Neues Gutachten: Zirkuläres Bauen in die Praxis bringen
Stand: Mai 2026
Zirkuläres Bauen heißt: Bestand erhalten, Bauteile mehrmals nutzen und beim Neubau schon den Um- und Rückbau mitdenken. Wie das in der Praxis gelingt, zeigt ein neues Gutachten des Sachverständigenrats für Umweltfragen.
Kreislaufgerechtes Bauen schont Klima und Ressourcen – und kann heute schon günstiger als konventionelles Bauen sein. Insbesondere dann, wenn die Kosten von der Herstellung der Bauprodukte bis hin zum Abriss betrachtet werden. Neue Geschäftsmodelle wie Bauteilbörsen oder Produktvermietungen sorgen zusätzlich für Dynamik. Ein neues Gutachten des Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU) analysiert aktuelle Herausforderungen und empfiehlt politische Maßnahmen, um zirkuläres Bauen stärker in der Praxis zu verankern.
Politische Maßnahmen für zirkuläres Bauen
Trotz seiner Vorteile ist zirkuläres Bauen noch nicht in der Breite angekommen. Das Gutachten nennt fünf zentrale Ansatzpunkte, um einen Wandel im Bauwesen zu unterstützen:
1. Digitalisierung: Standards schaffen
Eine lückenlose Dokumentation der verwendeten Bauprodukte und des Gebäudes ist für kreislaufgerechtes Bauen essenziell. Digitale Tools können dabei unterstützen. Das Gutachten schlägt daher erstens einen europäischen Standard für die digitale Dokumentation vor – etwa in Form einer frei zugänglichen Software für den Gebäuderessourcenpass. Zweitens soll der Bund Standards für digitale Tools, Datenbanken und andere Plattformen vorantreiben und Schnittstellen sichern.
2. Qualifizierung: Wissen vermitteln
Auch das notwendige Fachwissen zum zirkulären Bauen ist noch nicht in der Branche angekommen. Das Gutachten empfiehlt, Lehrpläne für handwerkliche Ausbildungen und baufachliche Studiengänge entsprechend zu aktualisieren und Weiterbildungsangebote umfassend zu fördern. Auch Verwaltungen sollen einbezogen werden: Genehmigungsverfahren, etwa im Brand- oder Denkmalschutz, verlängern Umbauprozesse häufig. Eine Qualifizierungsoffensive kann Sachbearbeitende unterstützen und bessere Entscheidungsgrundlagen schaffen.
3. Förderung: Anreize setzen
Das Gutachten schlägt verschiedene Fördermaßnahmen zum zirkulären Bauen vor, darunter eine Verteuerung von Primärbaustoffen – etwa in Form einer Primärbaustoffsteuer – oder gezielte Mehrwertsteuersenkungen für Sekundärbaustoffe sowie eine Erweiterung bestehender Förderungen um Zirkularitätskriterien. Auch eine Stärkung der Aufbereitungsstrukturen von Bauteilbörsen ist dabei zentral.
4. Rechtlicher Rahmen: Hürden abbauen
Aktuelle rechtliche Rahmenbedingungen und uneinheitliche Normen erschweren den erneuten Einsatz von Bauprodukten. Das Gutachten empfiehlt daher, Anforderungen an Sekundärbaustoffe konsequent zu normieren. Auch schlägt es vor, die erweiterte Herstellerverantwortung künftig auch national auf Bauprodukte auszuweiten. Neue Regelungen zum Ende der Abfalleigenschaft für Sekundärbaustoffe sollen deren Einsatz im Hoch- und Tiefbau erleichtern.
5. Öffentliche Hand: Als Vorbild vorangehen
Gerade Bund, Länder und Kommunen können bei der Vergabe laut Gutachten neue Maßstäbe setzen. Als großer Auftraggeber kann die öffentliche Hand maßgeblich zur Etablierung zirkulärer Bauweisen beitragen – etwa, indem sie sekundäre Baustoffe gezielt nachfragt und die Klimawirkung von Angeboten stärker berücksichtigt.
Download des Gutachtens
Weitere Informationen finden sich in dem Gutachten „Zirkulär bauen: Bestand erhalten, Kreisläufe schließen“ des Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU):
Zirkulär bauen – Bestand erhalten, Kreisläufe schließen
Zirkuläres Bauen schont sowohl Klima als auch Rohstoffe und kann langfristig Kosten sparen. Wie dieser Ansatz stärker in die Umsetzung kommen kann, erläutert der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) in einer Stellungnahme.