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„Die Wärmepumpe wird sich ohnehin durchsetzen!"

Stand: Februar 2026
Foto, Prof. Dr.-Ing. Bert Oschatz

Im Neubau hat die Wärmepumpe fossile Heizsysteme bereits überholt. Und auch im Gebäudebestand wird sie nach Einschätzung von Prof. Bert Oschatz vom ITG Dresden langfristig dominieren.

Im Gespräch erläutert er, warum es dennoch sinnvoll sein kann, in der Übergangszeit auf hybride Lösungen zu setzen.

Prof. Oschatz, was macht die Wärmepumpe so stark?

Das System ist einfach enorm effizient. Aus einer Kilowattstunde Strom entstehen drei bis vier Kilowattstunden Wärme – und Strom ist der Energieträger, den wir am besten erneuerbar bereitstellen können. Hinzu kommt: Installation und Einbau werden mit wachsender Erfahrung im Handwerk günstiger und zuverlässiger, zudem sinken Gerätepreise. Ich bin überzeugt, dass die Wärmepumpe sich als Standardlösung langfristig durchsetzen wird – nicht nur im Neubau, sondern auch im Bestand. Trotzdem sollten wir andere Lösungen nicht ganz ausblenden. Hybride Varianten können als Übergangslösung eine wichtige Rolle spielen, die fossilen Anteile können später durch grüne Energieträger ersetzt werden. Auch Stromdirektheizungen sind für eine Reihe von Anwendungsfällen geeignet.

In welchen Fällen ist das sinnvoll?

Für Menschen mit begrenztem Budget ist eine kleine Wärmepumpe zum bestehenden Gaskessel schon ein guter Anfang und kann bereits zwei Drittel der Emissionen einsparen. Trotzdem werden hybride Systeme im Einfamilienhaus eher selten bleiben, solange die Stromtarife nicht sehr deutlich dynamisch sind. Interessant wird es bei größeren Gebäuden und Liegenschaften. Am ITG Dresden beraten wir zum Beispiel ein Unternehmen, das Reihenhäuser entwickelt. Das Unternehmen setzt dabei auf Nahwärmenetze, die Luft-Wasser-Wärmepumpen mit Biomethan-Spitzenlastkesseln kombinieren. Das senkt die Investitionskosten gegenüber der reinen Wärmepumpenlösung bei gleichzeitig guter CO2-Bilanz.

Welche Rolle werden Infrarotheizungen in Zukunft spielen?

Sie werden oft unterschätzt. Viele kennen sie nur vom Wickeltisch oder aus großen Industriehallen. Dabei können elektrische Infrarotheizungen auch als Ergänzung zur Wärmepumpe sinnvoll sein: Zwar arbeiten sie deutlich weniger effizient und erzeugen mit einer Kilowattstunde Strom gerade mal ein Viertel so viel Wärme wie eine Wärmepumpe. Aber sie sind günstig in der Anschaffung und können Räume schnell aufheizen. Gerade wenn Wärmepumpen in schlecht sanierten Altbauten mit geringen Vorlauftemperaturen laufen, kann eine Infrarotheizung an besonders kalten Tagen unterstützen.

Wo sehen Sie die größten Innovationspotenziale in der Wärmewende?

In der Digitalisierung. Viele Heizsysteme arbeiten noch mit Steuerungstechniken aus den 90ern. Dabei könnten smarte Systeme große Effizienzgewinne bringen, etwa wenn sie an Wetterprognosen oder Netzbetrieb gekoppelt sind. Zudem wird das Thema Kühlung massiv an Bedeutung gewinnen. Auch hier bieten Wärmepumpen einen entscheidenden Vorteil: Neben ihrer Heizfunktion können sie ohne größere Investitionen zusätzlich sehr effizient kühlen.

Schaffen wir die Klimaneutralität bis 2045?

Das wird sich zeigen. Klar ist aber: Unsere Diskussion ist viel zu oft negativ besetzt. Schließlich ist die bisher erreichte CO2-Reduktion in Deutschland wirklich beachtlich, auch beim „Sorgenkind“ Gebäudesektor sind die Emissionen gegenüber 1990 etwa halbiert worden! Die Wärmewende ist nun mal kein Sprint und sie gelingt nicht mit der Brechstange. Wir müssen den Menschen das Gefühl geben, dass wir zusammen wirklich etwas erreichen können. Und das gelingt nur mit Augenmaß.

Über Prof. Dr.-Ing. Bert Oschatz

Prof. Dr.-Ing. Bert Oschatz ist Ingenieur für technische Gebäudeausrüstung (TGA) und Geschäftsführer am ITG Dresden. Das renommierte Forschungsinstitut forscht bereits seit 2003 schwerpunktmäßig zu den Themen Energieeffizienz, Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit im Gebäudebereich.

ITG Dresden: Netzwerkpartner des Gebäudeforums klimaneutral

Das ITG Institut für Technische Gebäudeausrüstung Dresden Forschung und Anwendung GmbH ist als privates Forschungsinstitut seit 2003 im Bereich Gebäudeenergieeffizienz und der Gebäudetechnik tätig. ITG verfügt über umfangreiche und tiefgehende Kenntnisse und Erfahrungen zur energetischen und wirtschaftlichen Bewertung von Energiesparmaßnahmen im Gebäudebereich und zu den diesbezüglichen Normen. Dabei ist ITG Dresden seit vielen Jahren gutachterlich für Bundesministerien bei der Weiterentwicklung des Energiesparrechts und der Förderprogramme in Deutschland tätig.

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