Zertifizierungen und Gütesiegel bei Wärmepumpen: Von EU-Ökodesign-Richtlinie bis SG-Ready
Stand: Mai 2026
Es gibt verschiedene Zertifizierungen, Gütesiegel und Richtlinien, die Wärmepumpen anhand unterschiedlicher Kriterien bewerten. Sie geben Auskunft darüber, ob eine Wärmepumpe die technischen Anforderungen vorhandener Normen erfüllt, bestimmte Effizienzklassen erreicht, Smart Grid Ready ist oder klimafreundliche Kältemittel verwendet. Für Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer geben diese Nachweise Orientierung beim Kauf und Vergleich verschiedener Modelle. Hersteller wiederum profitieren durch eine verbesserte Vertrauensbasis, wenn die Geräte zertifiziert sind und dies sichtbar wird.
Neben der verpflichtenden Ökodesign-Richtlinie, die den gesamten europäischen Markt betrifft, gibt es unterschiedliche freiwillige Zertifizierungen und Gütesiegel. Bei diesen gelten die entsprechenden Pflichten nur für das Gerät und weniger für den Planungs- und Installationsprozess oder das System mit Hydraulik und Speicher. Neben den Gütesiegeln oder Zertifizierungen gibt es auch die Mindestanforderungen der Bundesförderungen für effiziente Gebäude (BEG). Diese Anforderungen zu erfüllen ist keine Pflicht, aber Voraussetzung, um in Deutschland gefördert zu werden.
EU-Ökodesign-Richtlinie
Die EU-Ökodesign-Richtlinie bzw. ErP-Richtlinie (Energy-related Products Directive) legt Mindestanforderungen an die Energieeffizienz und weitere Produktaspekte für energieverbrauchsrelevante Geräte fest, darunter Heizgeräte und Wärmepumpen. Sie ist die Grundlage dafür, dass ineffiziente Produkte nicht mehr in Verkehr gebracht werden dürfen, da sie ohne Erfüllung der Mindestanforderungen keine CE-Kennzeichnung erhalten. Die CE-Kennzeichnung ist der Nachweis zur Einhaltung der Ökodesign-Vorgaben. Für Wärmepumpen gelten seit 2015 stufenweise verschärfte Effizienzvorgaben. Das System ist komplementär zum EU-Energielabel, das Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer über Effizienzklassen informiert. Für Wärmepumpen bis 70 kWth ist die Kennzeichnung verpflichtend.
Folgend aufgelistete Anforderungen zu Effizienz, Schallleistungspegel und Produktinformationen finden sich in der Verordnung (EU) Nr. 813/2013.
Anforderungen an die jahreszeitbedingte Raumheizungs-Energieeffizienz (ETAs)
- ETAs bei Niedertemperatur Anwendung (35 Grad Celsius): >125 Prozent
- ETAs bei Mitteltemperatur Anwendung (55 Grad Celsius): >110 Prozent
Anforderungen an den Schallleistungspegel bei Norm-Nennbedingungen
- Wärmenennleistung: <=6 kWth
- Max. Schallleistungspegel innen: 60 dB
- Max. Schallleistungspegel außen: 65 dB
- Wärmenennleistung: >6 kWth und <=12 kWth
- Max. Schallleistungspegel innen: 65 dB
- Max. Schallleistungspegel außen: 70 dB
- Wärmenennleistung: >12 kWth und <= 30 kWth
- Max. Schallleistungspegel innen: 70 dB
- Max. Schallleistungspegel außen: 78 dB
- Wärmenennleistung: >30 kWth und <= 70 kWth
- Max. Schallleistungspegel innen: 80 dB
- Max. Schallleistungspegel außen: 88 dB
Anforderungen an die Produktinformationen
Angaben zu Wärmenennleistung und Leistungszahl (COP) müssen bei folgenden Temperaturen der Wärmequelle erfolgen:
- -7 Grad Celsius
- 2 Grad Celsius
- 7 Grad Celsius
- 12 Grad Celsius
Heat Pump KEYMARK
Heat Pump KEYMARK ist ein freiwilliges, unabhängiges europäisches Zertifikat, das die Europäische Standardisierungs-Organisation CEN eingeführt hat und vom EHPA-Sekretariat (European Heat Pump Association) koordiniert wird. Es weist durch Drittparteitests Produktleistung und Konformität mit einschlägigen europäischen Normen nach. Die Kriterien der Zertifizierung beinhalten die Einhaltung der geltenden Normen und gehen nicht darüber hinaus oder enthalten weitere Anforderungen an Wärmepumpen. Die Heat Pump KEYMARK gibt dabei zulässige Toleranzen zwischen Prüf- und Herstellerwerten sowie Anpassungen bei zu großen Abweichungen vor. Außerdem gibt es Anforderungen an das Qualitätsmanagement innerhalb der Fertigung von Wärmepumpen, das sicherstellen soll, dass alle KEYMARK gekennzeichneten Produkte die Anforderungen der Zertifizierungsregeln einhalten.
Die Prüfung erfolgt nach CEN-Standards mit unabhängigen, akkreditierten Testlaboren. Neben Leistungsdaten werden auch Geräuschemissionen und deklarierte Daten in die Heat Pump KEYMARK Datenbank eingegeben Die Zertifizierung kann für Einzelmodelle und Modellreihen erfolgen. Ein zentrales Online-Register zeigt die Anzahl von Modellen und Subtypen.
Eurovent Certified Performance (ECP)
Eurovent Certified Performance (ECP) ist eine freiwillige, herstellerübergreifende Leistungszertifizierung, die Katalogdaten von Wärmepumpen und Klimageräten unabhängig überprüft. Im Programm LCPHP werden u.a. saisonale Effizienzkennwerte wie ETAs, SCOP und für reversible Geräte auch SEER nach EN-Normen verifiziert. Damit schafft Eurovent Planungs- und Ausschreibungssicherheit, weil die veröffentlichten Leistungs- und Schalldaten regelmäßig stichprobenhaft getestet werden. Neben Heizleistung und Effizienz umfasst die Verifizierung auch akustische Kennwerte gemäß EN 12102. Teilnehmende Hersteller werden in einer öffentlichen Datenbank geführt.
EHPA Gütesiegel
Das EHPA Gütesiegel ist ein europäisches Qualitätszeichen der European Heat Pump Association für Wärmepumpen, das auf Tests nach EN-Normen und EHPA-Prüfregeln beruht. Es legt Mindestanforderungen an Effizienz (z.B. SCOP-Schwellen je Technologie und Anwendung) sowie an technische Unterlagen, Organisation des Kundendienstes und Garantie fest. Das EHPA-Gütesiegel gibt es in verschiedenen europäischen Ländern. Teilnehmende Länder sind: Österreich, Belgien, Tschechien, Dänemark, Finnland, Deutschland, Niederlande, Polen Slowakei, Schweden, Schweiz, Großbritannien und Frankreich. Die Wärmepumpen sind in nationalen Gütesiegellisten eingetragen.
Die vom Hersteller angegebenen Kennwerte zu Leistung (Wirkungsgrad, Heizleistung) und Schallleistungspegel (z.B. technisches Datenblatt) dürfen nicht mehr als 5 Prozent (Wirkungsgrad, Heizleistung) und 2 dB(A) (Schallleistungspegel) von den von der Prüfstelle ermittelten Werten abweichen. Im Fall einer größeren Abweichung müssen die Herstellerwerte an die Prüfergebnisse angepasst werden. Die zulässigen Prüfstellen finden sich auf der Webseite des EHPA.
Anforderungen aus der BEG
Die Bundesförderung für effiziente Gebäude – Einzelmaßnahmen (BEG EM) gibt für Wärmepumpen technische Mindestanforderungen vor, die über die EU-Ökodesign-Richtlinie hinausgehen und für einen Eintrag in die BAFA-Liste mit Prüf-/Effizienznachweis nachgewiesen werden müssen.
Blauer Engel
Der Blaue Engel für Wärmepumpen (DE-UZ 230) ist ein deutsches Umweltzeichen des Umweltbundesamtes mit Kriterien zu Effizienz, Kältemitteln und Geräuschemissionen. Ausgezeichnet werden serienmäßig hergestellte, elektrisch angetriebene Wärmepumpen. Die Kriterien umfassen u.a. Mindest-SCOP-Anforderungen (je nach Anwendungsfall), Obergrenzen für Schallleistung und Vorgaben zur Verwendung von Kältemitteln mit niedrigem Treibhauspotenzial (GWP). Das Zeichen zielt darauf ab, besonders umweltfreundliche Geräte hervorzuheben und geht über gesetzliche Mindeststandards hinaus. Die Kriterien wurden im Juli 2025 aktualisiert. So müssen Wärmepumpen seither mit der Kompensationsmethode geprüft werden, um ausgezeichnet zu werden. Diese Methode weicht von der bisher gängigen Prüfung nach DIN EN 14511 ab und soll Effizienz-Kennwerte realitätsnäher abbilden, da die Wärmepumpe eine konstante Leistung im Prüfprozess bereitstellen muss und die Regelung der Wärmepumpe aktiv ist. Zusätzlich gibt es Anforderungen an Garantie und Dienstleistungen, die in den Kriterien des Blauen Engels aufgelistet sind. Aktuell ist keine Wärmepumpe beim Blauen Engel als zertifiziert gelistet.
SG Ready (Bundesverband Wärmepumpe)
SG Ready ist ein vom Bundesverband Wärmepumpe (BWP) getragenes Label für die Netzdienlichkeit und Schnittstellenfähigkeit von Wärmepumpen. Damit werden Geräte und Komponenten gekennzeichnet, die sich dank digitaler Steuerung flexibel an Last- und Netzbedingungen anpassen lassen. Hersteller müssen Planungs- und Einstellunterlagen bereitstellen, die die Integration in Lastmanagement und die korrekte Parametrierung beschreiben. Das Label bezieht sich immer auf Wärmepumpe plus verwendete Regelung und kompatible Systemkomponenten. Eine öffentliche Datenbank erleichtert die Identifikation kompatibler Geräte und Komponenten. In Deutschland wird SG Ready teils in Förderkriterien als Nachweis für netzdienliche Steuerbarkeit anerkannt. Alternativ gilt VHPready 4.0 als gleichwertiger Nachweis für die Kommunikation in virtuellen Kraftwerken bzw. Smart Grids.
Anforderungen des SG Ready-Labels beziehen sich auf die Betriebszustände, die eine Wärmepumpe abdecken muss. Schnittstellenkompatible Systemkomponenten müssen über eine Logik zur Ansteuerung von Wärmepumpen verfügen, die die Betriebszustände für Wärmepumpen nutzt.
Es müssen Unterlagen für die Modelle bzw. Baureihen vorhanden sein, die beschreiben, wie die Systemkomponenten einzustellen sind, um SG Ready-fähige Wärmepumpen anzusteuern. Diese sind den Antragsunterlagen mit beizufügen.