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Datensicherheit im Smart Building: Rechtliche und technische Rahmenbedingungen

Stand: Februar 2026
Foto, Hand hält Smartphone vor Laptop mit schwebenden Symbolen für Smart-Home-Sicherheit und vernetzte Geräte.

Neben energetischen und baulichen Fragestellungen gewinnen digitale Technologien für die Transformation zum klimaneutralen Gebäudebestand zunehmend an Bedeutung. Intelligente Gebäudetechnik, vernetzte Energiesysteme und datenbasierte Betriebsoptimierung sind zentrale Schlüssel für Effizienz, Flexibilität und Transparenz. 

Gleichzeitig stellt die zunehmende Digitalisierung auch im Gebäudebereich neue Anforderungen an die Aspekte Datensicherheit und Datenschutz. Beratungsangebote bei der Gestaltung sicherer und akzeptierter Smart-Building-Lösungen spielen dabei eine wichtige Rolle.

Risiken und Sorgen in der Beratung

Mit der Digitalisierung wächst zugleich die Abhängigkeit von Daten. Sensoren, Aktoren und Softwarelösungen erzeugen kontinuierlich Informationen über Gebäudezustände, Energieflüsse und Nutzungsverhalten in Form von besonders schützenswerten personenbezogenen Daten. Diese Daten sind Voraussetzung für einen effizienten Betrieb, werfen zugleich aber Fragen der Sicherheit, Transparenz und Verantwortlichkeit auf.

Für viele Akteure im Gebäudesektor ist Datensicherheit daher eine zentrale Voraussetzung für die Akzeptanz digitaler Lösungen. Vertrauen in Smart-Building-Technologien entsteht nicht allein durch ihre energetische Wirksamkeit, sondern durch den verantwortungsvollen Umgang mit anfallenden Daten. Beratungsangebote nehmen hierbei eine Schlüsselrolle ein, indem sie technische Möglichkeiten mit Sicherheits- und Vertrauensanforderungen zusammenführen.

In der Praxis der Energie- und Gebäudeberatung zeigen sich wiederkehrende Sorgen im Zusammenhang mit digitalen Gebäudelösungen. Eine häufig genannte Befürchtung betrifft die potenzielle Angreifbarkeit vernetzter Systeme. Cyberangriffe, Fehlkonfigurationen oder unsichere Fernzugriffe werden als Risiken wahrgenommen, die den Gebäudebetrieb stören oder sicherheitskritische Funktionen beeinträchtigen könnten.

Besonders sensibel ist der Umgang mit personenbezogenen Daten. Anwendungen zur Raumbelegung, Anwesenheitserfassung im privaten und beruflichen Umfeld oder nutzerabhängigen Regelung von Heizung, Lüftung und Beleuchtung erzeugen Daten, die Rückschlüsse auf das Verhalten einzelner Personen zulassen. Viele Eigentümerinnen und Eigentümer, Kommunen und Nutzende sind unsicher, wer Zugriff auf diese Daten hat und wie ihre Verwendung geregelt ist oder werden sollte.

Hinzu kommt eine wachsende Komplexität der Systemlandschaften. Cloud-Dienste, externe Dienstleister und proprietäre Plattformen in App Stores erschweren es, die Sicherheitslage einzuschätzen. Kundinnen und Kunden erwarten daher von Beratungen nicht nur technische Empfehlungen, sondern eine verständliche Einordnung von Risiken und Handlungsoptionen. Hier steht im Besonderen auch der unterschiedlich lange Lebenszyklus von Technologien im Fokus.

Rechtlicher und technischer Rahmen

Datensicherheit im Smart Building bewegt sich im Spannungsfeld zwischen rechtlichen Anforderungen, technischer Machbarkeit und praktischer Umsetzung – oftmals mit Konflikten in diesem Zieldreieck. Datenschutz- und IT-Sicherheitsanforderungen müssen mit den besonderen Eigenschaften der Gebäude- und Energietechnik in Einklang gebracht werden. Während digitale Anwendungen häufig kurzen Innovationszyklen (2 bis 3 Jahre) unterliegen, sind gebäudetechnische Systeme langfristig (>20 Jahre) ausgelegt.

Technisch sind Smart Buildings durch heterogene Strukturen gekennzeichnet. Unterschiedliche Hersteller aus unterschiedlichen Ländern, Kommunikationsprotokolle und Systemgenerationen müssen sicher miteinander verbunden werden. Besonders herausfordernd sind Schnittstellen zwischen lokalen Gebäudenetzen, Energiemanagementsystemen und cloudbasierten Anwendungen, hier kommt es oftmals zu Interoperabilitätsproblemen. Erste Standards, die dies adressieren, haben sich hier über Jahre entwickelt, etwa der EEBUS.  

Datensicherheit sollte nicht als isolierte Zusatzanforderung behandelt werden. Vielmehr muss sie integraler Bestandteil der Planung, Umsetzung und des Betriebs digitaler Lösungen sein. 

Überblick zu den wichtigsten Entwicklungen

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat mit dem so genannten Smart Meter Gateway (SMGW) Ökosystem nicht nur eine Regulierung, sondern auch eine komplette technische Infrastruktur auf den Markt gebracht. Fokus hier ist das Gebäude als Teilnehmer am Energienetz, im Sinne einer kritischen Infrastruktur. Die Controllable Local System (CLS) Schnittstelle des Smart Meter Gateway ist ein sicherer Kanal in das Gebäude und die dortigen Systeme. Die Nutzung dieses Kanals für Dienste löst zahlreiche Datensicherheitsfragestellungen und sollte daher in der Beratung mehr berücksichtigt werden. Doch es gibt nicht nur auf nationaler Ebene Arbeiten des Regulators, auch die EU hat im Rahmen der Gebäuderichtlinie EPBD einen vorläufigen Indikator für die „Intelligenz“ von Gebäuden entwickeln lassen, welches in nationales Recht überführt werden soll. Dieser Indikator berücksichtigt zahlreiche Komfortdienste und Gebäudefunktionalitäten, etwa Klima- und Heizung, Beleuchtung, lokale Speicher und Einspeiser oder auch Elektromobilität. Hier sind bei der Überführung zahlreiche Indikatoren zu erwarten, die auch das Themenfeld Datensicherheit stark beeinflussen werden und zu einem hohen Beratungsbedarf führen werden.

Die Intelligenz von Gebäuden und Smart-X-Lösungen ist meist nicht „by-Design“, da im Bestand durch heterogene Systeme zahlreicher Hersteller nachgerüstet wird und zumeist mittels kostengünstigen IoT (Internet of Things) Geräten (Sensoren und Aktoren) umgesetzt. Dies führt zu günstigen Lösungen, die zumeist mit Apps auf mobilen Endgeräten und den dortigen Sicherheitsniveaus genutzt werden. Bedingt durch diese Architektur und die Herkunft der Geräte und die Nutzung von Cloud-Lösungen im Nicht-EU Umfeld außerhalb der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ist eine Auswahl und genaue Abwägung des langfristigen Einsatzes in Beratungen zu berücksichtigen.

Beratungsansätze

Beratung spielt eine zentrale Rolle, um Datensicherheit als vertrauensbildendes Element in Smart-Building-Projekten zu verankern. Ein bewährter Ansatz ist die ganzheitliche Betrachtung des Gebäudes als sozio-technisches System. Dabei werden technische Komponenten, organisatorische Abläufe und beteiligte Akteure gemeinsam analysiert.

Energieberatende agieren im Smart Building zunehmend an der Schnittstelle zwischen Energieeffizienz, Digitalisierung und IT-Sicherheit. Moderne Effizienzmaßnahmen, etwa intelligentes Energiemanagement, Lastverschiebung oder sektorgekoppelte Systeme, basieren auf der kontinuierlichen Erfassung, Übertragung und Auswertung von Energie-, Betriebs- und teilweise auch personenbezogenen Nutzungsdaten. Damit wird Datensicherheit zu einer strukturellen Voraussetzung wirksamer Energieberatung.

Zentral ist das Verständnis der im Gebäude anfallenden Datenarten und Schutzbedarfe. Verbrauchs- und Lastprofile, Anlagendaten der technischen Gebäudeausrüstung sowie nutzungsnahe Informationen besitzen unterschiedliche Anforderungen an Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit. Energieberatende müssen diese Unterschiede zielgerichtet erkennen, um Risiken datengetriebener Effizienzlösungen sachgerecht einordnen zu können.

Darüber hinaus ist ein grundlegendes Architekturverständnis digitaler Gebäude erforderlich. Feldgeräte, Gebäudeautomationssysteme, Energiemanagementlösungen und cloudbasierte Dienste bilden eine vernetzte und heterogene Systemlandschaft mit wachsenden Angriffsflächen. Insbesondere Fernzugriffe, Herstellerplattformen und fehlende Netzsegmentierung können sicherheitsrelevant sein und mittelbar den energieeffizienten Betrieb gefährden.

Im regulatorischen Kontext sind Energieberatende mit der Relevanz von Datenschutz-, IT-Sicherheits- und Digitalisierungsanforderungen vertraut zu machen. Europäische Instrumente wie der SRI verdeutlichen, dass digitale Gebäudefunktionen nur dann als Mehrwert gelten, wenn sie sicher, zuverlässig und vertrauenswürdig betrieben werden können. Energieberatende übernehmen damit keine Rolle als IT-Sicherheitsauditoren, fungieren jedoch als Frühindikatoren für Sicherheitsrisiken und als vermittelnde Instanz zwischen Bauherren, Betreibern, Planenden und IT-Fachstellen. Wenn Datensicherheitsaspekte frühzeitig in Effizienzempfehlungen einbezogen werden, kann die Qualität, Förderfähigkeit und Nachhaltigkeit energiebezogener Maßnahmen im Smart Building erhöht werden.

Standards und Orientierungshilfen

Standards, Leitfäden und normative Rahmenwerke bieten wichtige Orientierung für die Beratungspraxis. Für Smart Buildings sind insbesondere Standards relevant, die Aspekte der IT-Sicherheit, des Datenschutzes und der Gebäudeautomation miteinander verbinden. Aber auch EU-Vorgaben zur Resilienz und Cybersicherheit kritischer Infrastrukturen (KRITIS) machen ein Informationssicherheitsmanagement (ISMS) für Betreiber – und je nach Einstufung auch für Aggregatoren – künftig relevant (Quelle: dena).

In der Praxis geht es weniger um formale Normerfüllung als um die sinnvolle Anwendung geeigneter Orientierungshilfen. Standards unterstützen die Beratenden dabei, Sicherheitsanforderungen nachvollziehbar zu begründen und gegenüber Kundinnen und Kunden transparent zu machen. Zertifizierungen und strukturierte Sicherheitskonzepte können als Vertrauensanker dienen und Entscheidungsprozesse erleichtern.

Pflichtwissen

Sicherheitsanforderungen Smart Buildings: Pflichtwissen

Folgende Dokumente sollten durch Beratende als Pflichtwissen (unmittelbar beratungsrelevant) berücksichtigt werden:

Vertiefungswissen

Sicherheitsanforderungen Smart Buildings: Vertiefungswissen

Folgende Dokumente sollten durch Beratenden als Vertiefungswissen (für komplexe Projekte und Kommunen) berücksichtigt werden:

Orientierungs- und Zukunftswissen

Sicherheitsanforderungen Smart Buildings: Orientierungs- und Zukunftswissen

Folgende Dokumente sollten durch Beratende als Orientierungs- und Zukunftswissen berücksichtigt werden:

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