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Neuer Bericht: Wie kreislauffähig ist der Gebäudesektor?

Stand: März 2026
Foto, großes Lager mit gestapelten Dachziegeln und Baumaterialien auf Paletten im Freien

Im deutschen Gebäudebestand sind über 20 Milliarden Tonnen Material verbaut. Ist zum Lebensende eines Gebäudes der Abriss unvermeidbar, landen Türen und Fenster, Ziegel und Betonteile noch immer als Bauschutt auf der Deponie – obwohl viele der Materialien für eine erneute Nutzung geeignet wären. Wie kreislauffähig der deutsche Gebäudesektor heute tatsächlich ist und wo Verbesserungspotenziale liegen, zeigt ein neuer Bericht des Gebäudeforums klimaneutral.

Der Gebäudesektor ist einer der ressourcenintensivsten Wirtschaftsbereiche in Deutschland. Auf ihn entfällt mehr als die Hälfte des deutschen Abfallaufkommens. Zugleich fließt fast die Hälfte des inländischen Rohstoffabbaus in die Herstellung von Baumaterialien. Ein Ausweg liegt in der stärkeren Nutzung von Sekundärmaterialien. Nach EU-Vorgaben soll sich ihr Anteil bis 2030 auf 22,4 Prozent erhöhen – und damit gegenüber 2024 insgesamt verdoppeln. Der Bericht „Kreislauffähigkeit des deutschen Gebäudesektors“ bietet eine aktuelle Bestandsaufnahme und analysiert zentrale Hemmnisse und Lösungsstrategien. Dabei stehen vor allem Baumaterialien und -elemente im Fokus. Drei Beispiele:

Beton – viel eingesetzt, begrenzt recyclingfähig

Mit rund 40 Prozent der Gesamtmasse ist Beton der mit Abstand meistverbaute Baustoff in Deutschland. Im Vergleich zu anderen Baustoffen ist Beton jedoch nur sehr eingeschränkt hochwertig recyclebar – sowohl hinsichtlich technischer als auch wirtschaftlicher Aspekte. Bislang kommt nur weniger als 1 Prozent erneut als Recyclingbeton zum Einsatz. Ein Großteil wird downgecycelt und etwa im Straßen- und Wegebau verwendet. Potenziale bietet hingegen die Wiederverwendung von Betonfertigteilen wie Stützen, Trägern oder Hohldecken. Voraussetzung dafür ist jedoch eine frühzeitige Planung und eine digitale Erfassung der Bauteile.

Stahl – Spitzenreiter bei der Kreislauffähigkeit

Metalle – davon überwiegend Stahl und Gusseisen – machten 2022 mit 1.040 Millionen Tonnen rund 5 Prozent der gesamten Gebäudemasse aus. Vor allem im Nichtwohnungsbau ist der Anteil hoch. Vorteile in Sachen Kreislauffähigkeit: Stahl lässt sich magnetisch von anderen Materialien trennen und kann beliebig oft und ohne Qualitätsverlust recycelt werden. Entsprechend hoch ist die Recyclingquote mit 97 bis 99 Prozent.

Holz – Baustoff mit Zukunftspotenzial

Holz macht derzeit deutlich weniger als 5 Prozent der Gebäudemasse aus. Allerdings zählt es zu den wichtigsten nachwachsenden Baustoffen in Deutschland, und sein Anteil wächst kontinuierlich. Obwohl verbautes Altholz robust und grundsätzlich gut wieder- und weiterverwendbar ist, wird es in den meisten Fällen energetisch genutzt und nach dem Rückbau verbrannt. Etwa 30 Prozent werden stofflich – überwiegend als Spanplatten – weiterverarbeitet. Um die Quote zu erhöhen, müssen Holzabfälle sortenrein getrennt werden und frei von Schadstoffen sein. Voraussetzungen, die in der Praxis durch Klebeverbindungen, Anstriche oder Beschichtungen vielfach nicht gegeben sind.

Kreislauffähigkeit steigern: Hebel für die Praxis

Der Bericht weist nicht nur für einzelne Materialien, sondern ebenso für wertvolle Bauteile eine unzureichende Kreislauffähigkeit nach. Zugleich liegt eine umfassende Analyse zu den Kreislaufpotenzialen des deutschen Gebäudesektors vor, auf deren Basis wichtige Fortschritte erzielt werden können. Fest steht: Um die Kreislauffähigkeit zu verbessern, muss das Thema über den gesamten Lebenszyklus mitgedacht werden – von der Planung bis zum Rückbau:

  • Designphase: Bereits in der Planung sollten Rückbau und sortenreine Trennbarkeit der Materialien mitgedacht werden. Digitale Werkzeuge wie Gebäuderessourcenpässe oder BIM können dabei helfen, Materialdaten dauerhaft verfügbar zu machen.
  • Konstruktionsphase: Bauteile sollten möglichst lösbar verbunden und ohne problematische Klebeverbindungen oder chemische Schutzmittel eingesetzt werden. Besonders modulare Bauweisen erleichtern einen späteren Rückbau.
  • End-of-Life-Phase: Materialinventare und Rückbaukonzepte sollten frühzeitig erstellt werden. Zertifizierungen und Versicherungen können dabei Qualitäts- und Haftungsfragen absichern.

Download des Berichts sowie weiterer Checklisten

Mehr Informationen finden sich in dem Bericht „Kreislauffähigkeit des deutschen Gebäudesektors“ des Gebäudeforums klimaneutral. Zusätzlich stellt das Gebäudeforum klimaneutral Praxischecklisten für Auftraggebende, Planende und Ausführende zur Verfügung. 

  • Studien & Berichte

    Kreislauffähigkeit des deutschen Gebäudesektors

    Der Gebäudesektor birgt große Potenziale für Ressourcenschonung und Klimaschutz. Der Bericht zeigt, wie Kreislaufwirtschaft im Bauwesen Emissionen senken und neue Wertschöpfung ermöglichen kann.

    Stand: März 2026

    PDF 2 MB barrierefrei

  • Checklisten

    Checkliste für Auftraggebende – Die Weichenstellung für Zirkularität (Projektinitiation)

    Die Checkliste hilft Auftraggebenden, Zirkularität als verbindliches Ziel zu setzen. Sie unterstützt bei der Definition von Pflichten, Honorierungsmodellen und der Einbindung von Fachplanung, damit Kreislauffähigkeit über alle Phasen Priorität behält.

    Stand: März 2026

    PDF 207 KB barrierefrei

  • Checklisten

    Checkliste für Planende – Die Basis für zirkuläre Gebäude (Planungsphase)

    Planende legen die Basis für zirkuläre Gebäude. Die Checkliste bietet Hilfestellung zu Design for Disassembly, BIM-Planung und Materialwahl, um Demontagefähigkeit und langfristige ökologische Rahmenbedingungen für das Projekt sicherzustellen.

    Stand: März 2026

    PDF 238 KB barrierefrei

  • Checklisten

    Checkliste für Ausführende – Qualitätssicherung im Einbau (Bauphase)

    Diese Checkliste sichert die Realisierung von Zirkularität vor Ort. Sie unterstützt Ausführende bei der präzisen Umsetzung der Planung, beim sortenreinen Abfallmanagement und der Dokumentation, um den Werterhalt der Materialien dauerhaft zu ermöglichen.

    Stand: März 2026

    PDF 210 KB barrierefrei

Begleitende Veranstaltung

Am Dienstag, den 24.03.2026 von 14.00 bis 16.00 Uhr stellen die Autorinnen und Autoren in einer Online-Veranstaltung den Bericht „Kreislauffähigkeit des deutschen Gebäudesektors“ vor und diskutieren zentrale Hebel für mehr Kreislauffähigkeit im Bauwesen.

Weitere Informationen können auf der Veranstaltungsseite abgerufen werden. Die Vorträge der Referierenden werden dort nach Ende der Veranstaltung zum Download angeboten.

zur Veranstaltungsseite

Themenschwerpunkt: Kreislaufwirtschaft im Gebäudesektor

Der Themenschwerpunkt „Kreislaufwirtschaft im Gebäudesektor" zeigt, wie zirkuläres Bauen im Bestand und Neubau umgesetzt werden kann und welche Rolle Politik, Planung und Praxis dabei spielen.

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