Forschungsprojekt: Kompaktes, bezahlbares Wohnen
Stand: April 2026
Kostengünstig und zugleich umweltschonend bauen? Das geht, wenn geltende Standards hinterfragt und Gebäude kompakter und tiefer geplant werden – so die Erkenntnisse eines Forschungsprojekts der TU München.
18 bis 20 Euro pro m2 sind als Mietpreis im mehrgeschossigen Neubau längst keine Seltenheit mehr. Bezahlbarer und sozialverträglicher Wohnraum bleibt damit weiterhin eine große Herausforderung. Vor diesem Hintergrund hat ein Forschungsprojekt der TU München geltende Standards für den Neubau überprüft und Einsparpotenziale identifiziert. Gefördert wurde das Projekt im Rahmen des Strategiedialogs „Bezahlbares Wohnen und innovatives Bauen“ des Landes Baden-Württemberg.
Tiefere Gebäude im Fokus
Im Zentrum der Analyse steht die Gebäudetiefe. Wesentliche Vorteile von Grundrissen, die zwischen Vorder- und Rückfassade mehr Raum vorsehen: Die Fläche der Gebäudehülle – die sowohl kostenintensiv ist als auch maßgeblich zu Wärmeverlusten beiträgt – ist dadurch verringert. Eine optimierte Gebäudegeometrie wirkt sich entsprechend nicht nur positiv auf Bau- und Betriebskosten aus, sondern senkt auch die CO2-Emissionen. Zwar wird es mit zunehmender Tiefe schwieriger, alle Räume ausreichend mit Tageslicht zu versorgen, aber die Studie zeigt, dass sich dieser Nachteil bis zu einem gewissen Grad durch geeignete Maßnahmen – etwa eine größere Raumhöhe – ausgleichen lässt.
Spänner-Typologie: Kosten senken, Ressourcen sparen
Im Rahmen des Forschungsprojekts wurden verschiedene Gebäudetypologien mit Tiefen von bis zu 19,3 Metern analysiert und mit einem Referenzgebäude verglichen. Ein zentrales Ergebnis: Besonders gut schneidet eine kompakte, in der Studie weiterentwickelte Spänner-Typologie ab. Dabei werden mehrere Wohnungen effizient über ein Treppenhaus und einen zentralen Flur erschlossen, sodass auch größere Gebäudetiefen wirtschaftlich realisierbar sind.
Mit dieser Bauweise und insgesamt kompakteren Gebäudeformen können auf gleicher Grundfläche mehr Wohnungen realisiert und günstigere Mietpreise ermöglicht werden. Laut Studie sinken die Kaltmieten dann um rund 4 Prozent, während die Mieteinnahmen um etwa 2,5 Prozent steigen. Die Konstruktionskosten reduzieren sich um 6 bis 8 Prozent. Zugleich gehen die grauen Emissionen um rund 10 Prozent zurück, da durch die kompaktere Bauweise weniger Material für die Gebäudehülle benötigt wird.
Die Ergebnisse sollen künftig in einem Reallabor im baden-württembergischen Ludwigsfelde erprobt werden.
Weiterführende Infos
Weitere Informationen finden sich in der Studie „Suffizient Bauen: Potenziale für kostengünstigen und nachhaltigen Geschosswohnungsbau“.
zur Website des Strategiedialogs „Bezahlbares Wohnen und innovatives Bauen“