktiken, die eine zirkuläre Zukunft in der Bauindustrie ermöglichen.

Stand: November 2023

PDF 1 MB barrierefrei

EU-Taxonomie-Verordnung (2020)

Die EU-Taxonomie-Verordnung  macht Kreislauffähigkeit zum „Do No Significant Harm“-Kriterium für nachhaltige Finanzierungen: Lebenszyklusanalysen (LCA), geringe Schadstoffbelastung und hohe Wiederverwendungs- / Recyclingfähigkeit sind entscheidend für Immobilienbewertungen.

Regulatorische Hebel wie Taxonomie, Abfallrahmenrichtlinie und zukünftiger Circular Economy Act schaffen Chancen für neue Produkte, Prozesse und Wachstumsraten in der Kreislaufbranche.

Innovative Unternehmen erschließen bereits neue Geschäftsfelder: 

  • Circular Supply: biobasierte/recycelte Materialien
  • Product-as-a-Service: Miete statt Kauf
  • Materialrückgewinnung: Urban Mining

Die Ellen MacArthur Foundation definiert zwei Kreisläufe – technisch (Bauindustrie) und biologisch – für endlos nutzbare Ressourcen.

Zirkuläre Geschäftsmodelle für die Bauindustrie

Unternehmerische Pioniere und innovative Marktakteure spielen eine zentrale Rolle bei der Transformation hin zu einer „Circular Economy“ im Bausektor. Durch Nachahmungseffekte, Skalierung und Marktdiffusion können sich zirkuläre Geschäftsmodelle schrittweise über einzelne Unternehmen hinaus in ganze Branchen und gesellschaftliche Strukturen ausbreiten. 

Im Zentrum unternehmerischer Aktivitäten stehen dabei weiterhin die drei klassischen Elemente eines Geschäftsmodells: 

  • Wertschöpfung (Value Creation)
  • Wertbereitstellung bzw. Wertangebot (Value Transfer)
  • Wertabschöpfung (Value Capture) 

Diese Elemente müssen im Kontext der Kreislaufwirtschaft so gestaltet werden, dass Materialkreisläufe geschlossen, Ressourcen effizient genutzt und Abfallströme minimiert werden. 

Das übergeordnete Ziel zirkulärer Geschäftsmodelle besteht darin, Ressourcen innerhalb mehrerer Nutzungszyklen im Wirtschaftssystem zu halten, den Ressourcenverbrauch sowie Abfallaufkommen zu reduzieren und Energie möglichst aus erneuerbaren Quellen zu beziehen. Für eine erfolgreiche Umsetzung müssen Unternehmen ihre Material- und Wertströme entlang der gesamten Wertschöpfungskette analysieren, insbesondere in den Bereichen: 

  • Input (Rohstoffe, Materialien, Vorprodukte)
  • Transformationsprozesse (Planung, Bau, Betrieb, Instandhaltung)
  • Output (Gebäude, Bauprodukte sowie entstehende Materialströme) 

Dabei sollten Unternehmen insbesondere: 

  • nachhaltige und kreislauffähige Beschaffungsstrategien etablieren,
  • die Materialproduktivität über den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden erhöhen,
  • den Verlust nicht erneuerbarer Materialien minimieren und
  • Sekundärrohstoffe stärker in Bauprozesse integrieren. 

Im Bauwesen können zirkuläre Geschäftsmodelle signifikante Wettbewerbsvorteile schaffen, da sie Innovationspotenziale erschließen, Ressourcenkosten reduzieren und langfristig zur Resilienz von Lieferketten beitragen. Gleichzeitig leisten sie einen wichtigen Beitrag zu Umwelt- und Klimaschutzzielen, etwa durch die Reduktion von Rohstoffverbrauch, Abfallaufkommen und Treibhausgasemissionen. 

Die Grundprinzipien zirkulärer Geschäftsmodelle wurden bereits in frühen Konzepten der industriellen Ökologie in den 1970er- und 1980er-Jahren beschrieben, während ihre systematische Anwendung im Bauwesen erst in den letzten zwei Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen hat.

Verschiedene Geschäftsmodelle für verschiedene Lebenszyklusphasen

Zirkuläre Geschäftsmodelle können in unterschiedlichen Phasen des Gebäude- oder Produktlebenszyklus implementiert werden. In der dena-Studie sind drei zentrale Kategorien identifiziert, die jeweils spezifische Strategien der Kreislaufwirtschaft adressieren:

 

Potenzial zirkulärer Geschäftsmodelle

Diese Kategorien verdeutlichen, dass Kreislaufwirtschaft im Bauwesen nicht nur eine Frage des Recyclings ist, sondern bereits in der Planungsphase beginnen muss.

Folgende Tabelle fasst das technische, finanzielle und soziale Potenzial zirkulärer Geschäftsmodelle noch einmal zusammen:

Hemmnisse und Hebel

Die Bauindustrie benötigt einen Paradigmenwechsel in ihrer Baupraxis, damit zirkuläre Geschäftsmodelle umgesetzt werden. Die Akteure müssen spezifische Herausforderungen angehen und die Chancen ergreifen, die sich zunehmend eröffnen.

Hemmnisse

Barrieren für die Implementierung und Skalierung von zirkulären Geschäftsmodellen

Barrieren, die die Implementierung und Skalierung von zirkulären Geschäftsmodellen behindern oder verlangsamen, lassen sich in verschiedene Kategorien unterteilen.

Hebel für die Kreislaufwirtschaft

Global gesehen werden etwa zwei Drittel der Emissionen durch Gewinnung, Herstellung, Verarbeitung, Abbruch und Entsorgung von Materialien und Produkten verursacht. Der Großteil dieser Emissionen entsteht durch hohen Energieeinsatz bei einzelnen Prozessen. Beispielsweise werden bei chemischen Prozessen zur Herstellung von Materialien wie Zement immense Mengen CO2-Emissionen freigesetzt. Die für die Bauindustrie ganz besonders wichtige Eisen- und Stahlindustrie sowie die Zementindustrie verursachen insgesamt circa fünfzehn Prozent der globalen Treibhausgasemissionen.

Dagegen unterstützt das Denken und Handeln im Sinne der Kreislaufwirtschaft Unternehmen dabei, Kosten für Rohstoffe und für die Entsorgung einzusparen und damit den Anforderungen der EU-Abfallrahmenrichtlinie zu entsprechen. Wenn zunehmend erneuerbare und nachhaltige Materialien genutzt und technische Komponenten in geschlossenen technischen Kreisläufen geführt werden, müssen weniger Ressourcen abgebaut werden. Ein Wachstum der Kreislaufwirtschaft bedeutet automatisch eine Steigerung beim Klima- und Umweltschutz.

Ausblick

Wenn sich zirkuläre Geschäftsmodelle durchsetzen, wird sich wirtschaftliches Handeln darauf verlagern, nachhaltig zu beschaffen, die Produktivität von Materialien über den gesamten Lebenszyklus aufrechtzuerhalten und damit Verluste bei nicht-erneuerbaren Materialien zu verringern. Das wird finanzielle, soziale und ökologische Vorteile mit sich bringen und durch Nachahmungseffekte die zirkuläre Ökonomie wachsen lassen. Alle Zahlen und Vergleiche unterstreichen die Dringlichkeit, kreislauforientiertes Denken und Handeln in der Bauwirtschaft und intelligente, nachhaltige Ressourcennutzung in unserem Wirtschaftssystem zu etablieren.

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