Neben energetischen und baulichen Fragestellungen gewinnen digitale Technologien für die Transformation zum klimaneutralen Gebäudebestand zunehmend an Bedeutung. Intelligente Gebäudetechnik, vernetzte Energiesysteme und datenbasierte Betriebsoptimierung sind zentrale Schlüssel für Effizienz, Flexibilität und Transparenz.
Gleichzeitig stellt die zunehmende Digitalisierung auch im Gebäudebereich neue Anforderungen an die Aspekte Datensicherheit und Datenschutz. Beratungsangebote bei der Gestaltung sicherer und akzeptierter Smart-Building-Lösungen spielen dabei eine wichtige Rolle.
Risiken und Sorgen in der Beratung
Mit der Digitalisierung wächst zugleich die Abhängigkeit von Daten. Sensoren, Aktoren und Softwarelösungen erzeugen kontinuierlich Informationen über Gebäudezustände, Energieflüsse und Nutzungsverhalten in Form von besonders schützenswerten personenbezogenen Daten. Diese Daten sind Voraussetzung für einen effizienten Betrieb, werfen zugleich aber Fragen der Sicherheit, Transparenz und Verantwortlichkeit auf.
Für viele Akteure im Gebäudesektor ist Datensicherheit daher eine zentrale Voraussetzung für die Akzeptanz digitaler Lösungen. Vertrauen in Smart-Building-Technologien entsteht nicht allein durch ihre energetische Wirksamkeit, sondern durch den verantwortungsvollen Umgang mit anfallenden Daten. Beratungsangebote nehmen hierbei eine Schlüsselrolle ein, indem sie technische Möglichkeiten mit Sicherheits- und Vertrauensanforderungen zusammenführen.
In der Praxis der Energie- und Gebäudeberatung zeigen sich wiederkehrende Sorgen im Zusammenhang mit digitalen Gebäudelösungen. Eine häufig genannte Befürchtung betrifft die potenzielle Angreifbarkeit vernetzter Systeme. Cyberangriffe, Fehlkonfigurationen oder unsichere Fernzugriffe werden als Risiken wahrgenommen, die den Gebäudebetrieb stören oder sicherheitskritische Funktionen beeinträchtigen könnten.
Besonders sensibel ist der Umgang mit personenbezogenen Daten. Anwendungen zur Raumbelegung, Anwesenheitserfassung im privaten und beruflichen Umfeld oder nutzerabhängigen Regelung von Heizung, Lüftung und Beleuchtung erzeugen Daten, die Rückschlüsse auf das Verhalten einzelner Personen zulassen. Viele Eigentümerinnen und Eigentümer, Kommunen und Nutzende sind unsicher, wer Zugriff auf diese Daten hat und wie ihre Verwendung geregelt ist oder werden sollte.
Hinzu kommt eine wachsende Komplexität der Systemlandschaften. Cloud-Dienste, externe Dienstleister und proprietäre Plattformen in App Stores erschweren es, die Sicherheitslage einzuschätzen. Kundinnen und Kunden erwarten daher von Beratungen nicht nur technische Empfehlungen, sondern eine verständliche Einordnung von Risiken und Handlungsoptionen. Hier steht im Besonderen auch der unterschiedlich lange Lebenszyklus von Technologien im Fokus.
Rechtlicher und technischer Rahmen
Datensicherheit im Smart Building bewegt sich im Spannungsfeld zwischen rechtlichen Anforderungen, technischer Machbarkeit und praktischer Umsetzung – oftmals mit Konflikten in diesem Zieldreieck. Datenschutz- und IT-Sicherheitsanforderungen müssen mit den besonderen Eigenschaften der Gebäude- und Energietechnik in Einklang gebracht werden. Während digitale Anwendungen häufig kurzen Innovationszyklen (2 bis 3 Jahre) unterliegen, sind gebäudetechnische Systeme langfristig (>20 Jahre) ausgelegt.
Technisch sind Smart Buildings durch heterogene Strukturen gekennzeichnet. Unterschiedliche Hersteller aus unterschiedlichen Ländern, Kommunikationsprotokolle und Systemgenerationen müssen sicher miteinander verbunden werden. Besonders herausfordernd sind Schnittstellen zwischen lokalen Gebäudenetzen, Energiemanagementsystemen und cloudbasierten Anwendungen, hier kommt es oftmals zu Interoperabilitätsproblemen. Erste Standards, die dies adressieren, haben sich hier über Jahre entwickelt, etwa der EEBUS.
Datensicherheit sollte nicht als isolierte Zusatzanforderung behandelt werden. Vielmehr muss sie integraler Bestandteil der Planung, Umsetzung und des Betriebs digitaler Lösungen sein.
Überblick zu den wichtigsten Entwicklungen
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat mit dem so genannten Smart Meter Gateway (SMGW) Ökosystem nicht nur eine Regulierung, sondern auch eine komplette technische Infrastruktur auf den Markt gebracht. Fokus hier ist das Gebäude als Teilnehmer am Energienetz, im Sinne einer kritischen Infrastruktur. Die Controllable Local System (CLS) Schnittstelle des Smart Meter Gateway ist ein sicherer Kanal in das Gebäude und die dortigen Systeme. Die Nutzung dieses Kanals für Dienste löst zahlreiche Datensicherheitsfragestellungen und sollte daher in der Beratung mehr berücksichtigt werden. Doch es gibt nicht nur auf nationaler Ebene Arbeiten des Regulators, auch die EU hat im Rahmen der Gebäuderichtlinie EPBD einen vorläufigen Indikator für die „Intelligenz“ von Gebäuden entwickeln lassen, welches in nationales Recht überführt werden soll. Dieser Indikator berücksichtigt zahlreiche Komfortdienste und Gebäudefunktionalitäten, etwa Klima- und Heizung, Beleuchtung, lokale Speicher und Einspeiser oder auch Elektromobilität. Hier sind bei der Überführung zahlreiche Indikatoren zu erwarten, die auch das Themenfeld Datensicherheit stark beeinflussen werden und zu einem hohen Beratungsbedarf führen werden.
Die Intelligenz von Gebäuden und Smart-X-Lösungen ist meist nicht „by-Design“, da im Bestand durch heterogene Systeme zahlreicher Hersteller nachgerüstet wird und zumeist mittels kostengünstigen IoT (Internet of Things) Geräten (Sensoren und Aktoren) umgesetzt. Dies führt zu günstigen Lösungen, die zumeist mit Apps auf mobilen Endgeräten und den dortigen Sicherheitsniveaus genutzt werden. Bedingt durch diese Architektur und die Herkunft der Geräte und die Nutzung von Cloud-Lösungen im Nicht-EU Umfeld außerhalb der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ist eine Auswahl und genaue Abwägung des langfristigen Einsatzes in Beratungen zu berücksichtigen.
Für energiewirtschaftlich relevante Anwendungen der Gebäudeautomatisierung ist das SMGW eine der zentralen Sicherheitskomponenten. Zusammen mit der modernen Messeinrichtung bildet es das Intelligente Messsystem (IMSys) im Smart Building ab, wodurch die Fernauslesung des Zählers und die Steuerung von Anlagen (z.B. Wärmepumpen, Photovoltaikanlagen oder Ladestationen) ermöglicht wird.
Aus Sicht der Cybersicherheit, stellt das BSI eine Reihe von Anforderungen an das SMGW, die Funktionalität, Interoperabilität und Sicherheit definieren. In der Technischen Richtlinie TR-03109 werden unter anderem das „Sicherheitsmodul“, „Kryptographische Vorgaben“, die „Smart Metering PKI“ und der „Kommunikationsadapter“ spezifiziert.
Eine der wesentlichen Schutzmaßnahmen ist die Netzwerktrennung zwischen den IT-Systemen der Marktteilnehmer aus der Energiewirtschaft (im Wide Area Network), den Kundenanlagen des Gebäudes (im Home Area Network) und den Messeinrichtungen (im Local Metrological Network). Durch die Netzwerktrennung kann sichergestellt werden, dass beispielweise der Messstellenbetreiber keinen direkten Zugriff auf das Gebäudenetzwerk bekommt, sondern über das SMGW nur auf das sogenannte Controllable Local System (CLS) zugreifen kann, welches die steuerbaren Anlagen im Home Area Network bündelt.
Neben der Netzwerktrennung ist auch ein Rollenmodell als Sicherheitsmaßnahme definiert, welches in Verbindung mit der „Public Key Infrastruktur“ einen geregelten Zugriff gewährleistet. Für die Administrierung des SMGWs ist der „Gateway Administrator (GWA)“ eingeführt worden, der hinterlegen kann, welcher Akteur den Kanal zum CLS nutzen darf oder Messdaten empfangen kann. Diese Akteure – wie der Netzbetreiber, der Energieserviceanbieter (ESA) oder der Energielieferant – werden als „Externer Marktteilnehmer (EMT)“ eingeordnet. An dieser Stelle wird unterschieden, ob der Akteur nur als passiver EMT (pEMT) auftritt und lediglich Informationen empfängt oder auch den CLS-Kanal als aktiver EMT (aEMT) nutzt. Als aEMT können nur Akteure auftreten, wenn diese gemäß ISO/IEC 27001 zertifiziert sind. Darüber hinaus kann die Rolle EMT nur dann ausgeführt werden, wenn diese an der „Public Key Infrastruktur“ teilnehmen. Als zentraler Vertrauensanker nimmt das BSI die Root Certificate Authority (Root-CA) ein und kann Unternehmen als SUB-CA zertifizieren, welche dann Zertifikate (z.B. für EMTs) ausstellen können.
Die Energiewirtschaft hat aufgrund des Flexibilitätspotentials ein hohes Interesse an den steuerbaren Anlagen, sodass eine rechtliche bzw. regulatorische Einordung in den letzten Jahren ausgestaltet wurde. Neben dem Messstellenbetriebsgesetz regelt das Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG § 9), inwiefern Einspeisespitzen aus Photovoltaikanlagen reduziert werden können und das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG § 14a) zeigt auf, wie Verbrauchsspitzen geregelt werden.
Durch die gesetzlichen Novellen ist ein stärkerer Fokus auf den Messtellenbetreiber erkennbar, der neben der Administration des SMGWs auch die Verarbeitung von Steuerbefehlen und Messdaten wahrnimmt. Während eine sternförmige Kommunikation mit dem SMGW bedeuten würde, dass Netzbetreiber und Energielieferanten eine direkte Kommunikation mit dem im Gebäude verbauten SMGW aufbauen müssten, zeigen aktuelle Umsetzungen vermehrt, dass lediglich der Messstellenbetreiber eine direkte Kommunikation mit dem SMGW aufbaut und als Vermittler agiert. So kann dieser die Administration, Messwerterfassung und Steuerbefehlsweiterleitung als zentraler Akteur wahrnehmen. Beispielsweise zeigt die Ausgestaltung des Universalbestellprozesses der Bundesnetzagentur, dass der Messstellenbetreiber die prozessuale Abwicklung von Steuerbefehlen ausführt.
Um die Datensicherheit innerhalb des Gebäudes zu gewährleisten, kann das intelligente Messsystem auch durch eine geschützte Schnittstelle ausgelesen werden. Neben der Infrarot-Schnittstelle am Zähler, bietet das SMGW auch die sogenannte Transparenz- und Displaysoftware (TRuDI), die es ermöglich die Messwerte lokal auszulesen, um zum Beispiel Rechnungen zu validieren. Eine Verplombung des intelligenten Messsystems stellt im Gebäude zudem sicher, dass Manipulationen ausgeschlossen sind.
Der Smart Readiness Indicator (SRI) der Europäischen Union ist ein zentrales Instrument zur Bewertung der Intelligenzfähigkeit von Gebäuden. Er misst, inwieweit ein Gebäude in der Lage ist, digitale Technologien zur Verbesserung von Energieeffizienz, Nutzerkomfort, Betriebsführung und zur Interaktion mit dem Energiesystem einzusetzen.
Der SRI fokussiert dabei auf sogenannte Smart Services in unterschiedlichen Gebäudebereichen, deren Wirkungen anhand mehrerer Wirkungskriterien bewertet werden. Datensicherheit und Datenschutz sind im SRI jedoch nicht als eigenständige Bewertungskategorie verankert. Vielmehr werden sie implizit vorausgesetzt, insbesondere dort, wo digitale Systeme Informationen erfassen, verarbeiten und mit externen Akteuren oder Plattformen austauschen.
Aus Sicht der Beratungspraxis ergibt sich daraus ein zentrales Spannungsfeld:
Während der SRI die digitale Leistungsfähigkeit eines Gebäudes sichtbar macht, bleibt offen, wie vertrauenswürdig und sicher diese digitale Funktionalität ausgestaltet ist. Gerade in klimaneutralen Gebäuden, in denen Smartness als Voraussetzung für Effizienz und Flexibilität gilt, wird Datensicherheit damit zu einer stillen, aber entscheidenden Grundlage.
Datensicherheit wirkt dabei als Querschnittsvoraussetzung für mehrere Wirkungsdimensionen des SRI, insbesondere:
die Bereitstellung transparenter und verlässlicher Informationen für Nutzer,
den sicheren Fernzugriff für Wartung und Betriebsoptimierung,
die Integration in Energiemanagement- und Flexibilitätsmechanismen,
sowie die langfristige Akzeptanz digitaler Gebäudelösungen.
Für die Beratenden ergibt sich daraus ein klarer Mehrwert:
Der SRI kann zukünftig als Einstiegspunkt genutzt werden, um Digitalisierung systematisch zu bewerten, während Datensicherheit als ergänzende Vertrauensdimension in Beratung und Umsetzung integriert wird. Beratung schließt damit eine konzeptionelle Lücke zwischen gemessener Smartness und tatsächlicher Vertrauenswürdigkeit digitalisierter Gebäude.
Der SRI bewertet die digitale Leistungsfähigkeit von Gebäuden im Betrieb. Building Information Modeling schafft die digitale Grundlage dafür. Datensicherheit entscheidet darüber, ob diese digitale Leistungsfähigkeit akzeptiert, genutzt und langfristig vertrauenswürdig ist.
BIM ist eine digitale Methode zur ganzheitlichen Planung, Umsetzung und zum Betrieb von Gebäuden. BIM stellt ein zentrales, strukturiertes Datenmodell über den gesamten Gebäudelebenszyklus bereit. Es schafft Transparenz über Gebäudestrukturen, technische Systeme und energetische Zusammenhänge. Damit bildet BIM die digitale Grundlage für intelligente und vernetzte Gebäudefunktionen. Im Kontext des SRI liefert BIM wesentliche Informationen für die Bewertung der digitalen Reife von Gebäuden.
Durch die frühzeitige Integration von Smartness-Anforderungen macht BIM die SRI-Ziele bereits in der Planung adressierbar. Datensicherheit ist dabei eine zentrale Voraussetzung, um BIM-Daten im Betrieb vertrauenswürdig und nachhaltig zu nutzen.
IoT-Geräte sind ein zentraler Baustein moderner Smart Buildings, weisen jedoch im Gebäudekontext häufig erhebliche Sicherheitsdefizite auf. Typische Schwachstellen sind voreingestellte oder schwache Zugangsdaten, fehlende Authentifizierungsmechanismen sowie unzureichend verschlüsselte Kommunikationsverbindungen.
Ein wesentliches Problem ergibt sich aus den langen Lebenszyklen gebäudetechnischer Systeme. IoT-Geräte verbleiben oft über viele Jahre im Betrieb, ohne dass ein verlässliches Patch- und Update-Management etabliert ist. Sicherheitslücken können dadurch dauerhaft bestehen bleiben und sich im Gebäudebestand kumulieren. Verschärft wird dies durch unsichere Schnittstellen und Fernzugriffsmöglichkeiten, etwa über Webinterfaces, Wartungszugänge oder cloudbasierte Plattformen, die zusätzliche Angriffsflächen eröffnen.
In der Praxis fehlt zudem häufig eine klare Trennung zwischen IoT-Geräten, Gebäudeautomation und klassischer IT-Infrastruktur. Ohne konsequente Netzsegmentierung kann ein kompromittiertes Gerät als Einstiegspunkt dienen, um weitere Systeme im Gebäude anzugreifen. Gleichzeitig besteht oftmals nur eine eingeschränkte Transparenz über Datenflüsse, insbesondere wenn IoT-Geräte Daten an externe Dienste oder Plattformen übermitteln. Dies erschwert die Kontrolle über Datennutzung, Speicherung und Weitergabe und birgt Risiken für Datenschutz und Compliance.
Ein weiterer Risikofaktor ist die physische Zugänglichkeit vieler IoT-Komponenten. Geräte in öffentlich zugänglichen Bereichen oder leicht erreichbaren Technikräumen können manipuliert, ausgetauscht oder unbemerkt ergänzt werden. Schließlich sind Verantwortlichkeiten für IoT-Sicherheit im Gebäudebetrieb häufig unklar geregelt. Die Schnittstelle zwischen IT, Facility Management und externen Dienstleistern bleibt diffus, sodass Sicherheitslücken nicht systematisch adressiert werden. Insgesamt zeigen diese Aspekte, dass IoT-Sicherheit im Gebäudeumfeld nicht als Einzelmaßnahme, sondern nur im Zusammenspiel technischer, organisatorischer und prozessualer Maßnahmen wirksam umgesetzt werden kann.
Die VdS-Sicherungskette beschreibt ein ganzheitliches Sicherheitskonzept für Gebäude, das technische, organisatorische und personelle Maßnahmen verbindet. Sie beginnt bei der Prävention durch geeignete Planung, bauliche Sicherung und zertifizierte Technik. Darauf folgt das Erkennen und der Alarm durch zuverlässige Überwachungs- und Meldesysteme. Eine schnelle Übertragung von Alarmen sowie abgestimmte Interventionsprozesse sichern die Reaktion im Ereignisfall.
Übertragen auf Smart Buildings bedeutet dies, dass auch digitale Systeme und IoT-Geräte entlang einer durchgängigen Sicherheitslogik abgesichert werden müssen. Cyber- und Datensicherheit werden damit Teil der Sicherungskette, etwa durch sichere Architektur, Überwachung digitaler Zugriffe und definierte Zuständigkeiten. Die Wirksamkeit ergibt sich erst aus der lückenlosen Verbindung aller technischen, organisatorischen und digitalen Schutzmaßnahmen im Gebäudebetrieb.
Beratungsansätze
Beratung spielt eine zentrale Rolle, um Datensicherheit als vertrauensbildendes Element in Smart-Building-Projekten zu verankern. Ein bewährter Ansatz ist die ganzheitliche Betrachtung des Gebäudes als sozio-technisches System. Dabei werden technische Komponenten, organisatorische Abläufe und beteiligte Akteure gemeinsam analysiert.
Energieberatende agieren im Smart Building zunehmend an der Schnittstelle zwischen Energieeffizienz, Digitalisierung und IT-Sicherheit. Moderne Effizienzmaßnahmen, etwa intelligentes Energiemanagement, Lastverschiebung oder sektorgekoppelte Systeme, basieren auf der kontinuierlichen Erfassung, Übertragung und Auswertung von Energie-, Betriebs- und teilweise auch personenbezogenen Nutzungsdaten. Damit wird Datensicherheit zu einer strukturellen Voraussetzung wirksamer Energieberatung.
Zentral ist das Verständnis der im Gebäude anfallenden Datenarten und Schutzbedarfe. Verbrauchs- und Lastprofile, Anlagendaten der technischen Gebäudeausrüstung sowie nutzungsnahe Informationen besitzen unterschiedliche Anforderungen an Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit. Energieberatende müssen diese Unterschiede zielgerichtet erkennen, um Risiken datengetriebener Effizienzlösungen sachgerecht einordnen zu können.
Darüber hinaus ist ein grundlegendes Architekturverständnis digitaler Gebäude erforderlich. Feldgeräte, Gebäudeautomationssysteme, Energiemanagementlösungen und cloudbasierte Dienste bilden eine vernetzte und heterogene Systemlandschaft mit wachsenden Angriffsflächen. Insbesondere Fernzugriffe, Herstellerplattformen und fehlende Netzsegmentierung können sicherheitsrelevant sein und mittelbar den energieeffizienten Betrieb gefährden.
Im regulatorischen Kontext sind Energieberatende mit der Relevanz von Datenschutz-, IT-Sicherheits- und Digitalisierungsanforderungen vertraut zu machen. Europäische Instrumente wie der SRI verdeutlichen, dass digitale Gebäudefunktionen nur dann als Mehrwert gelten, wenn sie sicher, zuverlässig und vertrauenswürdig betrieben werden können. Energieberatende übernehmen damit keine Rolle als IT-Sicherheitsauditoren, fungieren jedoch als Frühindikatoren für Sicherheitsrisiken und als vermittelnde Instanz zwischen Bauherren, Betreibern, Planenden und IT-Fachstellen. Wenn Datensicherheitsaspekte frühzeitig in Effizienzempfehlungen einbezogen werden, kann die Qualität, Förderfähigkeit und Nachhaltigkeit energiebezogener Maßnahmen im Smart Building erhöht werden.
Standards und Orientierungshilfen
Standards, Leitfäden und normative Rahmenwerke bieten wichtige Orientierung für die Beratungspraxis. Für Smart Buildings sind insbesondere Standards relevant, die Aspekte der IT-Sicherheit, des Datenschutzes und der Gebäudeautomation miteinander verbinden. Aber auch EU-Vorgaben zur Resilienz und Cybersicherheit kritischer Infrastrukturen (KRITIS) machen ein Informationssicherheitsmanagement (ISMS) für Betreiber – und je nach Einstufung auch für Aggregatoren – künftig relevant (Quelle: dena).
In der Praxis geht es weniger um formale Normerfüllung als um die sinnvolle Anwendung geeigneter Orientierungshilfen. Standards unterstützen die Beratenden dabei, Sicherheitsanforderungen nachvollziehbar zu begründen und gegenüber Kundinnen und Kunden transparent zu machen. Zertifizierungen und strukturierte Sicherheitskonzepte können als Vertrauensanker dienen und Entscheidungsprozesse erleichtern.
Wie gut kann ein Gebäude auf Nutzerbedürfnisse und das Energiesystem reagieren? Der Smart Readiness Indicator (SRI) macht die digitale Leistungsfähigkeit von Gebäuden messbar und unterstützt eine systemische Energieberatung.
Dank Building Information Modeling entsteht ein digitaler Gebäudezwilling, der alle Daten zu Planung, Bau, Bewirtschaftung und Rückbau erfasst. Alle Baubeteiligten können darauf zugreifen, sodass Abstimmungen einfacher und Planungen genauer werden.
Gebäudeautomation, also die automatische Steuerung, Regelung, Überwachung und Optimierung der technischen Gebäudeausrüstung, bietet große Potenziale, Energieverbräuche und damit CO2-Emmissionen erheblich zu mindern, speziell in mehrgeschossigen Gebäuden.
Wärmepumpen benötigen elektrischen Strom, um Umgebungswärme nutzbar zu machen. Die Nutzung von Flexibilität auf der Nachfrageseite, u.a. von Wärmepumpen, hilft, Erneuerbare effizient in das Stromsystem zu integrieren und das Netz sicher zu betreiben.
Die Kommunikation zwischen Fachleuten sowie Kundinnen und Kunden ist essentieller Bestandteil einer gelungenen Beratung. Hintergrundinformationen und Marketingmaterialien erleichtern die Kommunikation und motivieren zur Umsetzung von Effizienzmaßnahmen.