Projekt
Der Neubau für Clarissakork bündelt Produktion, Lager, Büro und eine Wohneinheit in einem kompakten Gebäude. Das Besondere am „Korkhaus Krumbach“ ist der konsequente Einsatz des Materials Kork: an der Fassade in Kombination mit Holz sowie im Innenraum als Bodenbelag, Wandverkleidung und Oberfläche für Möbel und Ausbauteile.
Der Baukörper nimmt mit Satteldach und klarer Gliederung Bezug auf die regionale Baukultur. Auf einem Sockelgeschoss aus Sichtbeton stehen Erd- und Obergeschoss mit einer Fassade aus Kork und vorgesetzten Holzlamellen. So verbindet das Gebäude regionale Bautraditionen mit einer materialbezogenen, zeitgemäßen Bauweise.
Vorbildcharakter hat das Projekt, weil es zeigt, wie sich Materialwahl, Konstruktion und Nutzung ganzheitlich zusammendenken lassen. Nachwachsende Rohstoffe wie Holz, Kork und Hanf ersetzen in wesentlichen Bereichen konventionelle Baustoffe. Damit rückt das Projekt den Beitrag der Materialien zu Klimaschutz, Lebenszyklus und CO2-Emissionen in den Fokus.
- 65% Erneuerbare Energien
- Baustoffe
- Energieeffizienz
- Neubau
- Nichtwohngebäude
- Wärmepumpe
- Wohngebäude
Bautafel
Bauvolumen
• Außenmaße: 17 x 33 m
• Gewerbliche Nutzfläche: 959,65 m²
• Bruttogeschossflächen: KG 662,7 m², EG 473,3 m², OG 283,8 m²
• Gebäudehüllfläche: 1.295,1 m²
• Bruttovolumen: 3.236,7 m³
Bauzeit
• 08/2022 – 09/2023
Energetischer Zustand des Gebäudes
• Heizwärmebedarf: 23,42 kWh/m²a
Verwendetes Material
• Massivbau mit Hanfwänden in Holzständer-Konstruktion
• Fassade: Sichtkork in Kombination mit Holzlamellen
• Innen: Hanfoberflächen/Hanfbauteile mit Kalkputz, Kork im Ausbau (Boden, Oberflächen, Möbel und Details)
• Warme Zwischendecke zu UG: Stahlbeton, Dämmung WLS 036, Trittschalldämmung, Dampfbremse, Estrich, Korkbelag / Gesamtdicke 50,52 cm
• Fenster: 3-fach Isolierglas mit Wärmeschutz, Holzrahmen (natur) hochwärmedämmend, Uw bei Normfenstergröße = 0,78 W/m²K
Verwendete Gebäudetechnik
• Erdwärmepumpensystem mit Erdsonden (Heizen/Kühlen)
• Photovoltaikanlage auf dem Dach, PV-Leistung 25(kWp)
• abgestimmte Regelung, natürliche Lüftung
Herausforderungen
Eine zentrale Herausforderung war der Einsatz von Kork als Fassadenmaterial. In Vorarlberg prägt vor allem Holz die regionale Baukultur. Die Korkfassade musste daher sowohl konstruktiv als auch gestalterisch so entwickelt werden, dass sich das Gebäude stimmig in sein Umfeld einfügt.
Die Bauherrin und Unternehmensinhaberin bringt große Materialkenntnis aus der eigenen Arbeit mit Kork ein. In der Baupraxis ist das Material jedoch bislang wenig verbreitet. Deshalb wurden seine Eigenschaften für den Außeneinsatz gezielt geprüft. Der Architekt recherchierte den Einsatz von Kork im Außenbereich umfassend und testete das Material zusätzlich unter realistischen Bedingungen. In Verbindung mit schützenden Holzlamellen und Sichtbeton-Gesimsen entstand so eine robuste und wartungsarme Fassadenkonstruktion.
Eine weitere Herausforderung lag in der Organisation der unterschiedlichen Nutzungen innerhalb des kompakten Baukörpers. Im Untergeschoss sind unter anderem Tiefgarage, Lager und Aufenthaltsräume untergebracht. Im Erdgeschoss befinden sich Manufaktur und Büroflächen. Das Obergeschoss nimmt die Wohneinheit mit begrünter Dachterrasse im Dacheinschnitt auf.
Ziele & Erfolge
Mit dem „Korkhaus Krumbach“ wurde ein kompakter Arbeits- und Produktionsstandort mit ergänzender Wohneinheit realisiert. Ziel war ein Gebäude, das materialbewusst, robust und langfristig nutzbar ist. Naturbasierte Baustoffe sollten nicht nur im Innenausbau, sondern auch in der Gebäudehülle eine signifikante Rolle übernehmen.
Zur Dauerhaftigkeit der Fassade tragen die vorgesetzten Holzlamellen und die umlaufenden Sichtbeton-Gesimse bei. Sie schützen die dahinterliegende Korkfassade vor Witterung und wirken zugleich als konstruktiver Sonnenschutz für die Fenster. Damit verbinden sich Materialeinsatz, Witterungsschutz und sommerlicher Wärmeschutz in einer abgestimmten Lösung.
Einen Beitrag zu Energieeffizienz und Klimaschutz leistet das Projekt auf mehreren Ebenen. Holz, Hanf und Kork sind nachwachsende Rohstoffe und ersetzen in wesentlichen Bereichen konventionelle, energieintensive Baustoffe.
Damit unterstützt die Materialwahl ein klimafreundliches Bauen und senkt die CO2-Emissionen über den Lebenszyklus des Gebäudes. Zugleich wird die Betriebsenergie durch ein Erdwärmepumpensystem zum Heizen und Kühlen sowie durch eine Photovoltaikanlage auf dem Dach reduziert. Die kompakte Kubatur und die effiziente Flächennutzung ergänzen dieses ganzheitliche Konzept.
Weitere Aspekte
m² Gebäudehüllfläche
Das Highlight: Die Dauerhaftigkeit der Fassade aus dem Zusammenspiel von Kork, Wetterschutz, Detaillierung und Ausführung.
kWp PV-Leistung
Die Photovoltaikanlage auf dem Dach erreicht eine Leistung von 25 kWp.
m³ Bruttovolumen
Das Projekt umfasst ein Bauvolumen von 3.236,7 m³.
Kork und Hanf fördern Arbeitsatmosphäre
Die 40 cm dicken Holzständerwände mit sichtbar gestampftem Lehm als Füllung verleihen den Räumen der Manufaktur eine warme und organische Optik. Aufgrund seiner feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften sorgt der Hanf für ein gutes Raumklima. Außerdem fungiert er als Schallabsorber. Im Obergeschoss sind die Holzständerwände mit kalkverputzten Hanfziegeln gefüllt.
Der nachhaltige, pflegeleichte und rutschfeste Korkteppich, mit dem die Manufaktur ausgelegt ist, schont durch seine leichte Flexibilität die Gelenke der Mitarbeitenden.
Das Projekt zeigt, dass auch wenig verbreitete Materialien in der Gebäudehülle eingesetzt werden können, wenn ihre Eigenschaften vorab umfassend geprüft und die konstruktiven Details sorgfältig entwickelt werden. Beim Korkhaus Krumbach entstand die Dauerhaftigkeit der Fassade aus dem Zusammenspiel von Kork, Wetterschutz, Detaillierung und Ausführung. Für künftige Projekte lässt sich daraus ableiten, dass Materialinnovationen vor allem dann tragfähig werden, wenn Planung, Ausführung und Praxistest eng miteinander verbunden sind.