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Aerosole für dichte Lüftungsleitungen

Stand: Juli 2022
Foto, Lüftungstechniker arbeitet an einer an der Decke montierten Lüftungsanlage.

In vielen Lüftungssystemen führen Leckagen zum Verlust von Wärme und zum Mehrbedarf an Strom. Um solche Leckagen aufzufinden und abzudichten, gibt es zahlreiche Techniken. Eine erprobte innovative Technik nutzt dafür Aerosole.

Problemfall Leckagen

Längst wird bei einer wachsenden Zahl von raumlufttechnischen Systeme (RLT) ein strukturelles Problem manifest: Auftraggebende legen zwar zunehmend großen Wert auf höchste Dichtheitsklassen, was sich bei Planung und Sanierung und den Vorgaben in Ausschreibungen zeigt. Doch in der Praxis ist die Rate an Leckagen höher, als in den jeweiligen Dichtheitsklassen toleriert wird. Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass ein Großteil der Systeme in Deutschland und Europa 15 bis maximal 40 Prozent Leckagen aufweisen (Quelle: VIP 40: Ductwork airtightness - A review).

Folgen durch Leckagen

Durch Leckagen funktionieren die Lüftungsanlagen nicht mehr standardgemäß, Raumluft und -hygiene sind qualitativ unzureichend und die Betriebskosten steigen. Im Einzelnen bedeutet das:

  • Die aufwendig aufbereitete Luft verteilt sich unreguliert in Räumen sowie häufig in Schächten und Zwischendecken oder geht verloren. Der Verlust muss kompensiert werden: Zehn Prozent mehr Leckagen in einem Leitungsnetz erfordern eine um 30 Prozent erhöhte Leistung der Ventilatoren und damit einen wesentlich höheren Stromverbrauch und folglich höhere Kosten (Quelle: ICEE report n° 2017-01 „Energy savings estimates of ductsealing applications“).
  • Damit einher gehen auch Verluste an Wärme oder Kälte, die jeweils luftseitig transportiert werden müssen.
  • Leckagen führen im System dazu, dass der Vordruck der Luft zu niedrig ist und der Volumenstrom nicht mehr korrekt geregelt werden kann. Das dezimiert die Luftreserven, die jedoch wichtig sind, wenn der Filterdruck im Betrieb aufgrund von Verschmutzung steigt. Die Möglichkeiten, Luft im weit verzweigten Kanalsystem zu regulieren, ist dann stark beeinträchtigt und unterversorgte Räume fallen durch erhöhte CO2-Werte qualitativ ab.
  • Ferner können auch Geräusche in den Zwischendecken entstehen, die bis zu den Nutzerinnen und Nutzern dringen.
  • Luft, die von Außenbereichen hineinströmt, kann zusätzlich störende Gerüche mit sich führen.

Gängige Verfahren zur Abdichtung von Lüftungsanlagen

  1. Dichtstoffe wie Acryle, Butyle, MS-Polymäre, Silikone u.a.m.., die aus der Kartusche per Hand oder maschinell verarbeitet werden
  2. Dichtbänder auf Basis von PVC, Polyethylen, EPDM, Keramikfaser u. a. m., die in die Flansch-Verbindung eingelegt werden
  3. Klebebänder wie Kaltschrumpf-, Aluminium- oder PVC-Klebebänder bzw. Duct-Tape
  4. Folierverfahren/Inlayer, mit denen die Innenwände der Leitungen ausgekleidet werden
  5. Beschichtungsverfahren
  6. Abdichtung der Leckagen mit Dichtstoff

Innovation: Abdichtung mit Aerosol-Dichtstoff

Mit Hilfe von Druckluft und Wärme wird der Dichtstoff, der den Anforderungen der VDE 6022 entspricht, zerstreut und in die Luftleitung eingebracht. Die zerstäubten Partikel lagern sich schließlich an den Leckagen des Systems ab und verschließen sukzessive undichte Stellen, die bis zu 15 mm Durchmesser groß sein können.

Wie funktioniert das?

Mit Dichtstoff beladene Luft wird in das Luftleitungssystem eingeleitet. Sie strömt zu undichten Stellen, zu Ritzen, Spalten und Löchern, da in diesen Bereichen der Druck absinkt. Beim Durchströmen dieser Stellen von innen nach außen lagern sich kleinste Mengen des Dichtstoffs an den Rändern der Leckagen ab und verschließen diese dann dauerhaft.

Diese Methode benötigt in der Regel nur wenige Stunden, um eine Leckage abzudichten. Da die Bausubstanz unberührt bleibt, sind die Ausfallzeiten der Lüftungsanlagen minimal und die Gebäude können uneingeschränkt weiter genutzt werden.

Dichtstoff mit Aerosolen für schnelle Reparaturen im Bestand

Die Technologie wurde in den 1990er Jahren an der Universität Berkeley/Kalifornien entwickelt. In den Vereinigten Staaten wurde sie anfangs in Wohngebäuden und später auch in gewerblichen Immobilien angewendet. Seither wurden weltweit in über 125.000 Objekten die RLT-Leitungen mit Hilfe dieser Technologie abgedichtet. Davon befinden sich mehr als 500 Objekte in Europa.

Durch diesen innovativen Ansatz ist eine aufwendige Suche nach Leckagen und ihre manuelle Reparatur nicht mehr notwendig, was insbesondere bei großen Leitungsnetzen erheblich Zeit spart. Auch kleine Undichtigkeiten an schwer zugänglichen Stellen werden von den Aerosolen des Dichtstoffes erfasst.

Mit dieser innovativen Technik kann eine Dichtheitsklasse D erreicht und damit die Energieeffizienz des Gebäudes gesteigert werden.

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