Projekt
Die Plattenbausiedlung Drewitz mit rund 3.000 Wohnungen und rund 5.700 Einwohnenden wurde von 1986 bis 1991 errichtet. Das urbanisierte Bestandsquartier ist am südlichen Stadtrand von Potsdam gelegen und umfasst eine Fläche von 37 Hektar. Die Siedlung war städtebaulich wenig differenziert und bot ein einseitiges Wohnungsangebot.
Ziel war eine sozialverträgliche und energetische Erneuerung des Quartiers, mit folgenden Schwerpunkten:
- Neustrukturierung von Freiräumen und Grünflächen
- Neuordnung des Verkehrs
- Sozialverträgliche Sanierung der Wohnungen
- Stärkung der sozialen Infrastruktur
- Reorganisation der Energieversorgung.
Zentral war dabei die Beteiligung der Bewohnerinnen und Bewohner und die Vermeidung von Verdrängung. Das integrierte Energie- und Klimaschutzkonzept „Drewitz auf dem Weg zum emissionsfreien Stadtteil“ wurde 2009 als Fortschreibung des Gartenstadt-Konzepts entwickelt.
Es konkretisierte das Ziel, Drewitz bis 2050 zu einem CO₂-neutralen Stadtteil zu entwickeln. Die Stadtverordnetenversammlung beschloss im Januar 2010 die Umsetzung. In einem umfangreichen partizipativen Werkstattverfahren entstand im Sommer 2011 ein umsetzungsorientierter Masterplan.
Beispielhafte Sanierung: “Pilot”
- Maßnahmen: Dämmung, Fenster, Heiztechnik, Regenwassermanagement, Mietergärten
- Energiekennwerte: 98,8 kWh/m²·a Vorher/ 51 kWh/m²·a Nachher.
- Neubau
- Quartier
- Sanierung
- Wohngebäude
Bautafel
Planungs-/Bauzeit
• Konzeptbeginn: 2009, Masterplan: 2011
• Energie- und Klimaschutzkonzept (IEKK): 2013
• Geplante Sanierung weiterer 174 Wohnungen („Gartenstadt Plus“) bis 2026
• Geplanter Neubau von 230 Wohnungen bis 2029
Auswahl der Baukosten und Förderung
• Umbau Konrad-Wolf-Allee zum Konrad-Wolf-Park mit EU-Förderung EFRE – Nachhaltige Stadtentwicklung; Kosten: ca. 5,8 Mio. €, davon EFRE-Fördermittel: ca. 3,4 Mio. €
• Energetische Sanierung von 1.600 Wohnungen (ProPotsdam): ca. 170 Mio. €
• Wärmespeicher: 11,6 Mio. €
• Wohnungsbauförderung des Landes Brandenburg
• KfW-Förderung für energetische Sanierung
• Städtebauförderung „Sozialer Zusammenhalt“
Energieeffizienz/ Klimaschutz
• Energetische Sanierung im KfW-70-Standard
• Einsatz von Solarthermieanlagen
• Ausbau von Photovoltaik, u. a. Mieterstrommodelle
• Versorgung mit „grüner Fernwärme“
• Klimaresiliente, biodiverse & ökonomische Außenanlagen
Herausforderungen
Die größte Herausforderung bestand darin, das stark versiegelte, durch Beton dominierte Areal in eine grüne, lebenswerte Umgebung umzuwandeln. Ziel war es, die Aufenthaltsqualität zu verbessern und ein positives Wohnumfeld zu schaffen. Hinzu kamen fehlende Erfahrungen bei einzelnen Akteuren mit quartiersbezogenen Ansätzen – etwa bei Energieversorgern oder Verkehrsbetrieben, die eher auf Netz- als auf Quartiersebene agierten. Darüber hinaus stellte der über einen langen Zeitraum angelegte Transformationsprozess eine Herausforderung für Beteiligung und Kommunikation dar.
Ziele & Erfolge
Nach über zehn Jahren Umsetzungsarbeit konnten zahlreiche Ziele verwirklicht werden:
Energieversorgung
Das Quartier ist an das stadtweite Fernwärmenetz angeschlossen. Für Drewitz wurde ein großer Wärmespeicher sowie zwei Elektrodenheizkessel mit einer Leistung von 2 × 10 MW_el am Standort des Heizkraftwerks Süd installiert. Die Power-to-Heat-Technologie nutzt überschüssigen – u. a. erneuerbaren – Strom zur Wärmeproduktion. Die kommunalen Wohnungen (ca. 1.600 Einheiten) werden über diese „grüne Fernwärme“ versorgt. Ergänzt wird die Versorgung durch die Nutzung erneuerbarer Energien:
- Grüne Fernwärme: aus Power-to-Heat und Solarthermie
- Photovoltaik: u. a. als Mieterstrommodell mit 588 Modulen auf 1.055 m² – ca. 30–35 Prozent Deckung des Strombedarfs
- Solarthermie: 118 m² Kollektorfläche auf zwei Gebäuden – bis zu 50 Prozent Einsparung an Fernwärme für Warmwasser.
Gebäudesanierung
Öffentliche Gebäude sind vollständig energetisch saniert. Rund 1.000 Wohnungen wurden unter Einhaltung sozialer Standards modernisiert.
Verkehr
Rückbau der Konrad-Wolf-Allee zum Konrad-Wolf-Park für mehr Naherholung und qualifizierten Freiraum, Förderung des Fuß- und Radverkehrs, Parkraumbewirtschaftung.
Grün- und Freiraumplanung
„Grünes Kreuz“, qualitätsvolle Innenhöfe, Verbesserung Mikroklima. Die Neugestaltung der öffentlichen Räume mit dem „Grünen Kreuz“ als zentrales Rückgrat des Quartiers ordnet die Wegebeziehungen neu und steigert die Lebensqualität.
Klimaanpassung
Maßnahmen zur Versickerung, Begrünung, Temperaturregulation. Die Universität Potsdam hat im Rahmen des Forschungsprojekts „ExTrass“ (2018–2021) nachgewiesen, dass begrünte Innenhöfe im Sommer im Schnitt 2 °C kühler sind.
Soziale Infrastruktur
Die neue Stadtteilschule, das Begegnungszentrum „oskar.“ und ein Ärztehaus stärken das soziale und medizinische Angebot im Quartier.
Beteiligung
Starke Einbindung der Bewohnerschaft durch die Bildung einer Bürgervertretung Drewitz, den Stadtteilrat, Beteiligungsformate und eigentümerunabhängige Mieterberatung während des Sanierungsprozesses.
Lessons learned
Die Kombination aus Gebäudesanierung, grüner Wärmeversorgung und Mobilitätskonzept hat den jährlichen CO₂-Ausstoß um rund 40 Prozent reduziert. Von 2010 bis 2018 wurde eine Einsparung von ca. 3.575 Tonnen CO₂ pro Jahr erzielt. Trotz tiefgreifender städtebaulicher und energetischer Transformation konnten sozialverträgliche Mietpreise erhalten werden.
Städtebaupreis und Klimaschutzpreis
Das Projekt wurde 2014 mit dem Deutschen Städtebaupreis und dem
Kommunalen Klimaschutzpreis ausgezeichnet.
KfW Award Leben
Mit dem Award „Leben – für nachhaltige und innovative Kommunen“ zeichnete die KfW-Bank das Projekt aus.
Auszeichnung als Klimaquartier
Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) zeichnete die Gartenstadt in Potsdam als "Klimaquartier in der Städtebauförderung" aus.
Für andere Städte lässt sich ableiten: Klimaanpassung im Wohnumfeld braucht ein starkes räumliches Leitbild, die konsequente Umwidmung versiegelter Flächen und die Integration in ein gesamtstädtisches Energie- und Klimakonzept. Erst das Zusammenspiel dieser Elemente macht ein Projekt sowohl technisch wirksam als auch sozial tragfähig.