Zero Waste im Bausektor: Innovationen und Zertifizierungen als Hebel
Stand: März 2026
Der ressourcenintensive Bausektor produziert mehr als die Hälfte des Abfalls in Deutschland. Das sind Baustoffe und Materialien, die theoretisch weiter verwertet werden könnten.
Auf dem Weg zum Zero-Waste-Bausektor eröffnet die Verwertung von Gebäuden am bisherigen Lebenszyklusende deshalb große Potenziale für mehr Ressourceneffizienz, hochwertige Wiederverwendung und Abfallvermeidung.
Um während des gesamten Gebäudelebenszyklus Abfallbewirtschaftung umzusetzen, sind Innovationen und Zertifizierungen maßgeblich.
Rohstoffverbrauch und Abfallaufkommen des Bausektors
Im Jahr 2020 wurden in Deutschland insgesamt 414 Millionen Tonnen Abfall produziert. Davon werden 55 Prozent durch Bau- und Abbruchabfälle verursacht (Quelle: BBSR, Umweltfußabdruck von Gebäuden in Deutschland). Der Bausektor hat im Vergleich zu anderen Wirtschaftssektoren auch den höchsten Ressourcenbedarf.
Bau- und Abbruchabfälle
Der sog. Abfallgruppe „Bau- und Abbruchabfälle einschließlich Straßenaufbruch“ kommt eine Schlüsselrolle für eine geschlossene Kreislaufwirtschaft zu. Die Abfallgruppe machte im Jahr 2020 mit rund 229,4 Millionen Tonnen den Großteil des Brutto-Abfallaufkommens aus. Den wiederum größten Anteil an dieser Abfallgruppe hat der Bodenaushub, der zu 85 Prozent verwertet wurde. Auch die restlichen mineralischen Bauabfälle wurden zu einem erheblichen Teil verwertet. Die Wiederaufbereitung und Nachnutzung der Bau- und Abbruchabfälle verlief weitgehend parallel zur konjunkturellen Entwicklung im Baugewerbe.
Materialeinsatz im Bauwesen
Im Jahr 2020 wurden in Deutschland 35,5 Millionen Tonnen Zement produziert. Dafür waren 51 Millionen Tonnen Rohstoffe und etwa 30 Terawattstunden Energie notwendig. Von diesen 35,5 Millionen Tonnen Zement wurden wiederum 30,1 Millionen Tonnen für die Herstellung von Mörtel und Beton verbraucht (Quelle: VDZ).
Um den Materialbedarf zu decken, wurden in Deutschland 2018 ca. 485 Millionen Tonnen Natursteine, Kiese und Sande gewonnen. Nur 12,5 Prozent des nationalen Gesamtbedarfs dieser Gesteinskörnungen konnten durch Recycling-Baustoffe und weitere 4,9 Prozent durch industrielle Nebenprodukte gedeckt werden (Quelle: Kreislaufwirtschaft Bau Mineralische Bau- und Abbruchabfälle). Darüber hinaus produziert Deutschland – im Vergleich zu anderen EU-Ländern – mit jährlich etwa 40 Millionen Tonnen die größte Menge an Rohstahl (Quelle: Wirtschaftsvereinigung Stahl). Beispielsweise machte die 2019 eingesetzte Stahlmenge in der Bauindustrie 35 Prozent des damaligen gesamten Stahlbedarfs in Deutschland aus (Quelle: Statista).
Dieser enorme Materialeinsatz hat zur Folge, dass sich Rohstoffe in der gebauten Umwelt ansammeln und diese als anthropogenes Lager bezeichnet werden kann. So umfassen deutsche Wohn- und Nichtwohngebäude circa 28,4 Milliarden Tonnen Baumaterial. Darin enthalten sind vor allem mineralische Materialien, gefolgt von Stahl, Holz und Kunstoffen (Quelle: UBA).
Während der größte Teil der Gebäude aktiv genutzt wird und die verbauten Materialien insofern nicht für eine Weiternutzung verfügbar sind, gibt es in der Verwertung von Gebäuden am Lebenszyklusende große Potenziale für mehr Ressourceneffizienz. Der Großteil der Bau- und Abbruchabfälle wird bereits umweltgerecht verwertet, d.h. vornehmlich im Tief- oder Deponiebau eingesetzt. Ressourceneffizienzpotenziale und Herausforderungen bestehen somit darin, diese Materialmengen auch für höherwertigere Zwecke einzusetzen bzw. Abfälle zu vermeiden (Quelle: Kreislaufwirtschaft Bau Mineralische Bau- und Abbruchabfälle).
Zero Waste in der EU
In der Europäischen Union existiert ein umfassender politischer und regulatorischer Rahmen, der die Transformation des Gebäudesektors hin zu einer ressourceneffizienten und kreislauforientierten Bauweise („Zero-Waste-Ansatz“) unterstützt. Dieser Rahmen umfasst Strategien, Richtlinien und Aktionsprogramme, die sowohl den Lebenszyklus von Gebäuden als auch die Materialströme im Bauwesen adressieren:
Zero-Waste-Zertifizierung
Außerhalb Europas existieren insbesondere in den USA und Indien Zertifizierungsprogramme für Zero Waste, deren Bedeutung im Immobilien- und Bausektor in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat. Die Zero-Waste-Zertifizierung von Gebäuden erfolgt bisher überwiegend auf freiwilliger Basis durch unabhängige Zertifizierungsprogramme, welche die Abfallperformance (Zero Waste Performance) von Gebäuden erfassen, bewerten und systematisch verbessern sollen.
Darüber fördern diese Programme Strategien zur Materialeffizienz, Abfallvermeidung und Kreislaufwirtschaft, die zu ökologischen, gesundheitlichen und wirtschaftlichen Vorteilen über den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden beitragen können.
Weiterführende Informationen
Infografiken und Best Practices
- How reducing waste is a climate gamechanger
- Waste is a Design Flaw: How Designers Can Help NYC Become a Zero Waste City
Zero Waste in Berlin