Projekt
Das Wohngebäude U10 in Kassel entstand in der letzten, 13 Meter breiten innerstädtischen Baulücke des Martini-Quartiers und folgt konsequent dem Prinzip der Suffizienz.
Das Projekt reduziert Wohnfläche, Materialeinsatz und Energiebedarf bei gleichbleibender Nutzungsqualität. Der Entwurf greift mehrere aktuelle Anforderungen auf: den Bedarf an bezahlbarem Wohnraum, ressourcenschonendes Bauen sowie Ansätze für Wohngebäude mit weniger Fläche und reduzierter Technik.
Das Suffzienzhaus verbindet diese Ansätze in einem kompakten Baukörper, einem flexiblen Wohnkonzept und einer Materialstrategie mit wiederverwendeten Bauteilen.
Der Baukörper ist klar organisiert, die Erschließung wurde minimiert und teilweise außerhalb des Gebäudes angeordnet. So verringern sich Hüllfläche und beheiztes Volumen.
Auch in den Grundrissen setzt sich dieser Reduktionsansatz fort: Ein zentraler Installationsstrang versorgt pro Geschoss jeweils zwei Bäder und zwei Küchen. Dadurch wird die Haustechnik vereinfacht und den technischen Aufwand reduziert.
Die fünf Wohneinheiten können in bis zu neun Wohnbereiche gegliedert und als Paarwohnung, Wohngemeinschaft oder Clusterwohnung genutzt werden. Gemeinschaftlich genutzte Flächen ergänzen die privaten Räume und senken den individuellen Flächenbedarf pro Person.
Auf ein ressourcenintensives Kellergeschoss wurde verzichtet. Stattdessen liegen auf dem Dach unbeheizte Flächen wie Waschküche, Trockenbereich und weitere flexibel nutzbare Räume. Im Erdgeschoss schafft ein offener Durchgang zusätzliche Flächen für Fahrräder, Werkstatt und Sharing-Stellplätze.
Klimawirkung
Gegenüber einer konventionellen Ausführung spart die Bauweise insgesamt 124 Tonnen CO₂-Äquivalent ein.
- Energieeffizienz
- Neubau
- Wohngebäude
- Zirkuläres Bauen
Bautafel
Gebäudetyp & Bauvolumen
• Wohngebäude in Massivholzbauweise mit 5 Wohneinheiten, flexibel aufteilbar in bis zu 9 Wohnbereiche
• Bauvolumen: 1821,58 m³
• Gebäudenutzfläche: 582,91 m²
Bauzeit
• August 2023 bis September 2024
Baukosten
• KG 300 + 400: 1.670.000 €
• ca. 2.650 € brutto/m² Wohnfläche
Energetischer Zustand
• KfW Effizienzhaus 55 (EE)
• Primärenergiebedarf: 13,3 kWh/(m²a)
• Endenergiebedarf: 43,0 kWh/(m²a)
• Treibhausgasemissionen: 3,2 kg CO₂-Äq./(m²a)
Verwendetes Material
• Massivholzbau aus Brettsperrholz
• nichttragende Innenwände in Holzständerbauweise
• Dämmung aus Mineralwolle, Holzweichfaser und Holzfaserdämmung
• teilweise Lehmputz im Innenraum
Verwendete Gebäudetechnik
• Fernwärme und Solarthermie für Heizung und Warmwasser
• Solarthermie deckt ca. 40 bis 50 % des Gesamtenergiebedarfs
• Low-Tech-Konzept mit einfacher Haustechnik
• manuelle Fensterlüftung, passive Kühlung
• Regenwassernutzung für Toilettenspülung und Gartenbewässerung
• vorinstallierte Anschlüsse für Balkonkraftwerke
Zirkuläres Bauen
• Fassade aus aussortierten Faserzementplatten, gebrauchten Wellblechen, Naturschiefer und gereinigtem Abbruchklinker
• ca. 50 % der Holzfenster aus nicht realisiertem Bauvorhaben
• weitere ReUse-Bauteile u. a. Geländer, Tore, Gehwegplatten, Heizkörper, Sanitärobjekte, Briefkästen, Innentüren und Fliesen
• reversible Verbindungen in Holzbau, Stahlbau und Fassade
Herausforderungen
Das Projekt nutzt eine ressourcenschonende Bauweise. Das Gebäude ist ein Massivholzbau. Wände und Decken bestehen aus Holzbauelementen, kurze Spannweiten ermöglichen eine wirtschaftliche und materialsparende Konstruktion. Auch bei Innenwänden, Bodenbelägen und Dämmstoffen kamen möglichst nachwachsende Rohstoffe zum Einsatz. Die Verbindungen in Holzbau, Stahlbau und Fassade sind weitgehend reversibel angelegt. Verschraubte Konstruktionen erleichtern bei einem späteren Rückbau die Trennung der Bauteile und verbessern so die Voraussetzungen für eine erneute Nutzung.
ReUse-Bauteile kommen in vielen Gewerken zum Einsatz. Die Fassaden bestehen vollständig aus aussortierten Faserzementplatten, gebrauchten Wellblechtafeln, Schieferschindeln und gereinigtem Klinker aus dem Umfeld des Quartiers. Die Hälfte der Holzfenster stammt aus einem nicht realisierten Bauvorhaben. Weitere Bauteile wie Balkon- und Terrassengeländer, Eingangstore, Gehwegplatten, Heizkörper, Sanitärobjekte und Briefkästen wurden aus gebrauchten Beständen übernommen und aufgearbeitet. Im Innenausbau kamen Restbestände an Fliesen sowie gebrauchte Innentüren zum Einsatz. Das Projekt zeigt, dass Wiederverwendung in vielen Gewerken möglich ist, wenn Planung, Suche, Aufbereitung und Einbau früh aufeinander abgestimmt werden.
Die energetische Qualität des Gebäudes beruht auf dem Zusammenspiel aus kompakter Bauform, reduziertem beheiztem Volumen, einfacher Technik und ressourcenschonender Konstruktion. Das Gebäude erreicht den Standard KfW Effizienzhaus 55. Fernwärme und Solarthermie decken Heizung und Warmwasser. Die Solarthermie übernimmt dabei etwa 40 bis 50 Prozent des Gesamtenergiebedarfs. Ergänzend senken Regenwassernutzung und vorbereitete Anschlüsse für Balkonkraftwerke den Ressourcenverbrauch im Betrieb.
Die gewählten Strategien wirken sich auch wirtschaftlich aus. Die Baukosten für die Kostengruppen 300 und 400 lagen bei rund 2.650 Euro brutto pro Quadratmeter vermietbarer Fläche und damit unter den Kosten vergleichbarer konventionell errichteter Wohngebäude. Die kompakte Bauweise, die einfache Technik und gemeinschaftlich getragene Strukturen führen zu geringeren laufenden Kosten. Die Hausgemeinschaft übernimmt Teile von Hausmeistertätigkeiten, Reinigung und Gartenpflege eigenverantwortlich. Dadurch werden gemeinschaftliche Nutzungs- und Organisationsformen unterstützt.
Ziele & Erfolge
Das Projekt nutzt eine ressourcenschonende Bauweise. Das Gebäude ist ein Massivholzbau. Wände und Decken bestehen aus Holzbauelementen, kurze Spannweiten ermöglichen eine wirtschaftliche und materialsparende Konstruktion. Auch bei Innenwänden, Bodenbelägen und Dämmstoffen kamen möglichst nachwachsende Rohstoffe zum Einsatz. Die Verbindungen in Holzbau, Stahlbau und Fassade sind weitgehend reversibel angelegt. Verschraubte Konstruktionen erleichtern bei einem späteren Rückbau die Trennung der Bauteile und verbessern so die Voraussetzungen für eine erneute Nutzung.
ReUse-Bauteile kommen in vielen Gewerken zum Einsatz. Die Fassaden bestehen vollständig aus aussortierten Faserzementplatten, gebrauchten Wellblechtafeln, Schieferschindeln und gereinigtem Klinker aus dem Umfeld des Quartiers. Die Hälfte der Holzfenster stammt aus einem nicht realisierten Bauvorhaben. Weitere Bauteile wie Balkon- und Terrassengeländer, Eingangstore, Gehwegplatten, Heizkörper, Sanitärobjekte und Briefkästen wurden aus gebrauchten Beständen übernommen und aufgearbeitet. Im Innenausbau kamen Restbestände an Fliesen sowie gebrauchte Innentüren zum Einsatz. Das Projekt zeigt, dass Wiederverwendung in vielen Gewerken möglich ist, wenn Planung, Suche, Aufbereitung und Einbau früh aufeinander abgestimmt werden.
Die energetische Qualität des Gebäudes beruht auf dem Zusammenspiel aus kompakter Bauform, reduziertem beheiztem Volumen, einfacher Technik und ressourcenschonender Konstruktion. Das Gebäude erreicht den Standard KfW Effizienzhaus 55. Fernwärme und Solarthermie decken Heizung und Warmwasser. Die Solarthermie übernimmt dabei etwa 40 bis 50 Prozent des Gesamtenergiebedarfs. Ergänzend senken Regenwassernutzung und vorbereitete Anschlüsse für Balkonkraftwerke den Ressourcenverbrauch im Betrieb.
Die gewählten Strategien wirken sich auch wirtschaftlich aus. Die Baukosten für die Kostengruppen 300 und 400 lagen bei rund 2.650 Euro brutto pro Quadratmeter vermietbarer Fläche und damit unter den Kosten vergleichbarer konventionell errichteter Wohngebäude. Die kompakte Bauweise, die einfache Technik und gemeinschaftlich getragene Strukturen führen zu geringeren laufenden Kosten. Die Hausgemeinschaft übernimmt Teile von Hausmeistertätigkeiten, Reinigung und Gartenpflege eigenverantwortlich. Dadurch werden gemeinschaftliche Nutzungs- und Organisationsformen unterstützt.
Lessons learned
Auszeichnungen
- DMK Award für nachhaltiges Bauen 2025: 1. Preis in der Kategorie Wohnbau
- Heinze ArchitekturAWARD 2025: 1. Preis in der Kategorie „Wohnen + Beherbergung“
- Deutscher Nachhaltigkeitspreis Architektur 2025: Finalist (Nominierung)
m³ Bauvolumen
Das Projekt hat ein Bauvolumen von 1821,58 m³ bei einer Gebäudenutzfläche von 582,91 m².
Tonnen Einsparung
Die Bauweise spart gegenüber einer konventionellen Ausführung insgesamt 124 Tonnen CO₂-Äquivalent ein.
kWh/(m²a) Endenergiebedarf
Der Endenergiebedarf beträgt 43,0 kWh/(m²a).
Das U10 zeigt, dass Suffizienz im Wohnungsbau als konkreter Entwurfsansatz tragfähig ist, wenn räumliche Organisation, Nutzung, Konstruktion und Technik früh zusammen gedacht werden. Gemeinschaftlich nutzbare Flächen können den individuellen Wohnflächenbedarf verringern, ohne die Nutzung einzuschränken. Zugleich wird deutlich, dass ReUse im Neubau möglich ist, aber einen höheren Koordinationsaufwand und flexible Planungsprozesse erfordert. Übertragbar ist dabei nicht nur die Materialstrategie, sondern auch das Zusammenspiel von einfacher Technik, flächensparender Organisation und einer Hausgemeinschaft, die an Nutzung und Weiterentwicklung des Gebäudes mitwirkt. Damit liefert U10 einen Ansatz, wie sich Klimaschutz, Ressourcenschonung und bezahlbarer Wohnraum im urbanen Kontext zusammenbringen lassen.