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bunte butze: Wohnen. Leben. Arbeiten.

Die „bunte butze“ in Magdeburg zeigt, wie sich ein innerstädtisches Bestandsgebäude zu einem Modell für klimaverträgliches und gemeinschaftliches Stadtleben entwickeln lässt.

Foto, Dreigeschossiges Gebäude mit Solarpaneelen auf dem Dach und Graffiti an der Fassade in einer Wohngegend
Foto, Solaranlage auf einem Dach mit Blick auf eine Stadtlandschaft und bewölktem Himmel

Projekt

Wie möchten wir in Zukunft leben? Das Projekt „bunte butze“ gibt die Antworten. Im Magdeburger Stadtteil Stadtfeld-Ost wurde ein rund 125 Jahre altes Gründerzeithaus kernsaniert, umgebaut und erweitert. Es zeigt, wie innerstädtisches Leben CO2-neutral, nachhaltig und sozial gestaltet werden kann.

Im Februar 2020 gründeten drei befreundete Familien die bunte butze GmbH, um das Eckhaus mit einem innovativen Konzept zu sanieren. Entstanden ist ein Haus mit 11 Wohneinheiten und drei gewerblichen Einheiten auf einer Gesamtfläche von 1.510,90 m².

Ziel war nicht nur eine klimaverträgliche Sanierung, sondern ein Gebäude, das Wohnen, Arbeiten, Kinderbetreuung und Nahversorgung räumlich und funktional an einem Ort bündelt. Hinzu kommt der soziale Aspekt: In der bunte butze GmbH ist Altruismus im Gesellschaftsvertrag festgeschrieben. Eine Rendite wird nicht ausgeschüttet, und die Eigentümerinnen und Eigentümer zahlen die gleiche Miete wie alle anderen.

Die große öffentliche Resonanz und die Auszeichnungen auf kommunaler und Landesebene unterstreichen den Modellcharakter des Projekts.
 

  • Nichtwohngebäude
  • Sanierung
  • Wärmepumpe
  • Wohngebäude
Stand: Juli 2026

Bautafel

Bauvolumen
• 1.510,90 m²
• Nutzung: Wohnen, Coworking, Kindertagesbetreuung, Laden/Bistro
• 11 Wohneinheiten
• Gewerbliche Nutzung mit 3 Einheiten: ERNAs LebensMittelPunkt, bunte butze coworking, Kinderbetreuung Krabbenbutze

Bauzeit
• 2021 bis 2023

Energetischer Zustand des Gebäudes
• KfW-Effizienzhaus 115

Verwendetes Material
• Innendämmung mit Hanf
• Lehmwände bzw. Lehmputz
• Holz aus regionaler bzw. nachhaltiger Herkunft
• dreifachverglaste Holzfenster

Verwendete Gebäudetechnik
• Photovoltaik
• Geothermie/Sole-Wasser-Wärmepumpe
• dezentrale Warmwasserbereitung

Grafik, Kartenauschnitt von Berlin als Vorschaubild

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Herausforderungen

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Wie kann man ein rund 125 Jahre altes innerstädtisches Bestandsgebäude so umbauen, dass hohe ökologische Ansprüche, soziale Ziele und wirtschaftliche Machbarkeit zusammenfinden?

Anders als bei einem Neubau mussten energetische Maßnahmen, neue Nutzungen und technische Systeme in eine vorhandene Struktur integriert werden. Hinzu kam der Anspruch, den Bestand möglichst weitgehend zu erhalten, vorhandene Materialien weiterzuverwenden und neue Baustoffe bewusst nach ökologischen Kriterien auszuwählen. Für die Geothermie mussten geeignete Flächen für Tiefenbohrungen gefunden und genehmigt werden.

Das Projekt erforderte darüber hinaus einen hohen Abstimmungsaufwand mit Behörden, Banken und Fachplanenden. Zugleich sollten möglichst viele Sanierungsarbeiten in Eigenleistung erbracht und für fachhandwerkliche Aufgaben mit lokalen, qualifizierten Betrieben zusammengearbeitet werden.
 

Das Dach wurde angehoben und nach Südwesten ausgerichtet, um die Stromerzeugung anzukurbeln.

Ziele & Erfolge

Das Projekt „bunte butze“ hat alle Herausforderungen gemeistert und setzt auf ein integrales Konzept aus baulicher Sanierung, erneuerbarer Energieversorgung und gemeinschaftlicher Nutzung. Das vorhandene Gebäude wurde erhalten, energetisch ertüchtigt und um neue Nutzungen ergänzt. Dazu zählen:

  • Das bunte butze coworking bietet feste und flexible Arbeitsplätze sowie Raum für Besprechungen und Workshops.
  • Die Kinderbetreuung in der Krabbenbutze umfasst zwei Gruppen für Kinder von 0 bis 6 Jahren.
  • „ERNAs LebensMittelPunkt“ verbindet ökologische Nahversorgung, Bistro und Kulturprogramm.

Ein weiteres, besonderes Merkmal ist das Flatrate-Mietmodell: Die Mietenden zahlen eine Festmiete, eine klassische Nebenkostenabrechnung gibt es nicht. Möglich wird das durch ein ganzheitliches Energie- und Versorgungskonzept.

Das Energiegewinnung verbindet Geothermie und Photovoltaik. Beheizt wird das Gebäude über eine Sole-Wasser-Wärmepumpe mit acht Erdsonden im Vorgarten und Hof von jeweils bis zu 100 Metern Tiefe. Ergänzt wird das System durch groß dimensionierte Warmwasserspeicher, um solare Erträge besser zu nutzen. Für die Warmwasserbereitung kommen zusätzlich dezentrale Wärmepumpenlösungen in den einzelnen Einheiten zum Einsatz. Um die Solarstromerzeugung zu optimieren, wurde das ursprünglich ungünstig ausgerichtete Dach angehoben und neu nach Süden und Westen orientiert. Auf diese Weise ist eine Stromerzeugung von bis zu 70.000 Kilowattstunden pro Jahr möglich.

Die Außenwände wurden innenseitig mit Hanf gedämmt. Auf die Dämmschicht wurde eine wasserführende Flächenheizung aufgebracht und mit Lehm verputzt. So werden Dämmung und Wärmeabgabe in einem Bauteil kombiniert. Ergänzt wird die Gebäudehülle durch dreifachverglaste Holzfenster. Der Innenausbau mit natürlichen Materialien verbessert nicht nur die Klimabilanz, sondern unterstützt auch ein gesundes Raumklima. Verwendet wurden überwiegend regionale Naturmaterialien: Der Hanf stammt aus der Uckermark, der Lehm aus der Altmark und das Holz größtenteils aus dem Jerichower Land.

Ein weiterer Baustein ist die Grauwassernutzung. Wasser aus Dusche, Badewanne und Regenwasser wird aufbereitet und anschließend für Toiletten, Waschmaschinen sowie Reinigungs- und Gießwasser genutzt. Die Anlage ist für bis zu 5.500 Liter pro Tag ausgelegt. Damit adressiert das Projekt nicht nur den Energieverbrauch, sondern auch den sparsamen Umgang mit Trinkwasser und langfristig niedrigere Betriebskosten.

Unverpackte Lebensmittel in ERNAs LebensMittelPunkt
Photovoltaikanlage und Blick über die Stadt
Verlegung der Flächenheizung

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Lessons learned

2023

Umweltpreis der Stadt Magdeburg

2023 wurde der Umweltpreis der Stadt Magdeburg verliehen.

2025

Umweltpreis Sachsen-Anhalt

Das Projekt wurde ebenfalls mit dem ersten Platz des Umweltpreises Sachsen-Anhalt ausgezeichnet.

70000

kWh Strom

Die Ausrichtung des Dachs wurde so optimiert, dass eine Stromerzeugung von bis zu 70.000 Kilowattstunden pro Jahr möglich ist.

Die „bunte butze“ verdeutlicht, dass klimaverträgliche Bestandsentwicklung dann besonders wirksam wird, wenn technische, soziale und funktionale Aspekte gemeinsam konzipiert und realisiert werden. Das Projekt zeigt, dass sich auch ein großes innerstädtisches Bestandsgebäude mit natürlichen Materialien, erneuerbarer Energie, wassersparender Technik und einem konsequenten Nutzungsmix zukunftsfähig weiterentwickeln lässt.

Entscheidend ist dabei nicht nur die Energieversorgung, sondern das Zusammenspiel von Gebäude, Nutzung und sozialer Organisation: kurze Wege, gemeinschaftliche Strukturen, ressourcenschonendes Bauen und ein Betrieb, der Klimaschutz und Bezahlbarkeit miteinander verbindet.
 

Klimaverträgliche Bestandsentwicklung in Magdeburg

Kontakt & Akteure

Ihr persönlicher Kontakt

bunte butze GmbH

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Foto, Nahaufnahme von mehreren Stecknadeln in einer Pinwand, die mit Bindfäden untereinander verbunden sind.
Akteure
  • Projektträger/Eigentümergesellschaft: bunte butze GmbH
  • Architektur/Planung: MASTERPLAN Konstruktions- und Planungsgesellschaft mbH